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Moraltheologie: zweimal gebeichtete Sünde
#1
Liebe Mitdenkende,

ein reformatorischer Kollege hat der katholischen Kirche neulich vorgeworfen, die Wirkung der Beicht selber nicht wirklich ernstzunehmen. Der Vorwurf lautete: Es werde manchmal dieselbe Sünde zweimal gebeichtet, also glaube die Kirche, dass sie beim ersten Mal gar nicht wirklich vergeben worden sei.

Zwei Katholiken haben ihm geantwortet, der eine sagte sinngemäss: Doch, die Sünde sei vergeben; wenn also einer sie bei einer späteren Beicht ein zweites Mal ausspreche, gebe es keine erneute Vergebung dafür.
Der andere sagte, ebenfalls sinngemäss: Da Gegenstand der Beicht die Sünden seien, insofern man sie bereue, sei es durchaus möglich, dieselbe Sünde erneut zu beichten, schliesslich sei der Mensch unvollkommen und könne also eine Sünde auch halbwegs bereuen statt ganz. Da sei nun halt nur dasjenige vergeben worden, was auch bereut worden sei. Darum könne man dieselbe Sünde zweimal beichten.

Welcher von beiden hat Recht?

(Meine eigene Meinung: Es wird zwar zweimal dasselbe gesagt, aber nicht zweimal dasselbe vergeben.)
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#2
Vermutlich hat keiner Recht, weil die Vergebung von Sünden nichts anderes bedeutet, als dass jemand den Vertrauensverlust gegenüber der umgebenden Gesellschaft durch illegales Handeln wiederherstellen können sollte. Mir fehlen neben der Reue Urteil und Wiedergutmachung. Die "kleinen" Alltagssünden, die das Vertrauen in eine Person gar nicht tangieren, rangieren für micht nicht unter Sünden.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#3
ich denke es ist eine akademische frage, da es sich bei der sünde um ein hirngespinst von theologen handelt, oder man  teilt die ansicht von schmidt salomon, handelt es sich bei der sünde um einen genialien verkaufstrick.  die ausbeutung der angst vor dem tod ist die eigentliche quelle der konfessionellen macht der katholischen kirche. nietzsche drückte es prägnant aus:: "der priester herrscht durch die erfindung der sünde."
edi
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#4
JESUS hat nie die Berichte eingesetzt.    Eusa_naughty   Die Synoptischen Evangelien schweigen sich darüber aus. Lediglich der Maerchenkoenig Johannes legt sie in Joh 20,23 dem Auferstandenen, also seinem Geist, in den Mund.

Das Urchristentum kannte die Taufe als einmalige Busshandlung. Keine Wiederholungen wie bei der Ohrenbeichte. 

Sie ist ein subtiles Mittel der Kirche, die Schäfchen unter des Teufels und der Hölle Drohkulisse an sich zu binden.

Die Frage, wer Recht hat ist also irrelevant. Leider. 

MfG
Gott ist der einzige Herr der Welt, der weniger zu sagen hat als seine Diener (Deschner)
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#5
Es ist eine spannende 500 Jahre alte - mehr politische als religiöse - Diskussion, seit Anbeginn kontrovers geführt, was Du hier als "ein subtiles Mittel der Kirche" bezeichnest -
aber Du disqualifizierst Dich für Christen, wenn Du die Wortwahl "Maerchenkoenig Johannes" verwendest
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#6
(28-03-2020, 02:46)Sinai schrieb: aber Du disqualifizierst Dich für Christen, wenn Du die Wortwahl "Maerchenkoenig Johannes" verwendest

Mein Unmut über die "Beichte" als solche hat ihren Niederschlag im MAERCHENKOENIG JOH. gefunden. Ein "Legendenkoenig" waere besser gewesen.

Dieses jüngste Ev. (ca 120 n. CHR.)  ist in der Tat und in dogmatisch ungebunden Fachkreisen unbestritten das legendenhafteste. Damit müssen christliche Bibelfetischisten nun mal leben.

Im übrigen waere mal das YT-Video von und mit Professor Hubert Mynarek interessant. Da schildert er als ehemaliger Priester, wie in seinen Priesterzirkeln die "Beichtgeheimnisse" belächelt wurden. 

Wie kann eine Religion ihrem klerikalen  (und selbst suendhaften) Personal zubilligen, nach  Ohrenbeichte Suenden zu vergeben? 

Mit freundlichem Gruss
Gott ist der einzige Herr der Welt, der weniger zu sagen hat als seine Diener (Deschner)
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#7
(28-03-2020, 02:46)Sinai schrieb: Es ist eine spannende 500 Jahre alte - mehr politische als religiöse - Diskussion, seit Anbeginn kontrovers geführt, was Du hier als "ein subtiles Mittel der Kirche" bezeichnest -

Es lohnt sich, mal die übrigen Bindungsszenarien der katholischen Kirche (ob subtil oder offen) zu hinterfragen:

Sakrament Taufe: Ein wehrloser Säugling, dem die RKK im stadium nascendi z. B. bei der Abtreibung, höchsten Schutz zubiligt, wird hier vergewaltigt. Er wird der Kirche einverleibt, fertig. Was er volljährig denkt, ist wurscht; der Koeder sitzt schon im Hals. Und das ist sehr sorgfältig gedacht/subtil. 

Sakrament Kommunion: setzt kirchliches Wohlverhalten und Kontakte (Gottesdienstbesuch, Suenden Vergebung, Nüchternheit) voraus. Diesbezügliches Wohlverhalten wird durch den für jedermann sicht- und kontrollierbaren Sakramente - Empfang belohnt. Wer sich in die Warteschlange an der Kommunionbank nicht einreihen kann, ist stigmatisiert.

Sakrament Eheschliessung: Wer die RKK-Ehe bricht, erleidet die finale irdische Strafe: Exkommunikation. Früher sogar von Kaisern und Königen gefürchtet, wie der winterliche Gang nach Canossa belegt. 

Sakrament Krankensalbung, besser bekannt als letzte Oelung: Hier vollendet sich der amtskirchliche Beteiligungs-Kreislauf  "von der Wiege bis zur Bahre". Ein Schelm, wer dabei an die gelegentlichen Kirchenerbschaften denkt. 

Der kirchlichen Subtilitaet waren also jahrhundertelang Türen und Tore weit geöffnet - bis die Aufklärung kam. 

Mit freundlichem Gruß
Gott ist der einzige Herr der Welt, der weniger zu sagen hat als seine Diener (Deschner)
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#8
Hier noch eine frische "Fundsache"  zum Thema Beichten, entdeckt bei Nietzsche "Lieder des Prinzen Vogelfrei" :

Man lispelt mit dem Mündchen,
Man knickst und geht hinaus.
Und mit dem neuen Suendchen
Löscht man das alte aus.

Womit auch die Eingangsfrage dieses Threads beantwortet wäre. Oder: wer keine Sorgen hat, der macht sich welche.

Mit freundlichem Gruß
Gott ist der einzige Herr der Welt, der weniger zu sagen hat als seine Diener (Deschner)
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