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Medizin im Altertum
#1
(28-03-2019, 19:49)Sinai schrieb: Ich denke, das religiöse Fasten hat nichts mit der neuen Mode des "Heilfastens" zu tun.

Heilfasten ist keine neue Mode.

Fastenkuren gab es schon in der Antike. Siehe HIER (klick!).
MfG B.
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#2
(29-03-2019, 21:16)Bion schrieb: Fastenkuren gab es schon in der Antike. Siehe HIER (klick!).


Ich habe mir das angesehen. Austria-Forum. Bergama - Asklepion
" . . . betraten die Kranken das Allerheiligste, den Schlafraum, wo ihnen Heilgott Asklepios im Traum erschien und die richtige Heilmethode zuflüsterte. Der Kranke war verpflichtet, den Traum schriftlich niederzulegen und den Priesterärzten zu übergeben, die daraus Therapien entwickelten wie Fasten- und Wasserkuren, Gymnastik, Massagen und Schlammbäder. Auch eine breite Palette an Kräutern, Salben und stark verdünnten Giften fand sich im Repertoire der Priesterärzte."

Auf der Seite davor steht:
" . . . auf eine göttliche Fügung zurückgingen, konnten sie nur durch eine Gottheit geheilt werden – und das im Traum. Die Behandlungen wurden von Priesterärzten durchgeführt, die den Patienten ein Schauspiel boten mit allem, was dazugehört: Opfern, Fasten, rituelle Waschungen und Musik. Im Tempel sprudelte eine radioaktive Quelle. Zusätzlich verstärkten Schlangen die Wirkung."

Offenbar wurde unter anderem Fasten von den Priesterärzten dieser Kultstätte des Aesculap in Pergamon (unweit Troja) empfohlen.

Der von Dir gezeigte Artikel ist aus mehrfacher Hinsicht interessant. Er zeigt, daß im Kulturgebiet von Troja Krankheiten als göttliche Fügung erklärt wurden - wohl noch lange nach der Zerstörung der Stadt

Troja war keine echt griechische Stadt - sehr stark griechisch beeinflußt zwar, hatte aber auch starke orientalische Komponenten

Aus Troja stammt auch der legendäre Held Äneas
"Aineias (altgriechisch Αἰνείας, latinisiert Aeneas; deutsch auch Äneas) ist eine Person sowohl der griechischen als auch der römischen Mythologie. Er entstammt einer Nebenlinie des trojanischen Herrschergeschlechtes und ist Sohn des Anchises . . .
Aineias gilt als Stammvater der Römer."
Aeneas - Wikipedia

Eine spannende Verknüpfung: trojanisch - griechisch - römisch

Selbstverständlich ist die Saga über Äneas sehr stark mythologisch überformt - wie es damals in dieser Region Troja üblich war (es wird eine Göttin in seinen Stammbaum geholt) - aber der Kern dürfte wohl stimmen: daß der trojanische Prinz Äneas mit seiner Familie aus Troja vertrieben wurde und zu den Etruskern floh, die ihm Asyl gewährten und ihn zum König wählten - der dann laut der sehr unscharfen alten römischen Geschichte zum Urahn von Romulus und Remus wurde. Romulus gilt als Vater des Königsgeschlechts von Rom

Interessant ist jedenfalls das von den Priesterärzten in Pergamon empfohlene Fasten
Zwar ist das alles sehr stark religiös verbrämt oder gar dominiert, aber es zeigt sehr schön, daß Fasten angewandt wurde

Das heutige Heilfasten kommt allerdings ohne Priesterärzte aus

Und das sechswöchige Solidaritätsfasten der Katholiken ist eine dritte Kategorie
Hier wird nicht aus therapeutischen Gründen gefastet, sondern um dem leidenden Jesus sein Mitgefühl zu zeigen

Dann gibt es noch das spirituelle Fasten der Hinduisten (manche Schulen sind für extrem asketische Hungerkuren bekannt oder verrufen)

Auch im Joga oder Yoga wird oft gefastet

Und auch an den Fastenmonat Ramadan der Moslems sei erinnert

Der Vollständigkeit halber sei an das Fasten der Juden erinnert, das aber nie länger als 25 Stunden dauert.
Das Versöhnungsfest Jom Kippur, das Traueressen Tischa BeAv, das Ester-Fasten im Vorfeld des Purim Festes
Quelle: Fasten im Judentum: Faste oft, aber höchstens 25 Stunden | Religion

Daß die Juden fasteten, schreibt auch das Neue Testament:

Fasten - Wikipedia
"Jesus Christus rief in der Bergpredigt (Mt 6,16–18 EU) zur Demut bei der Übung des Fastens auf:
„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“"

Somit wird einerseits gezeigt, daß die Juden schon zur Zeit des Tempels häufig fasteten - und daß Jesus das Fasten positiv wertete "dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten"

Interessant wäre, ob bereits in den alten "hydraulischen" Gesellschaften im alten Mesopotamien und Alten Ägypten und Industal und Gangestal gefastet wurde

Bei Mesopotamien wäre die frühdynastische Zeit interessant oder noch früher, die Zeit der Entstehung der Schrift um etwa 3200 v. Chr
"Mit der Entstehung der Schrift um etwa 3200 v. Chr. in Sumer lassen sich erstmals archäologische und schriftliche Quellen aus der Frühdynastischen Zeit verbinden"
Frühdynastische Zeit (Mesopotamien) - Wikipedia

Bei Ägypten wäre die Zeit des König Narmer (1. Dynastie), von dem wir die berühmte Narmer Palette kennen, interessant. Er regierte vor 5000 Jahren. Zu dieser Zeit kristallisierte sich die ägyptische Kultur heraus
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#3
Pergamon war in der entsprechenden Zeit griechisch besiedelt. 

Asklepien gab es im gesamt griechischen Siedlungsgebiet. Überall wo es Asklepien gab, gab es auch Fastenkuren.

(29-03-2019, 22:46)Sinai schrieb: Interessant wäre, ob bereits ... im ... Alten Ägypten ... gefastet wurde.

Die Ägypter haben zu Ehren der Isis Fasttage abgehalten, wie Herodot berichtet.
MfG B.
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