Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Narkissos (Narcissus)
#1
Narkissos (Nάρκισoς). Sohn des böotischen Flussgottes ↗Kephissos u. der Nymphe ↗Leiriope1.

Als Leiriope den ↗Teiresias befragte, ob ihr Sohn alt werden würde, entgegnete dieser: "Nur wenn er sich nicht selbst erkennt" (Ovid met. 3,348).

Narkissos war ein schöner junger Mann, der von Frauen und Männern gleichermaßen begehrt wurde. Er aber war unnahbar und lehnte alle Mädchen und jungen Männer ab, die sich ihm anboten.

Eines Tages verliebte sich die ↗Nymphe ↗Echo in ihn, er aber wies sie zurück. Das konnte die Nymphe nicht verwinden. In ständiger Sehnsucht nach dem Geliebten wurde sie immer weniger bis nur mehr die Stimme von ihr übrig geblieben war (Ovid met. 3,398f.).

(Echo und Narkissos)

An unerfüllbarer Liebe zu sich selbst verstarb auch er. An einem Gewässer sitzend, sein Spiegelbild betrachtend schloss ihm der Tod die Augen. Seine letzten Worte, die Echo wiederholte, galten seinem Spiegelbild. In der Unterwelt noch, im Totenfluss ↗Styx, ließ er nicht ab, sein Bild zu betrachten. An der Stelle, an der er verstorben war, erblühte eine Blume, die nach ihm ↗Narzisse genannt wurde. (Ovid met. 500-510).

Eine Variane des ↗Mythos erzählt Konon2:

Als sich dem Narkissos einmal ein junger Mann namens Ameinios besonders aufdringlich als Geliebter antrug, lehnte er ab und übersandte ihm mit der Absage ein Schwert. In dieses Schwert stürzte sich Ameinios. Zuvor aber hatte er die Götter gebeten, die Herzlosigkeit des Narkissos zu bestrafen. ↗Aphrodite (in einer Variante ↗Artemis od. ↗Nemesis) bestrafte Narkissos daraufhin mit unerfüllbarer Eigenliebe. 

Nach einem anderen Mythos, den ↗Pausanias erzählt (Paus. 9,31,6), hatte Narkissos eine Zwillingsschwester. Sie war ihm sehr ähnlich und an Schönheit ebenbürtig. Er liebte sie innig. Als sie starb, tröstete er sich mit dem Anblick seines Bildes in einer Quelle, bis er daran zugrunde ging.

 
1) ↗Nonnos nennt ↗Endymion und ↗Selene als Eltern und die Gegend am ↗Latmos als Heimat des Narkissos.

2) Konon. Griechischer Mythograph, der um Christi Geburt lebte. Seine genauen Lebensdaten sind nicht bekannt. Er widmete König Archelaos von ↗Kappadokien, Regierungszeit 36 vC – 17 nC, eine Sammlung von 50 mythologischen Erzählungen (Diegeseis), die durch einen Auszug von ↗Photios erhalten sind.


● Zum Inhaltsverzeichnis des Lexikons
MfG B.
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste