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Christentum vs. Naturalismus
#1
Naturalismus: Alles soll erklärbar, messbar, letztlich reparierbar sein. Das Bewusstsein wird zur Gehirnfunktion, die Liebe zu einer evolutionären Strategie. Eine saubere, durchsichtige Wirklichkeit, in der kein Rest bleibt. Er verkauft als Nüchternheit, was in Wahrheit eine Flucht vor dem Unverfügbaren ist: vor jener Dimension, die sich nicht berechnen, nicht technisch herstellen und nicht in Daten übersetzen lässt. Der Mensch erscheint darin als Naturding, das man nur gründlich genug analysieren müsse, um es eines Tages vollständig zu beherrschen.

Das Christentum dagegen beginnt nicht mit der Illusion, sondern mit dem Skandal. Es behauptet nicht, der Mensch könne sich selbst durchschauen, sondern dass er ein Wesen des Bruchs ist. Sein Zentrum ist kein harmonischer Kosmos, sondern ein gekreuzigter Gott – ein Bild äußerster Nicht-Transparenz. Hier wird der Mangel nicht wegtherapiert, sondern zur Wahrheit erhoben. Während der Naturalismus den Menschen wie eine Maschine behandeln möchte, spricht das Christentum von Schuld, Vergebung und Gnade – von Erfahrungen, die sich jeder funktionalen Erklärung entziehen. Es weiß, dass Sinn nicht produziert, sondern empfangen wird, und dass jedes Wissen an eine Grenze stößt, hinter der das Geheimnis beginnt.
Gerade darin erweist sich das Christentum als nüchterner als der angeblich so aufgeklärte Naturalismus. Es nimmt ernst, dass es keinen letzten Garantieschein für Bedeutung gibt und dass das menschliche Leben von einer Leerstelle getragen wird. Der Naturalismus verkauft diese Leerstelle als vorläufiges Problem, das bald gelöst werde; das Christentum erkennt in ihr den eigentlichen Ort der Freiheit. Wo der Naturalismus den Menschen optimieren will, lehrt das Christentum, mit dem Unheilbaren zu leben. Wo jener Transparenz verspricht, hält dieses das Geheimnis offen.
Ideologisch wird das Christentum erst, wenn es sich selbst vergisst und wie der Naturalismus ein System der totalen Antworten sein will. Solange es aber am Mysterium festhält, bleibt es ein Einspruch gegen jede Weltsicht, die den Menschen auf Natur, Funktion oder Daten reduziert. Nicht das Christentum steht dann unter Verdacht, sondern vielmehr der Naturalismus – als moderne Ersatzreligion, die Erlösung nicht mehr von Gott, sondern vom Labor erwartet.
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#2
(Heute, 01:47)Thomas der Ungläubige schrieb: Während der Naturalismus den Menschen wie eine Maschine behandeln möchte, spricht das Christentum von Schuld, Vergebung und Gnade

ja sicher. ist ja auch das weitaus tauglicher herrschafsinstrument

Zitat:Gerade darin erweist sich das Christentum als nüchterner als der angeblich so aufgeklärte Naturalismus. Es nimmt ernst, dass es keinen letzten Garantieschein für Bedeutung gibt

also, ich habe das christentum eigentlich immer so verstanden, daß der bedingungslose glaube an eine göttliche autorität sehr wohl einen solchen garantieschein ausstellt
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
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#3
(Heute, 01:47)Thomas der Ungläubige schrieb: Naturalismus: Alles soll erklärbar, messbar, letztlich reparierbar sein. Das Bewusstsein wird zur Gehirnfunktion, die Liebe zu einer evolutionären Strategie. Eine saubere, durchsichtige Wirklichkeit, in der kein Rest bleibt. Er verkauft als Nüchternheit, was in Wahrheit eine Flucht vor dem Unverfügbaren ist... [/bla-blablabla]

Geschmack ist halt beliebig. Im Vergleich aber, erlaubt es der Naturalismus dem Menschen, sich seine Irrtümer auch mal selber einzugestehen.
Also sprach der Herr: "Seid furchtbar und vermehret euch".........
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#4
(Heute, 01:47)Thomas der Ungläubige schrieb: ..., spricht das Christentum von Schuld, Vergebung und Gnade – von Erfahrungen, die sich jeder funktionalen Erklärung entziehen.
Leute, die sich als Christen ausgeben, schwätzen viel. Die Geschichte des real existierenden Christentums ist hingegen eine Geschichte des Mordens und des Totschlages. Mord und Totschlag war Jahrhunderte lang Kerngeschäft des Katholizismus .
Kein Mensch mit Humor hat jemals eine Religion gegründet.
Robert Green Ingersoll
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#5
Die Thesen im Eingangsbeitrag sind mal wieder vollkommen daneben. Wieso wird immer dieser Popanz aufgebaut, dass der Naturalismus behaupten wuerde, dass echte Gefuehle keine echten Probleme bereiten wuerden? Da ist jemand mal wieder in sein eigenes Bild vom Naturalismus als technikaehnlich, und zwar Technik auf dem Niveau eines Toasters, verliebt. Man sollte sich nicht zu sehr in den eigenen Bildern verlieren.

Gefuehle sind Teil von Natur. Der Naturalismus blendet die nicht aus. Dass der Hang zu Religion evolutionaer und biologisch erklaerbar ist, relativiert denselben nicht. Eine Erklaerung ist noch lange keine Problemloesung; das sind zwei paar Schuhe.

Und Deine angeblich so "nuechterne" Sichtweise des Christentum ist eine einseitige, unbelegte Interpretation. Dass das Christentum versucht, einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu liefern und das Verhalten des Menschen zu steuern, ist seine Staerke und Schwaeche zugleich. Die Staerke besteht darin, dass Glaube an seine Scheinantworten eine Richtlinie fuers Leben liefert, seine Schwaeche darin, dass sich dieser Glaube an die Scheinantworten hemmungslos ausnutzen und zur Manipulation missbrauchen laesst.
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#6
(Heute, 01:47)Thomas der Ungläubige schrieb: Nicht das Christentum steht dann unter Verdacht, sondern vielmehr der Naturalismus – als moderne Ersatzreligion, die Erlösung nicht mehr von Gott, sondern vom Labor erwartet.


Wenn wir hier schon von "Verdächtigungen".....reden müssen.....  Icon_lol
Nicht wenige Christen und auch viele andere Gläubige meinen oft, allein nur ob  ihres Glaubens an übernatürliche Wunder und höhere Welten wegen, Angehörige einer heheren "Kaste" zu sein und deswegen hätten sich "Ungläubige" in nur aller Selbstverständlichkeit, bedingungslos ihren frommen "Gewissheiten" unter zu ordnen. 

Laboruntersuchungen zeigen aber, dass das gar nicht wahr ist...
Also sprach der Herr: "Seid furchtbar und vermehret euch".........
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#7
(Vor 7 Stunden)exkath schrieb: Leute, die sich als Christen ausgeben, schwätzen viel. Die Geschichte des real existierenden Christentums ist hingegen eine Geschichte des Mordens und des Totschlages.  Mord und Totschlag war Jahrhunderte lang Kerngeschäft des Katholizismus .

... deine Ansicht ist historisch belegt. Sie bestätigt zudem, dass Religionen eben nicht viel mit dem Begriff "Gott" anfangen können, außer diesen für machtpolitische Ziele vor ihren Karren zu spannen.
Man braucht sich u.a. nur die Theokratie im Iran anzusehen! Dort reden die Machthaber dem Volk ein, sie seien die "Vertreter Gottes auf Erden". Wer sich dem entgegenstellt, wird hingerichtet.

Gruß von Reklov
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#8
(Heute, 01:47)Thomas der Ungläubige schrieb: Während der Naturalismus den Menschen wie eine Maschine behandeln möchte, spricht das Christentum von Schuld, Vergebung und Gnade – von Erfahrungen, die sich jeder funktionalen Erklärung entziehen. 

....aber blöd ist halt trotzdem, dass die Anhängerschaft totalitärer Regime.. wie auch die Wählerschaft  bösartig autoritativer "Politiker" usw. usf... dem Naturalismus gegenüber genau die selbe Meinung pflegt wie DU. 

.....und dass der Naturalismus aus sich selbst heraus irgendwie Menschen behandelt, bzw. behandeln möchte...  ist zudem.... auch wieder nur eine schwachsinnige Verschwörungstheorie.
Also sprach der Herr: "Seid furchtbar und vermehret euch".........
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#9
(Vor 5 Stunden)Reklov schrieb:
(Vor 7 Stunden)exkath schrieb: Leute, die sich als Christen ausgeben, schwätzen viel. Die Geschichte des real existierenden Christentums ist hingegen eine Geschichte des Mordens und des Totschlages.  Mord und Totschlag war Jahrhunderte lang Kerngeschäft des Katholizismus .

... deine Ansicht ist historisch belegt. Sie bestätigt zudem, dass Religionen eben nicht viel mit dem Begriff "Gott" anfangen können....


Vielleicht aber liegt es lediglich  daran, dass jeder den "Begriff" für sich pachten kann. Zumal ja angeblich nichts größer gedacht werden könne, ohne dass man "menschlicherseits" den Begriff GOTT irgend jemandem genauer zuordnen könnte. Du liegst also in deiner Annahme wohl falsch, dass irgend eine der existierende Religionen "nichts" mit dem Begriff anfangen könne.
Also sprach der Herr: "Seid furchtbar und vermehret euch".........
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#10
(Vor 6 Stunden)Geobacter schrieb:
(Heute, 01:47)Thomas der Ungläubige schrieb: Nicht das Christentum steht dann unter Verdacht, sondern vielmehr der Naturalismus – als moderne Ersatzreligion, die Erlösung nicht mehr von Gott, sondern vom Labor erwartet.


Wenn wir hier schon von "Verdächtigungen".....reden müssen.....  Icon_lol
Nicht wenige Christen und auch viele andere Gläubige meinen oft, allein nur ob  ihres Glaubens an übernatürliche Wunder und höhere Welten wegen, Angehörige einer heheren "Kaste" zu sein und deswegen hätten sich "Ungläubige" in nur aller Selbstverständlichkeit, bedingungslos ihren frommen "Gewissheiten" unter zu ordnen. 

Laboruntersuchungen zeigen aber, dass das gar nicht wahr ist...

... in traditionell katholischen Gegenden (mit all dem Weihrauch, den Prozessionen, den Heiligenfiguren und Büßern in Kapuzenroben) mag das so sein. Mir ist in Deutschland noch nie ein Gläubiger begegnet (und ich kenne einige!), welche sich zu einer heheren "Kaste" zählten,  mich zu bekehren versuchten oder gar unterordnen wollten ...

Davon abgesehen: Laboruntersuchungen sind zwar ein unverzichtbares Werkzeug, z.B. in der Medizin, können über den Glauben und das damit gekoppelte Bewusstsein nichts aussagen.
Auch die Psychoanalyse kann wenig dazu beitragen. So war z.B. S.Freud Atheist, sein Berufskollege C.G.Jung hatte dagegen über das Unbewusste und den Glauben völlig andere Ansichten, - jenseits dogmatischer Konfessionen. 
Jung sah "Gott" als eine psychische Realität und Archetyp, den er durch innere Erlebnisse "wusste" ...

Wer aber nun von den beiden genannten Personen "richtig" lag, ist nicht nachzuweisen.

Gruß von Reklov
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#11
Ja freilich.... Laboruntersuchungen liefern in der Regel sehr wertvolle Ergebnisse. Nicht nur in der Medizin. Ob solcher Laboruntersuchungen wissen wir inzwischen auch, dass die Evolution keinem Plan und keinem Ziel folgt und dass alle anderslautenden Behauptungen einfach nur "Blödsinn" sind.
Also sprach der Herr: "Seid furchtbar und vermehret euch".........
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#12
(Vor 5 Stunden)Reklov schrieb: Jung sah "Gott" als eine psychische Realität und Archetyp, den er durch innere Erlebnisse "wusste" ...

Deine Einschätzung und Ansicht bezüglich den Aussagen C.G.Jung ist leider nicht mehr auf dem aktuellsten Stand. Auch C. G. Jung wusste nämlich in der Regel kaum mehr als einen feuchten Kehricht..
Also sprach der Herr: "Seid furchtbar und vermehret euch".........
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#13
(Vor 7 Stunden)Ulan schrieb: Die Thesen im Eingangsbeitrag sind mal wieder vollkommen daneben. Wieso wird immer dieser Popanz aufgebaut, dass der Naturalismus behaupten wuerde, dass echte Gefuehle keine echten Probleme bereiten wuerden? Da ist jemand mal wieder in sein eigenes Bild vom Naturalismus als technikaehnlich, und zwar Technik auf dem Niveau eines Toasters, verliebt. Man sollte sich nicht zu sehr in den eigenen Bildern verlieren.

Gefuehle sind Teil von Natur. Der Naturalismus blendet die nicht aus. Dass der Hang zu Religion evolutionaer und biologisch erklaerbar ist, relativiert denselben nicht. Eine Erklaerung ist noch lange keine Problemloesung; das sind zwei paar Schuhe.

Und Deine angeblich so "nuechterne" Sichtweise des Christentum ist eine einseitige, unbelegte Interpretation. Dass das Christentum versucht, einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu liefern und das Verhalten des Menschen zu steuern, ist seine Staerke und Schwaeche zugleich. Die Staerke besteht darin, dass Glaube an seine Scheinantworten eine Richtlinie fuers Leben liefert, seine Schwaeche darin, dass sich dieser Glaube an die Scheinantworten hemmungslos ausnutzen und zur Manipulation missbrauchen laesst.

Vielleicht habe ich in dem Eingangspost nicht den richtigen Begriff verwendet. Das Hauptproblem ist vielleicht nicht Naturalismus, sondern Reduktionismus (Physikalismus, Biologismus, Psychologismus) und Szientismus. Allerdings glaube ich, dass sich Naturalisten ohne hinreichenden Grund in die Richtung des Reduktionismus/Szientismus begeben und viele auch dort ankommen.

Und warum liefert der Glaube nur Scheinantworten? Wie entstehen deiner Meinung nach wahre Antworten?
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#14
(Vor 1 Stunde)Thomas der Ungläubige schrieb: Und warum liefert der Glaube nur Scheinantworten?
Es gibt mehr als einen Glauben. Und die Antworten zu den unterschiedlichen Fragen differieren so stark, dass die Gläubigen sich deswegen gegenseitig die Schädel einschlagen. Was bei den einen eine Antwort ist, ist bei anderen schon Gotteslästerung.
Kein Mensch mit Humor hat jemals eine Religion gegründet.
Robert Green Ingersoll
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#15
(Vor 1 Stunde)Thomas der Ungläubige schrieb: Das Hauptproblem ist vielleicht nicht Naturalismus, sondern Reduktionismus (Physikalismus, Biologismus, Psychologismus) und Szientismus

oder das um-sich-werfen mit -ismen, in pejorativer absicht?
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
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