Fritz7 schrieb:Für mich sind bei aller interreligiösen Zusammenarbeit die Gottesvorstellungen der drei Schrifreligionen so unterschiedlich, dass es nicht besonders weiterführend und sinnvoll ist vom gleichen Gott zu reden.Für mich ist das nicht so, lieber Fritz,
wir haben in allen drei "Schriftreligionen" den Gott Abrahams vor uns, von dem gesagt wird, dass er derselbe war und ist und in Ewigkeit bleiben wird.
Es geht um den Gott der Liebe und sozialen Gerechtigkeit, der die Ethik in seinen Geboten in den Vordergrund stellt und dem alle drei Abrahamsreligionen in dieser Hinsicht verpflichtet sind.
Unterschiedlich sehe ich allerdings die Wege zu ihm,
wie die drei Religionen sie beschreiben. Aber auch hierin sind eher Nuancen unterschiedlich als Fundamente.
Jesus bekennt sich in der Bergpredigt zum mosaischen Gesetz, das er für seine Zeit radikaler auslegt, weil er die Folgen einer platten Kasuistik erkennt und bekämpft. Er will in die Tiefe, wo Herz und Seele noch eine Einheit sind und die Liebe wohnt, aus der sich alle Gesetze als hilfreiche Wegmarkierungen erkennen lassen, nicht als Hürden, die zu nehmen sind.
Mohammed hat sich in seiner eklektizistischen Sicht von Juden- und Christentum aus allem das Beste für seine Verhältnisse und Anhängerschaft ausgesucht. Er hat natürlich andere Akzente gesetzt, wenn er die Kreuzigung Jesu ablehnt und somit nicht den Weg der Liebe bis zur Selbstaufgabe und Hingabe im Tod beschreibt. Aber damit wird doch das Gottesbild nicht anders. Die Vorstellung vom Weg zu Gott ist eine andere.
Ich stimme dir zu, dass ein "Einheitsbrei" nicht weiterführt,
denn die unterschiedlichen Bekenntnisse zu den unterschiedlichen Wegen führen zu Unterschieden in der Ethik, dem Kultus usw.. Jeder sollte den Weg wählen, der ihn überzeugt.
Leider hat aber das Bekenntnis zu einem der drei Wege noch nie verhindert, dass genau die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen wurde, dass z.B. Liebes-Apostel zu Massenmördern wurden.
So fühle ich mich eher einig
mit einem kritisch-progressiven Juden oder Muslim, eher im Glauben mit ihm verbunden als mit einem erzkonservativen christlichen Wörtlichnehmer oder Fundamental-Dogmatiker.
Die Religionszugehörigkeit
sagt überhaupt wenig über einen Menschen aus, sein Leben als Anwendung seiner Ethik aber viel. Und unsere konkreten Gottes-Vorstellungen sind sowieso alle falsch, denn "Gott ist anders."
Aber das wirst du nicht anders sehen.
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" (Gustav Mahler nach Thomas Morus)


