07-12-2012, 01:27
(06-12-2012, 23:25)Ekkard schrieb:(04-12-2012, 14:47)Glaurung40 schrieb: religiöse Moral unterwandert in vielen Fällen mit sehr schlechten oder gar keinen Begründungen die Menschenwürde.Das ist m. E. unverständlich bzw. halte ich für unverstanden. Denn das Gebot von der Nächsten- und Feindesliebe ist nicht von Gott her abgeleitet, sondern geht auf die Bergpredigt, also auf eine theologische Lehrmeinung, zurück, die zu der Zeit von Jesus bereits jüdische Tradition war - also Ausfluss gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die "goldene Regel" steht dort, so, als wäre sie ohne Gott zu begreifen: Lukas 6, 31: Und so, wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch.
In der christlichen Ethik wird diese "goldene Regel" noch weiter spezifiziert. Aber all' das sind Folgerungen aus dem Grundsatz. Folglich frage ich: Wie soll da die Menschenwürde untergraben werden?
Glaurung hat explizit religiöse Moral (und nicht irgendwelche Lehrmeinungen) genannt, also den Glauben am Gut und Böse. Ein bestimmtes Verhalten ist gut (und zwar immer) und ein anderes Verhalten ist böse (auch immer). Nächstenliebe, die im Christentum ein wichtiges Gebot zu sein scheint, wird oft interpretiert als uneigennützige Hilfeleistung Fremden gegenüber. Gemeint war damit aber ursprünglich die eigene Gruppe (Familie, Clan, Stamm). In diesem ursprünglichen Sinne ist es sehr gut geeignet, die Menschenwürde zu untergraben, weil es mir nicht gestattet ist, den fiesen sadistischen Onkel zur Rechenschaft zu ziehen - ich muss ihn lieben und ehren.
Es gibt weder gut noch böse in der Natur, es gibt keine moralische Entgegensetzung, sondern es gibt eine ethische Differenz. (Gilles Deleuze)

