08-12-2012, 23:24
(08-12-2012, 00:14)Ekkard schrieb: Dass bei Extremisten die Menschenwürde "auf der Strecke" bleibt, ist bekannt.Ich schrieb mit Bedacht: "Extremisten" und nicht "Fundamentalisten". Der Extremist ist dadurch gekennzeichnet, dass sein Glaubenskanon ideologisch ausgerichtet ist, und sich im Zweifelsfall auch gegen den Mitmenschen richtet. Wunderbares Beispiel ist die Homophobie. Stimmt, sie findet sich im NT. Aber der Fundamentalist wird die Sache für sich selbst regeln, aber nicht gegen seine Mitmenschen richten z. B. durch Mobbing. Der Extremist verlangt dasselbe für alle.
(08-12-2012, 01:39)Glaurung40 schrieb: Warum dürfen die Fundamentalisten sich nicht auf die Bibel beziehen? Ich frage mich, ob wir vom gleichen Buch reden. Gott (und auch Jesus) ist, wenn man die Bibel liest, alles andere als moderat oder auf Ausgleich bedacht.Wir reden ganz sicher vom gleichen Buch. Nur ersetzt die verschriftlichte Tradition nicht den Verhaltenskodex der gegenwärtigen Gesellschaft. Bei Jesu Aussagen muss man schon sehr genau die Situation im Blick haben. Beispiel: Matthäus 10, 34: "Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf der Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert." Aber 10, 39: "Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden." Hier geht es um die Naherwartung des Weltendes. Da war es wichtiger, zu den Glaubenden zu gehören, als zur "Welt", zu familiären Bindungen und Ähnlichem. Es handelt sich also um einen sehr persönlichen Appell, sich zum Gottesreich zu halten und nicht irre machen zu lassen.
(08-12-2012, 01:39)Glaurung40 schrieb: Der Fundamentalist fragt sich, meiner Meinung nach zu recht, warum nur die Teile der Bibel gelten sollen, die mit unserer pluralen Gesellschaft in Einklang zu bringen sind.Du müsstest mal konkret sagen, worauf du deine Meinung gründest, dass nur Teile der Bibel gelten sollen, und vor allem, was mit "gelten" gemeint ist. Und nochmal: Ich meine Extremisten (ideologisch einseitige Menschen), nicht Fundamentalisten, die für sich selbst die Bibel gelten lassen wollen.
(08-12-2012, 01:39)Glaurung40 schrieb: Die Regeln des Rechtsstaates und auch unserer säkularen Gesellschaft wurzeln eben nicht in der christlichen Kultur. Diese sind eine Errungenschaft der Neuzeit, als man alte überholte Glaubens- und Aberglaubensinhalte mit der Vernunft über Bord geschmissen hat.Durch Wiederholung wird diese in Teilen wahre Aussage nicht wahrer! (Fast jeder Atheist, der hier hereinschneit, behauptet dies erst einmal.) Richtig ist, dass die "Aufklärer" auf christlichem Fundament (dessen Wurzeln natürlich noch älter sind als das Christentum) gestritten haben - gegen eine hartnäckig die Realitäten verweigernde "allgemeine" Kirche. Dass nicht allein Christen die Aufklärung geschafft haben, ist natürlich auch richtig.
(08-12-2012, 01:39)Glaurung40 schrieb: Die christlichen Glaubensgemeinschaften waren und sind zum grossen Teil ...Wie groß? Mag sein, dass es intolerante Extremisten gibt. Wie groß, entzieht sich meiner Kenntnis.
Beispiel: Gegen die Gleichberechtigung der Geschlechter ist keine der großen, christlichen Gemeinschaften. Im Gegenteil, wir finden sehr viel praktische Hemmnisse im säkularen Leben, wo das kirchliche Sprechen bereits wesentlich weiter ist.
(08-12-2012, 01:39)Glaurung40 schrieb: Diese Werte sind menschlicher und keiner göttlichen Natur.Ja, sind sie. Aber es gibt angesichts moderner medizinischer Möglichkeiten einen breiten, säkularen Widerstand gegen bestimmte ethische Implikationen. Dass da die Kirchen gerne "in das gleiche Horn tuten", sagt aber nur etwas über deren Interessenlage, dass den Menschen vielfach Heil gepredigt wird, wo nur Verdienstmöglichkeiten propagiert werden sollen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Ekkard

