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Was könnte „Gott“ sein?
(Gestern, 14:38)Reklov schrieb:
(Gestern, 11:06)Ulan schrieb: @Rosenzweig: Oder in anderen Worten: Du hast zwar keine Ahnung, aber trotzdem eine Meinung. Vor allem eine herablassende Meinung zu allen grossen Denkern (und dabei meine ich nicht mich), die nicht Deiner Meinung sind.

Hallo Ulan,

... wer die Geschichte der Philosophie gut kennt, weiß, dass gerade mancher der "großen Denker" andere Kollegen als unfähig eingeschätzt und auch so vor der Öffentlichkeit bezeichnet hat. - Das darf nicht groß verwundern, denn in der Philosophie gilt u.a.: >> Wer spricht, der irrt. <<

(L. Wittgenstein meinte z.B.: "Philosophie ist in erster Linie  - Sprachkritik.")

Dass Rosenzweig anderer Meinung ist, ist hier nicht das Problem. Das Problem ist, dass er die philosophischen Hintergruende der Unendlichkeitsproblematik offensichtlich nicht kennt und die Ueberlegenheit seiner eigenen "Seelensprache" einfordert, die seine Position automatisch als intellektuell korrekt offenbaren wuerde. An einer sachlichen Verteidigung seiner Position hat er sich nicht mal versucht. Einfach nur zu behaupten, andere etablierte philosophische Positionen seien "kindliche Wortspiele", ist kein Argument.
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(Gestern, 02:43)Ulan schrieb:
(23-06-2022, 19:17)japa schrieb: Ich habe mal ein Buch von einem jüdischen Theologen gelesen, der gemeint hat, dass Gott grundsätzlich wandelbar ist. Denn spätestens seit der Schöpfung ist Gott nicht mehr allein, sondern hat in der Schöpfung ein Gegenüber. Somit hat sich sein Attribut geändert, er ist nicht mehr allein. Andere Attribute sind jenseits der Zeit zu fragen. Bevor Gott die Welt geschöpft hat, war er da Schöpfer oder ist die Eigenheit, Schöpfer zu sein, etwas was hinzugekommen ist?

Ist es nicht interessant, wieviel Philosophie mit Mengenlehre gemeinsam hat? Ich meine das uebrigens nicht spoettisch.

Ich halte es da eher mit einem kulturhistorischen Ansatz. Die Bibel ist ja nicht zuletzt deshalb faszinierend, weil man dort sehr schoen die Aenderung von Gottesvorstellungen ueber die Zeit erkennen kann. Die Rolle des Menschen bei der Schoepfung und damit auch grundsaetzlich das Verhaeltnis von Mensch zu Gott wird schon in den ersten beiden Kapiteln von Genesis unterschiedlich beantwortet. In der menschlichen Vorstellung hat sich Gott ziemlich oft verwandelt, und diese Position des juedischen Theologen reflektiert das wohl irgendwie. Nur so offen auf Gott selbst gemuenzt sieht man das selten.

Für mich ist das nicht weiter verwunderlich, auch die Gemeinsamkeiten. Am Ende versucht der Mensch immer seine Welt zu beschreiben oder über Analogien zu arbeiten.
Als gläubige Menschen sind wir auch irgendwie in der Situation, unsere Sprachlosigkeit im Bezug auf Gott zu überwinden, was dabei herauskommt ist oft unvollkommen und widersprüchlich.
Ich nenne das manchmal "die sichere Distanz". Der Mensch beschreibt und betrachtet, aber sich konsequent auf Gott einlassen können die wenigsten. Oft sind es unsere religiösen Schriften selbst, die von Gott ein merkwürdiges Bild zeichnen: einer mit dem man besser nichts zu tun haben möchte. Nicht anders, als das mit manchen Religiösen so ist: Leute, mit denen man nichts zu tun haben möchte.
Die Veränderungen unserer Bilder von Gott zeigt mir eigentlich immer wieder, wie unvollkommen diese Bilder sind, und gleichzeitig, wieviel Entwicklungspotential wir noch haben sollten, wenn es um diese Bilder geht.
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