30-08-2004, 04:08
Hi :.)
Nun, die Fragestellung kommt schon oefter vor, auch damit verwandte, und ich meine, es steckt ein Denkfehler dahinter, sich zu fragen, ob das Boese nicht eigentlich gut ist
- ups - "eigentlich gut"
- dann ist doch "gut" nicht mehr gut - also was soll es bringen?
In wohlwollenden Phantasien wird denkbar, dass dieser Judas es doch gut-gemeint haben koennte und gar nicht vorhatte, dass seinem Meister wirklich Schlimmes passiert, denn zwei Leute der Bibel namens Je-Juda hatten mit einer aehnlichen Aktion, die Tempelgarde zu holen, zwei Gesalbte auf ihren Thron gebracht, Salomo den Juengling und Joasch das Kind. Judas kann sich damit wegen des Namens beschaeftigt haben.
Sagen wir mal so: man muss den Mann Judas trennen vom Begriff "Judas, der ihn verriet", denn so heisst er in den Evangelien ja immer. Es gab ja noch einen Apostel Judas, den Thaddaeius. Wenn jemand von vornherein eingefuehrt wird als einer-der-verriet, und wenn man beruecksichtigt, dass solch ein Verraten-Werden von niemandem in der Welt als Tugend empfunden werden kann, dann muss man das Kind im Bade lassen oder das Ganze geht in die Binsen. "Boese" ist etwas, das man wirklich mit boese meint, man empfindet es nicht als etwas Gutes, schaut man auf alles Leid und den Kummer, auf Verzweiflung, Hass, Neid, Hohn, angetane Krankheit, Vergewaltigung, Misshandlung und vorschnellen Tod - das ist ein Gesamtpaket mit dem Inhalt "Gegenteil von gut".
Einmal heisst es von diesem Judas zusaetzlich, dass er von Anfang an ein Dieb gewesen sei. Aus anzitierten Szenen, wo er vorkommt, koennte man sagen, auf Hebraeisch, er war ein 'Atsel - das ist aber nicht der "Faule" im Sinne von traege, sondern dem AT nach jemand, der gern die Tuerangel spielt und von hinten andere bewegt. Er hat nicht etwa Jesus gefragt, ob er auf diesen Thron wollte, das koennte er fuer unerheblich gehalten haben, insofern er sich trotz der gemeinsamen Jahre und seiner Vertrauens-Position, die Kasse der wandernden Schule zu verwalten und die 12 samt Jesus zu verproviantieren, und damit auch zusaetzlich Arme zu versorgen, eventuell schon in der Verwaltung des Reichsschatzes in naher Zukunft hineintraeumte - egal, wer es regiert.
Das kann aber Christen nicht egal sein. Es ging um G"TTES Reich - was auch fuer Juden relevant ist, und auch fuer Muslime. Da ist es eher egal, wer die Kasse verwaltet, als: WER das Reich bestimmt und regiert.
Wie auch immer: der Mensch und Apostel Judas hat seine Chance beim Juengsten Gericht, doch nicht einen Tag eher, denn die Nachricht von denen, die dabei waren und ihn naeher erlebt hatten, ist eindeutig.
Wir koennen nicht 2000 Jahre spaeter entscheiden, dass der "doch-gut" war - denn die anderen - sogar Jesus selbst - waeren doch damit Verleumder eines Glaubensbruders - das muss man mit durchdenken. Was sollte damit gewonnen sein?
Es ist nicht alles legitim, was denk-moeglich zu sein scheint, also auf jeden Fall nicht, dass man Boeses zu gut erklaert - denn damit ist eben nichts mehr fuer "gut" uebrig, ein schizoider Ansatz ist das also.
Unser juedisches Unglueck hat ausserdem auch mit dessen Namen zu tun, und schon das wuerde auch Juden nichts Gutes antun, ihn ploetzlich nur darum zu "rehabilitieren", weil man uns insgesamt dafuer derartig leiden machte in den 2000 Jahren. Da gibt es geeignetere Ansatzpunkte.
Aber manche merken das nicht und tun uns das nun auch noch an, die Erloesung der Welt von allen Uebeln von solch einem Judas initiiert sehen zu wollen. Wir koennen aber aus eignem Erleiden sehr wohl gut von boese auseinanderhalten. Wir wuerden doch auch nicht sagen, dass einer, der einem den schnellsten Abgang ins Gan Eden verschafft hat, uns damit eigentlich eine wahre Freude bereitet hat. Wenn es was zum Freuen gibt, dann doch nicht durch den Moerder, sondern durch Den guten G"TT, der uns nicht auch noch danach leiden lassen mag. ER, Der "das herz-betruebte, verlassene Weib" annimmt und nicht verlaesst - ER ist gut - aber nicht der, der dies Herz betruebte und verlassen hat.
Man sollte das Gesamt-Paket nicht aus dem Auge verlieren, ehe man an solche Gedanken-Spielereien geht. Wie gesagt: ich darf dem Menschen, der sich verfehlte, zugestehen, dass er einst noch Gnade findet, aber nicht, dass etwas definiert-Boeses doch-gut gewesen sei.
Wir sollen doch das Gute tun und Boeses lassen, weil wir es ja wissen, wie es sich anfuehlt, Boeses angetan zu kriegen. "Was wir nicht moegen, dass man es mit uns tue, sollen wir andern auch nicht tun. - Das ist der ganze Inhalt der Hl.Schrift" sagte Hillel d.A. Er lehrte und lehrte in der Generation Josefs, des Vaters Jesu und wusste, wovon er redete.
Damals hatten die Roemer schon allerorten Kreuzigungen eingefuehrt und Koenig Herodes gebrauchte diese graessliche Strafe reichlich. Man koennte vielleicht denken, dass Judas an das wirklich nichtmal gedacht hat, dass auch das seinem Rabbi zustossen koennte - aber dass es um das Toeten ging, musste er wissen. Also nichts entschuldigt dieses, auch wenn man noch hinzunimmt, dass es laut der Aussagen der Evangelien direkt in die Sedernacht gefallen sein soll - Israels froehlichstes Fest war ihm nicht genug heilig, sodass er hinging und jemanden auslieferte und damit auch den Institutionen den Festtag brach. (Lassen wir es hier mal beiseite, wie das ueberhaupt zeitlich gegangen sein soll) - berichtet wird nur eben das, dass es auch noch extra-schlimm war, dass es in der Heiligen Nacht geschah, waehrend der Klerus wenigstens noch gesagt hatte: nicht am Fest. Die andern Apostel, die damit ja auch in jener Nacht ihren "Offenbarungseid" erlebten, Petrus, der zwar blieb, aber einen liebsten Herrn nun verleugnete und dem es dann fast das Herz brach, sich als so aengstlich-klein zu erkennen, und die andern, die rannten, um zu ueberleben, das ist alles zusammen geschildert als Unheil, das ihnen doch auch noch allen geschah. Ein paar Tage vorher der Jubel... ein paar Tage vorher noch so viel mannhafter Mut ... zwar schon Bedenken, doch alle voeller Hoffnungen ... Plaene und Traeume -
Wer angesichts dessen diesen Judas "retten" will, der folgt zwar einer wahren Eigenschaft der Menschen, dass sie das wirklich Boese derartig ablehnen, dass sie immer wieder versuchen, ihm gar nichts zu goennen, also dass nach jeder schlechten Regierung die Angehoerigen sich bemuehen, dass ihr Liebster "das" nicht gewesen sein sollte, sondern "der weisse Rabe" war - also der Boese selbst, der die Menschen verleumden wollte, wird mit ziemlich leeren Haenden dastehen, weil Menschen dann doch viel verzeihen - aber vorweg-eilen sollte man nicht dem Juengsten Gericht, wo das alles wirklich geklaert werden kann, denn was man dem stellvertretend vergibt, der einem Dritten etwas Boses antat, muesste das Vergeben schon wirklich dem ueberlassen, dem es angetan wurde, ob der es kann. Trotz Auferstehung, 40 Tagen Beisammenseins, Himmelfahrt und Pfingst-Erlebnis ist es der Schrift nach den Aposteln nicht gelungen, Judas nun zu akzeptieren, und auch steht da nichts, dass Jesus etwa weich gestimmt war und es hinterher wem aufgetragen haette - und Judas selbst verzieh es sich ja auch nicht mehr, er brachte sich um.
Also nimm's wie es ist: diese Judas-Rolle war nicht ruehmlich.
Es ist schade, aber wir sollten das ernstnehmen, auch wenn es um andere geht, denen Schlimmes passiert. Man kann das sogar als einen Heiligkeits-Bezirk bezeichnen, dass um einen grandios boesen Taeter ein Vakuum entsteht, weil, wenn das Boese nicht gutgeheissen werden soll, niemand diesen exculpieren sollte. Das ist eben auch kein Aufruf zur Selbst-Justiz aus Empoerung angesichts der Leidenden. - Auch das ist unerlaubbar, grade weil das Boese wirklich boese ist. Da muss ein gerechter Richter hin. Nur das.
mfG WiT :.)
Nun, die Fragestellung kommt schon oefter vor, auch damit verwandte, und ich meine, es steckt ein Denkfehler dahinter, sich zu fragen, ob das Boese nicht eigentlich gut ist
- ups - "eigentlich gut"
- dann ist doch "gut" nicht mehr gut - also was soll es bringen?
In wohlwollenden Phantasien wird denkbar, dass dieser Judas es doch gut-gemeint haben koennte und gar nicht vorhatte, dass seinem Meister wirklich Schlimmes passiert, denn zwei Leute der Bibel namens Je-Juda hatten mit einer aehnlichen Aktion, die Tempelgarde zu holen, zwei Gesalbte auf ihren Thron gebracht, Salomo den Juengling und Joasch das Kind. Judas kann sich damit wegen des Namens beschaeftigt haben.
Sagen wir mal so: man muss den Mann Judas trennen vom Begriff "Judas, der ihn verriet", denn so heisst er in den Evangelien ja immer. Es gab ja noch einen Apostel Judas, den Thaddaeius. Wenn jemand von vornherein eingefuehrt wird als einer-der-verriet, und wenn man beruecksichtigt, dass solch ein Verraten-Werden von niemandem in der Welt als Tugend empfunden werden kann, dann muss man das Kind im Bade lassen oder das Ganze geht in die Binsen. "Boese" ist etwas, das man wirklich mit boese meint, man empfindet es nicht als etwas Gutes, schaut man auf alles Leid und den Kummer, auf Verzweiflung, Hass, Neid, Hohn, angetane Krankheit, Vergewaltigung, Misshandlung und vorschnellen Tod - das ist ein Gesamtpaket mit dem Inhalt "Gegenteil von gut".
Einmal heisst es von diesem Judas zusaetzlich, dass er von Anfang an ein Dieb gewesen sei. Aus anzitierten Szenen, wo er vorkommt, koennte man sagen, auf Hebraeisch, er war ein 'Atsel - das ist aber nicht der "Faule" im Sinne von traege, sondern dem AT nach jemand, der gern die Tuerangel spielt und von hinten andere bewegt. Er hat nicht etwa Jesus gefragt, ob er auf diesen Thron wollte, das koennte er fuer unerheblich gehalten haben, insofern er sich trotz der gemeinsamen Jahre und seiner Vertrauens-Position, die Kasse der wandernden Schule zu verwalten und die 12 samt Jesus zu verproviantieren, und damit auch zusaetzlich Arme zu versorgen, eventuell schon in der Verwaltung des Reichsschatzes in naher Zukunft hineintraeumte - egal, wer es regiert.
Das kann aber Christen nicht egal sein. Es ging um G"TTES Reich - was auch fuer Juden relevant ist, und auch fuer Muslime. Da ist es eher egal, wer die Kasse verwaltet, als: WER das Reich bestimmt und regiert.
Wie auch immer: der Mensch und Apostel Judas hat seine Chance beim Juengsten Gericht, doch nicht einen Tag eher, denn die Nachricht von denen, die dabei waren und ihn naeher erlebt hatten, ist eindeutig.
Wir koennen nicht 2000 Jahre spaeter entscheiden, dass der "doch-gut" war - denn die anderen - sogar Jesus selbst - waeren doch damit Verleumder eines Glaubensbruders - das muss man mit durchdenken. Was sollte damit gewonnen sein?
Es ist nicht alles legitim, was denk-moeglich zu sein scheint, also auf jeden Fall nicht, dass man Boeses zu gut erklaert - denn damit ist eben nichts mehr fuer "gut" uebrig, ein schizoider Ansatz ist das also.
Unser juedisches Unglueck hat ausserdem auch mit dessen Namen zu tun, und schon das wuerde auch Juden nichts Gutes antun, ihn ploetzlich nur darum zu "rehabilitieren", weil man uns insgesamt dafuer derartig leiden machte in den 2000 Jahren. Da gibt es geeignetere Ansatzpunkte.
Aber manche merken das nicht und tun uns das nun auch noch an, die Erloesung der Welt von allen Uebeln von solch einem Judas initiiert sehen zu wollen. Wir koennen aber aus eignem Erleiden sehr wohl gut von boese auseinanderhalten. Wir wuerden doch auch nicht sagen, dass einer, der einem den schnellsten Abgang ins Gan Eden verschafft hat, uns damit eigentlich eine wahre Freude bereitet hat. Wenn es was zum Freuen gibt, dann doch nicht durch den Moerder, sondern durch Den guten G"TT, der uns nicht auch noch danach leiden lassen mag. ER, Der "das herz-betruebte, verlassene Weib" annimmt und nicht verlaesst - ER ist gut - aber nicht der, der dies Herz betruebte und verlassen hat.
Man sollte das Gesamt-Paket nicht aus dem Auge verlieren, ehe man an solche Gedanken-Spielereien geht. Wie gesagt: ich darf dem Menschen, der sich verfehlte, zugestehen, dass er einst noch Gnade findet, aber nicht, dass etwas definiert-Boeses doch-gut gewesen sei.
Wir sollen doch das Gute tun und Boeses lassen, weil wir es ja wissen, wie es sich anfuehlt, Boeses angetan zu kriegen. "Was wir nicht moegen, dass man es mit uns tue, sollen wir andern auch nicht tun. - Das ist der ganze Inhalt der Hl.Schrift" sagte Hillel d.A. Er lehrte und lehrte in der Generation Josefs, des Vaters Jesu und wusste, wovon er redete.
Damals hatten die Roemer schon allerorten Kreuzigungen eingefuehrt und Koenig Herodes gebrauchte diese graessliche Strafe reichlich. Man koennte vielleicht denken, dass Judas an das wirklich nichtmal gedacht hat, dass auch das seinem Rabbi zustossen koennte - aber dass es um das Toeten ging, musste er wissen. Also nichts entschuldigt dieses, auch wenn man noch hinzunimmt, dass es laut der Aussagen der Evangelien direkt in die Sedernacht gefallen sein soll - Israels froehlichstes Fest war ihm nicht genug heilig, sodass er hinging und jemanden auslieferte und damit auch den Institutionen den Festtag brach. (Lassen wir es hier mal beiseite, wie das ueberhaupt zeitlich gegangen sein soll) - berichtet wird nur eben das, dass es auch noch extra-schlimm war, dass es in der Heiligen Nacht geschah, waehrend der Klerus wenigstens noch gesagt hatte: nicht am Fest. Die andern Apostel, die damit ja auch in jener Nacht ihren "Offenbarungseid" erlebten, Petrus, der zwar blieb, aber einen liebsten Herrn nun verleugnete und dem es dann fast das Herz brach, sich als so aengstlich-klein zu erkennen, und die andern, die rannten, um zu ueberleben, das ist alles zusammen geschildert als Unheil, das ihnen doch auch noch allen geschah. Ein paar Tage vorher der Jubel... ein paar Tage vorher noch so viel mannhafter Mut ... zwar schon Bedenken, doch alle voeller Hoffnungen ... Plaene und Traeume -
Wer angesichts dessen diesen Judas "retten" will, der folgt zwar einer wahren Eigenschaft der Menschen, dass sie das wirklich Boese derartig ablehnen, dass sie immer wieder versuchen, ihm gar nichts zu goennen, also dass nach jeder schlechten Regierung die Angehoerigen sich bemuehen, dass ihr Liebster "das" nicht gewesen sein sollte, sondern "der weisse Rabe" war - also der Boese selbst, der die Menschen verleumden wollte, wird mit ziemlich leeren Haenden dastehen, weil Menschen dann doch viel verzeihen - aber vorweg-eilen sollte man nicht dem Juengsten Gericht, wo das alles wirklich geklaert werden kann, denn was man dem stellvertretend vergibt, der einem Dritten etwas Boses antat, muesste das Vergeben schon wirklich dem ueberlassen, dem es angetan wurde, ob der es kann. Trotz Auferstehung, 40 Tagen Beisammenseins, Himmelfahrt und Pfingst-Erlebnis ist es der Schrift nach den Aposteln nicht gelungen, Judas nun zu akzeptieren, und auch steht da nichts, dass Jesus etwa weich gestimmt war und es hinterher wem aufgetragen haette - und Judas selbst verzieh es sich ja auch nicht mehr, er brachte sich um.
Also nimm's wie es ist: diese Judas-Rolle war nicht ruehmlich.
Es ist schade, aber wir sollten das ernstnehmen, auch wenn es um andere geht, denen Schlimmes passiert. Man kann das sogar als einen Heiligkeits-Bezirk bezeichnen, dass um einen grandios boesen Taeter ein Vakuum entsteht, weil, wenn das Boese nicht gutgeheissen werden soll, niemand diesen exculpieren sollte. Das ist eben auch kein Aufruf zur Selbst-Justiz aus Empoerung angesichts der Leidenden. - Auch das ist unerlaubbar, grade weil das Boese wirklich boese ist. Da muss ein gerechter Richter hin. Nur das.
mfG WiT :.)
