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Sichtweise auf andere Religionen
#17
(02-02-2010, 17:54)Gundi schrieb: wie (stehen) Angehörige einer Religion zu anderen Religionen ().
Du fragst dann weiter, ob auch andere Religionen Wege zu Gott sein können, wobei die Wege bereits das Ziel sein können.
Als christlicher Protestant stelle ich die Frage nach der Aufgabe des Glaubens.

Meines Erachtens besteht dieser darin, einerseits unsere Haltung zu den Mitmenschen zu trainieren, andererseits die Welt als eine Heimat für unser Dasein betrachten zu lernen. Schließlich definiert der Glaube Zielvorstellungen für das menschliche Miteinander und gibt Rezepte zur Konfliktbewältigung. Daraus folgen unter anderem auch Anforderungen wie Solidarität, Achtsamkeit, Gerechtigkeit, Lebensbejahung und -förderung. Dies wäre in deinem Sinne, grob umrissen, "der Weg zu Gott" oder, wie man es nimmt "der Wille Gottes".
Das ist auch kein Widerspruch zur traditionellen Vorstellung über die jenseitige Welt; denn das Leben jenseits von Welt und Zeit beinhaltet ja das Idealmaß an Harmonie und Bedürfnisfreiheit (Gottesnähe).

In der Tat wird damit der „Glaube“ als Weg bedeutsam und die mythischen Vorstellungen verlieren an Bedeutung. Das Problem ist jedoch die Verunsicherung darüber, was denn nun gilt im Sinne strenger Regelhaftigkeit. An Versuchen, strenge Regeln (und Lehrsätze) an die Stelle des Weges zu setzen, hat es in allen Religionsgemeinschaften gegeben mit fortdauernder Wirkung!
Damit wird nicht jeder Weg der Richtige, aber sehr viele Wege, sofern sie sich den oben beispielhaft skizzierten Idealen anzunähern versuchen.

Melek wirft diverse Stellen des Korans in die Debatte, die einerseits andere Religionen (Judentum, Christentum) als Wege ansehen, andererseits Andersgläubige und Ungläubige nicht voneinander unterscheiden und verdammen. So wie im protestantischen Christentum wird es wohl auch im Islam Anschauungen geben, die eben „auf die guten Werke sehen“ und die Einzelheiten dem Einzelnen überlassen. Bei „Glaube an Gott (Allah)“ wäre natürlich zu fragen, was das Ziel dieses Glaubens ist. Glaube kann nämlich sehr egozentrisch wirken, wenn er sich allein auf den theologischen Überbau und die eigene Erlösung (das eigene Wohlergehen hier und im Jenseits) konzentriert.

Nach Dornbuschs Aussage hat die römisch-katholische Kirche offenbar „andere Wege zu Gott“ rehabilitiert, obwohl sie den anderen christlichen Religionsgemeinschaften den Status von Kirchen aberkennt (Hinweis Petronius). Nach meiner Einschätzung aus protestantischer Sicht hat die römisch-katholische Kirche als Institution noch einen weiten Weg vor sich, ehe sie andere Wege zu Gott anzuerkennen in der Lage ist. Ich denke, ihre Gläubigen sind da schon erheblich weiter.

In diesem Zusammenhang wünscht sich Hikikomori eine auch im Sinne der Volksfrömmigkeit nachvollziehbare deutlichere Abgrenzung von früheren Verurteilungen anderer Glaubensrichtungen. Diese früheren Abgrenzungen seien Ausdruck der instinktiven Feindschaft allem Fremden gegenüber, der man in einer zusammen wachsenden Welt mehr politische Aufmerksamkeit widmen sollte.
Dem stimme ich unumwunden zu. Insofern sind die „guten Werke“ um so etwas wie „Überwindung von Fremdheit“ zu erweitern.

K-G-B stellt die berechtigte Frage: „Wenn es verschiedene „richtige Wege“ gibt, warum sollen dann die Gläubigen bei „ihrer Religionsgemeinschaft bleiben“. Ich verweise hierbei auf das von Hikikomori vorgebrachte Argument: Auch in den Religionsgemeinschaften muss es Lernprozesse gegen, die Fremdes nicht als feindlich betrachtet. De facto ist es doch immer so, dass Systeme weltanschaulicher Lehren (Religionen oder Philosophien) in Konkurrenz zueinander stehen. Ich traue Theologen durchaus zu, dass sie Dummenfang und Überzeugen auseinander halten können. Bewusste Verführung um politischer Zwecke willen, muss auf der politischen Bühne bekämpft werden. Ich denke, darin besteht zumindest hier im Forum Konsens.
Die von Hikikomori erwähnte Radikalisierung im Zuge der Liberalisierung von Religionsgemeinschaften („milde Religion“) ist ja schon Realität. Dies entspricht durchaus meiner Ansicht, dass der liberale Weg des Protestantismus, denjenigen, die feste Regeln wollen, entgegen steht. Ich bin jedoch keineswegs der Ansicht, dass Atheisten vor Radikalismus gefeit seien.
Menschen mit liberalen Weltanschauungen, die offen sind für verschiedene Wege zu mehr Menschlichkeit, werden sich vor den radikalen Gruppierungen jedweder Couleur in Acht nehmen müssen. Freiheit war immer schon Verpflichtung, sie zu verteidigen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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