02-07-2007, 13:09
Ich weiß jetzt nicht, ob das, was ich über Sucht denke, hier jetzt hilfreich ist, aber ich schreib's mal für alle Fälle. Ich meine nämlich erkannt zu haben, dass es Sucht auch in dem Sinne gibt, dass sie zum Typus bestimmter Menschen gehört und dass der Gegenstand der Sucht nicht das Entscheidende ist, sondern das Grundbedürfnis, sich mit einer Sache total zu identifizieren. Ich zum Beispiel sehe mich als mit einem solchen Grundbedürfnis ausgestattet. Und darum werte ich die Tatsache, dass ich schon als Kind gelesen und gelesen habe, als genau dies: Ich fühlte mich in der Bücherwelt wohler als in der realen. Ich habe später das Bedürfnis gehabt, "alle" Philosophen zu studieren, "alles" von dem und dem Schriftsteller zu lesen etc. Dahinter steckt das Bedürfnis, etwas "total" zu machen und in seiner "ganzen" Tiefe auszuloten - und je nach Ausmaß können die Bücher einen dann von den realen Aufgaben weglocken.
Ich würde sogar sagen, dass es letztlich ein "religiöses" Bedürfnis ist, das einen in eine einzige Sache so vollkommen versinken lässt, dass man darüber alles andere vergisst oder vergessen will. Man sucht nach einer Ureinheit.
Nach den Büchern war es jahrelang das Fernsehen, das mich in den Klauen hatte, zur Zeit ist es der PC. Ob man es einfach als Ersatzobjekt bezeichnen kann, weiß ich nicht, glaube ich eigentlich nicht. Das Grundbedürfnis, eine Sache vollkommen auszuloten, ist auf Erden ja ohnehin immer nur punktuell zu schaffen, und sicher auch nur durch Konzentration auf eine begrenzte und festumrissene Sache. Der introvertierte Mensch sucht wohl eher dort sein Feld, während der Extravertierte vermutlich nicht so darauf aus ist, eine einzige Sache zu vertiefen, sondern möglichst viele Dinge zu betreiben. Die Veranlagung zur Sucht ist dann eventuell eher dem Introvertierten zuzuschreiben.
Der Alkohol spielt da ebenfalls eine Rolle. Er verhilft zu dieser Konzentration, er verhilft dazu, dass das Viele ausgeblendet wird und man in diese innere Welt gerät, von der man sonst abgelenkt wird. Auch da sehe ich als Kern das "religiöse" Bedürfnis.
Bei mir war es zum Glück immer so, dass jede Abhängigkeit immer schlagartig aufhörte. Plötzlich ekelte mich der Fernseher so, dass ich ihn von heute auf morgen verstauben ließ. Der PC ist allerdings noch gefährlicher, weil er eine Art der Verbundenheit mit Menschen schafft, die in der Form früher nie möglich war. Das ist keine "Ersatzdroge" (jedenfalls in meinen Augen nicht), sondern erfüllt tatsächlich ein Bedürfnis. Aber es ist nicht wie bei Essen und Trinken, wo man dann, wenn man gesättigt ist, aufhört. "Religiöse" Bedürfnisse sind unersättlich, genau, wie es das Bedürfnis nach Sex sein kann. Insofern ist es nicht die Einsicht, die einen treibt, das zu befriedigen, sondern der Trieb. Man "entscheidet" sich nicht für etwas, sondern "man kann nicht anders".
Menschen mit Suchtgefahr - ich verallgemeinere das nicht auf alle, ich meine nur den hier beschriebenen Typus - sind Getriebene, oft Gottsucher,
oft Wahrheitssucher. Sie suchen die "Alleinheit", es ist ihr Grundbedürfnis, und sie werden abhängig da, wo sie sie am ehesten noch finden.
In meinen Augen gilt das auch für den Alkohol. Der Preis für das Gewonnene ist aber auch hier hoch, darum war ich jetzt zum Beispiel auf diesem Gebiet nie wirklich gefährdet. Die Abhängigkeit von diesen Dingen - die mich physisch beschädigten - streifte ich instinktiv ab, obwohl ich die Vorteile des Alkohols sehr gut kenne. Aber ich kann diese Objekte der Sucht gut gegen andere Objekte austauschen
- aber ich glaube, das ist der Punkt, auch bei Alkoholsucht: wenn dem eine Grundveranlagung von Sucht zu Grunde liegt, muss man das Objekt austauschen, das einen genauso oder noch besser das gibt, was im alkoholisierten Zustand möglich wird. Wenn man die Suche nach dem "Absoluten" oder dem "Göttlichen" dahinter einmal erkannt hat, kann man sich das auch woanders holen, wo der Körper nicht so angegriffen wird.
Darum ist der Gedanke mit der Schokolade eigentlich goldrichtig. Erst mal sehen, dass das Objekt ausgetauscht wird, damit die körperliche Abhängigkeit aufhört. Damit man freier entscheiden kann, welches Objekt man wählt, mit dem man sich identifizieren kann. Tatsächlich kenne ich jemanden, der drogensüchtige Schüler mittels Meditation von ihrer Sucht befreit hat. Denn die Meditation bot auch das, was gesucht wurde: die Tiefe der Erfahrung.
Was genau es aber ist, was der Alkohol einem bietet, das muss man selber ergründen. Und dann kann man ein Äquivalent suchen, das körperlich nicht schädlich ist, aber das einem das gibt, was man braucht.
Grüße,
Karla
Ich würde sogar sagen, dass es letztlich ein "religiöses" Bedürfnis ist, das einen in eine einzige Sache so vollkommen versinken lässt, dass man darüber alles andere vergisst oder vergessen will. Man sucht nach einer Ureinheit.
Nach den Büchern war es jahrelang das Fernsehen, das mich in den Klauen hatte, zur Zeit ist es der PC. Ob man es einfach als Ersatzobjekt bezeichnen kann, weiß ich nicht, glaube ich eigentlich nicht. Das Grundbedürfnis, eine Sache vollkommen auszuloten, ist auf Erden ja ohnehin immer nur punktuell zu schaffen, und sicher auch nur durch Konzentration auf eine begrenzte und festumrissene Sache. Der introvertierte Mensch sucht wohl eher dort sein Feld, während der Extravertierte vermutlich nicht so darauf aus ist, eine einzige Sache zu vertiefen, sondern möglichst viele Dinge zu betreiben. Die Veranlagung zur Sucht ist dann eventuell eher dem Introvertierten zuzuschreiben.
Der Alkohol spielt da ebenfalls eine Rolle. Er verhilft zu dieser Konzentration, er verhilft dazu, dass das Viele ausgeblendet wird und man in diese innere Welt gerät, von der man sonst abgelenkt wird. Auch da sehe ich als Kern das "religiöse" Bedürfnis.
Bei mir war es zum Glück immer so, dass jede Abhängigkeit immer schlagartig aufhörte. Plötzlich ekelte mich der Fernseher so, dass ich ihn von heute auf morgen verstauben ließ. Der PC ist allerdings noch gefährlicher, weil er eine Art der Verbundenheit mit Menschen schafft, die in der Form früher nie möglich war. Das ist keine "Ersatzdroge" (jedenfalls in meinen Augen nicht), sondern erfüllt tatsächlich ein Bedürfnis. Aber es ist nicht wie bei Essen und Trinken, wo man dann, wenn man gesättigt ist, aufhört. "Religiöse" Bedürfnisse sind unersättlich, genau, wie es das Bedürfnis nach Sex sein kann. Insofern ist es nicht die Einsicht, die einen treibt, das zu befriedigen, sondern der Trieb. Man "entscheidet" sich nicht für etwas, sondern "man kann nicht anders".
Menschen mit Suchtgefahr - ich verallgemeinere das nicht auf alle, ich meine nur den hier beschriebenen Typus - sind Getriebene, oft Gottsucher,
oft Wahrheitssucher. Sie suchen die "Alleinheit", es ist ihr Grundbedürfnis, und sie werden abhängig da, wo sie sie am ehesten noch finden.
In meinen Augen gilt das auch für den Alkohol. Der Preis für das Gewonnene ist aber auch hier hoch, darum war ich jetzt zum Beispiel auf diesem Gebiet nie wirklich gefährdet. Die Abhängigkeit von diesen Dingen - die mich physisch beschädigten - streifte ich instinktiv ab, obwohl ich die Vorteile des Alkohols sehr gut kenne. Aber ich kann diese Objekte der Sucht gut gegen andere Objekte austauschen
- aber ich glaube, das ist der Punkt, auch bei Alkoholsucht: wenn dem eine Grundveranlagung von Sucht zu Grunde liegt, muss man das Objekt austauschen, das einen genauso oder noch besser das gibt, was im alkoholisierten Zustand möglich wird. Wenn man die Suche nach dem "Absoluten" oder dem "Göttlichen" dahinter einmal erkannt hat, kann man sich das auch woanders holen, wo der Körper nicht so angegriffen wird.
Darum ist der Gedanke mit der Schokolade eigentlich goldrichtig. Erst mal sehen, dass das Objekt ausgetauscht wird, damit die körperliche Abhängigkeit aufhört. Damit man freier entscheiden kann, welches Objekt man wählt, mit dem man sich identifizieren kann. Tatsächlich kenne ich jemanden, der drogensüchtige Schüler mittels Meditation von ihrer Sucht befreit hat. Denn die Meditation bot auch das, was gesucht wurde: die Tiefe der Erfahrung.
Was genau es aber ist, was der Alkohol einem bietet, das muss man selber ergründen. Und dann kann man ein Äquivalent suchen, das körperlich nicht schädlich ist, aber das einem das gibt, was man braucht.
Grüße,
Karla
