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Volkswirtschaftiche Dogmen auf dem Prüfstand
#1
Hallo Guten Tag,

... in WDR-5 hörte ich zuletzt einen Radiobeitrag bei dem das Wachstumsprinzip der deutschen Volkswirtschaft einmal grds. in Frage gestellt wurde. Dabei ist für mich insbesondere hier unklar, ob wirtschaftliche Grund-Überzeugungen im Prinzip auch Gegenstand der Philosophie sein können.

Die Grundsatz-Problematik "Wie ist endloses Wachstum in einer endlichen Welt" überhaupt machbar, ist von der Logik her zunächst einmal sicherlich berechtigt. Allerdings haben findige Ökonomen das quantitative Wachstum nun zu Grabe getragen und durch das qualitativen Wachstum ersetzt.

Am Ende tauscht man allerdings hier eine akute Sackgasse gegen eine langfristige Sackgasse.

Nach meiner Wahrnehmung treffen sich hier 2 recht unterschiedliche Disziplinen, denn die Philosophie ist m. E. keine echte wissenschaftliche Disziplin im Gegensatz zur Volkswirtschaft.

Sicherlich kann man bei großzügiger Auslegung durchaus sagen, dass alle anschaulich relevanten Grundausrichtungen von der Philosophie auf den Prüfstand genommen werden.
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#2
Na ja, Oekonomie faellt zwar irgendwie unter die Geisteswissenschaften, aber inwieweit das eine "richtige" Wissenschaft ist, war auch schon immer strittig. Kritikpunkte sind das Fehlen testbarer Hypothesen, der Fokus auf die politische Gestaltung und das weitgehende Fehlen eines Konsensus. Oder, in anderen Worten, Philosophie spielt da sowieso schon eine groessere Rolle als irgendwelche harten Wissenschaften.

Im Prinzip arbeitet die Wirtschaft im Modus von "Boom and Bust"-Zyklen, also staendigem Wachstum, gefolgt von einem Zusammenbruch, und darauf folgendem Neuanfang. Die Natur funktioniert zum Gutteil auch nicht anders. Alternative Modelle scheitern weitgehend daran, dass es fuer ausgeglichenere Konzepte einen einheitlichen Weltwirtschaftsraum geben muesste mit einheitlichen Regeln und einheitlichen Entscheidern. So etwas gibt es offensichtlich nicht. Das Problem ist so ein wenig, dass der, der willentlich und wissentlich aus diesem Wettrennen ausschert, aus welchem Grund auch immer, automatisch verliert, und das eben dann nicht nur bei den regelmaessigen Zusammenbruechen des Systems.

Ob es da irgendeinen gangbaren Ausweg fuer Einzelne gibt, ist eine schwierige Frage, und einen ueberzeugenden Weg habe ich da noch nicht gesehen. Allerdings sind wir da wieder am Anfang dessen, was ich gesagt habe: es gibt keine testbaren Hypothesen, und im Endeffekt bleibt nur der blinde Sprung ins Wasser, Oekonomie hin oder her. Wenn's dann katastrophal schiefgeht, weiss man halt mehr.

Edit: Der Aufhaenger "Wie ist endloses Wachstum in einer endlichen Welt ueberhaupt machbar" ist doch nur eine Scheinfrage. Dass das nicht geht, ist doch klar. Der Zusammenbruch gehoert zu unserem Wirtschaftssystem dazu.
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#3
Ich denke, Philosophie ist jedes Nachdenken über eine Fragestellung. Wenn man also über ökonomische Fragen nachdenkt, dann ist das Philosophie. Philosophie kann wissenschaftlich betrieben werden. Gleichwohl scheint mir kreative Phantasie unter realen Bedingungen gefragt zu sein. Wenn man Ökonomie wissenschaftlich betreiben will, dann hat man es mit einem komplexen System zu tun, das natürlicherweise Rückkopplungen umfasst, die ihrerseits zu chaotischem Systemverhalten führen. Deswegen sind psychologische Faktoren und in ihrer Folge politische Entscheidungen weniger von Einfluss als beispielsweise klimatische Randbedingungen. Wenn also, wie in der so genannten "kleinen Eiszeit" (siehe Wikipedia: hier) geschehen, die Bevölkerungsdichte nicht mehr ausreichend Nahrung erzeugen kann, dann gibt es Mord und Totschlag, bevor es ans Verhungern geht.

Wachstum könnte in dem Sinne auch Innovation, Erfindungsreichtum heißen. Beispielsweise könnte man große Algenbottiche geschickt senkrecht stellen und damit der geringeren Sonneneinstrahlung aussetzen; oder gleich ganz andere Nahrungsquellen erschließen. Da muss pekuniär gar nichts wachsen, sondern möglicherweis "nur" die Nahrungsproduktion aufrecht erhalten werden.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#4
Solange die Menschheit wächst, wird es auch  weiterhin ökonomisches "Wachstum" geben.
Menschen brauchen nicht nur Nahrung, sondern auch noch anderes und vor allem ein dafür nötiges Einkommen..
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#5
Das man sich mit dem Thema Volkswirtschaft so schwer tut, hat nach meiner Wahrnehmung auch damit zu tun, dass die Volkswirtschaft ja auch immer mit Zielvorgaben und Ansprüchen zu tun hat. Eine halbwegs diskussionsfähige Konzeption vorhandene Ansprüche zu senken, habe ich weder von Spitzenpolitikern des Bundes und erst recht nicht von Volkswirten je gesehen.

Ich möchte zudem sagen, dass nach meinem Kenntnisstand der Begriff von qualitativem Wachstum ebenfalls noch nicht ansatzweise zufriedenstellend definiert wurde. Das liegt auch daran, dass die sog. Experten schon wissen, dass man nicht alles unter der Kategorie Innovation subsumieren kann. Es ist halt so, dass man hier immer noch im Buchhaltermodus sich befindet und sich gerne in einer Art von "Plus-Minus-Bewertung" genügt.
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#6
(20-12-2019, 12:04)Kreutzberg schrieb: Das man sich mit dem Thema Volkswirtschaft so schwer tut, hat nach meiner Wahrnehmung auch damit zu tun, dass die Volkswirtschaft ja auch immer mit Zielvorgaben und Ansprüchen zu tun hat.

Politiker, welche dem Volke Wohlstand und uneingeschränkte Freiheit versprechen, werden halt lieber gewählt, als solche, die als Zielvorgaben Einschränkungen  bei höherer Steuerlast im Plan haben.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#7
Siehe "bluehende Landschaften" gegen "das wird teurer als Ihr denkt". Einer hatte Recht, der andere wurde gewaehlt.

Das scheint ja in unserer Demokratie immer mehr zum Problem zu werden, dass keine rationalen Entscheidungen mehr getroffen werden. Und Kompromisse, eigentlich die Grundlage einer funktionierenden Gesellschaft, werden vom Wahlvolk als Niederlage quittiert. Kein Wunder, dass wir mal wieder in ein Zeitalter der Populisten gerutscht sind.
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