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Religionswahrnehmung in der Öffentlichkeit
#16
(13-05-2020, 13:09)Ulan schrieb: Dass die "liberalen" Kirchen staerker schrumpfen als die Fundis, ist sicherlich richtig.

Kirche und Religion sind zweierlei. Wer in die Kirche geht, ist nicht zwangsläufig  ein "Christ", wie Albert Schweitzer richtig sagt, und weiter: Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage gehe.

Ich denke, dass der rapide Kirchenschwund in D. eine Folge der Aufklärung ist, die besonders in dieser Generation endlich  auch "beim einfachen Volk" angekommen ist. Die Angst vor Hölle und Fegefeuer ist weg. Damit hat die Kirche jahrhundertelang die Leute bei der Stange halten können. Jetzt zieht das nicht mehr. 

Der emanzipierte Bürger nimmt die Kirche, für ihn: Religion, überwiegend negativ wahr.  Sie macht für die meisten keinen Sinn mehr. Und die gesellschaftliche Ächtung,  Stigmatisierung beim Kirchenaustritt  ist auch Vergangenheit. Wofür also noch regelmäßig Geld für eine Organisation ausgeben, von deren "Nutzen" man nicht überzeugt ist? 

Kirchenaustritt ist für viele nicht zwangsläufig auch  Glaubensabfall. 

Das ausgeklügelte Kirchenmodell suggeriert das zwar. Den Menschen in jeder Lebenssituation von der Wiege (Taufe) über Kommunion/Konfirmation, Ehebündnis, Sterbesakramente bis zur Bahre (kirchliches Begräbnis und Friedhofs-Platz) an sich zu binden, klappt nicht mehr. Deshalb ist nur noch knapp die Hälfte der in Deutschland lebenden Menschen Mitglied einer christlichen Kirche, Tendenz: weiter rapide fallend.

Ein "Auslaufmodell" in der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit ist sie geworden. Von christlicher Leitkultur, auf die sich gerne auch Kirchenferne bei der Abwehr anderer Religionen/Weltanschauungen berufen, kann numerisch bald nicht mehr die Rede sein.  Auch wenn im Grundgesetz der Gottesbezug in der Präambel stehen bleibt. Er ist m.E. in unserem säkularen Staat verfassungswidrig (geworden). Andern falls müssen Kippa, Kreuz und Kopftuch auch in Schulen, Behörden pp. zugelassen sein.

Wieso gab  es in der Paulskirchen-Verfassung, der Bismarck-Verfassung, oder in der Weimarer Verfassung diesen "Präambel-Gott" nicht? War es nur "Papa Heuss", der das durchgesetzt hat?
Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt kriegt unchristliche Antworten (W. Busch) 
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#17
(27-04-2020, 18:25)Ekkard schrieb: Der Schöpfungsmythos handelt nun mal nicht von 7 Tagen, sondern will Erstaunen, Gottvertrauen und in gewissem Sinne eine Welteinteilung unter Einschluss des Menschen und seiner Bedürfnisse.*

* Fettdruck durch mich / Davut erzeugt

Pardon, das ist das Herrschaftswissen weniger. Ein diskreter Versuch, auf intellektueller Ebene den Kreationismus zu erklären und theologisch zu verbrämen.

Würde man dagegen unter biblischen Fundamentalisten den Schöpfungsmythos unter die Abstimmungsguillotine legen, wäre das Ergebnis klar: Mindestens 90 %, so mein Eindruck, würden die 7-Tage-Schöpfung als wahr ankreuzen - wenn`s hoch kommt noch mit einem Erdalter von 6000 Jahren garniert.

Aber  das darf  nach der Aufklärung einfach nicht kommentarlos bleiben. "Gottvertrauen" kann m.E.  nicht auf Mythen entstehen. Es gibt andere, realistische Anlässe, dieses zu erhalten. 

MfG
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#18
Als die religiöse Wahrnehmung Gegenstand der Diskussion wurde, hatte ich irgendwo unter "30 Jahre Hubble" geschrieben:
Der Schöpfungsmythos handelt nun mal nicht von 7 Tagen, sondern will Erstaunen, Gottvertrauen und in gewissem Sinne eine Welteinteilung unter Einschluss des Menschen und seiner Bedürfnisse *) (hervorrufen).

(28-06-2020, 09:30)Davut schrieb: *) Fettdruck durch mich / Davut erzeugt

Pardon, das ist das Herrschaftswissen weniger. Ein diskreter Versuch, auf intellektueller Ebene den Kreationismus zu erklären und theologisch zu verbrämen.

Würde man dagegen unter biblischen Fundamentalisten den Schöpfungsmythos unter die Abstimmungsguillotine legen, wäre das Ergebnis klar: Mindestens 90 %, so mein Eindruck, würden die 7-Tage-Schöpfung als wahr ankreuzen - wenn`s hoch kommt noch mit einem Erdalter von 6000 Jahren garniert.

Nun, Kreationisten und Fundamentalisten ("Wörtlichnehmer") hatte ich gar nicht im Fokus, sondern das, was das "Glaubensbuch" namens Bibel meiner Meinung nach will, ja ist.
Ich hatte nicht vor, historisierende Interpretationen zu fördern. Negativ ausgedrückt: Die Bibel ist weder historisch noch sachlich.

(28-06-2020, 09:30)Davut schrieb: Aber  das darf  nach der Aufklärung einfach nicht kommentarlos bleiben. "Gottvertrauen" kann m.E.  nicht auf Mythen entstehen. Es gibt andere, realistische Anlässe, dieses zu erhalten. 
Nun ja, das ist ja nach Wirkungsgeschichte auch verständlich.

@Davut: Ich habe deinen vorher gehenden Beitrag aus "30 Jahre Hubble" hierher geholt zur weiteren Diskussion. Unter "Naturwissenschaften" wollen wir religionsbezogenen/glaubensbezogene Diskussionen weitgehend heraus halten.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#19
(28-06-2020, 22:40)Ekkard schrieb:  Die Bibel ist weder historisch noch sachlich.

Da sind wir völlig d'accord!

MfG
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