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Christliche Botschaften aus atheistischer Sicht
#1
Für theologische Detailfragen interessiere ich mich schon länger nicht mehr. Dagegen ist es immer wieder aufschlussreich, wie Priester versuchen, ihren Zuhörern den Glauben zu vermitteln. Da trifft es sich gut, dass im Radio zwischen Weckerklingeln und Aufstehen ein Feature läuft, in welchen Theologen ihre religiösen Ideen den Radiohörern in einem Kurzvortrag vorstellen.

Gestern gab es wieder einen Beitrag, zu dem ich einige Anmerkungen loswerden möchte:

Der Referent begann mit ein paar Worten über Aufgaben und Funktion des Weltraumteleskops „Keppler“ und bekundete dabei auch seine eigene Faszination für die Sterne. Nach einem Vergleich zwischen den Weiten des Weltalls und dem Alltag hier auf der Erde kam er – schon vorhersehbar – auf die „großen“ Fragen zu sprechen, den Fragen nach dem „Woher“ und „Wohin“ und natürlich nach dem „Sinn des Lebens“

Im Detail nachzulesen: *https://www.kirche-im-wdr.de/nix/de/nc/startseite/programuid/was-bringt-es-3/formatstation/wdr2/

Den abschließenden Satz, den ich nachfolgend zitiere, möchte ich allerdings nicht unkommentiert stehen lassen:
Kirche im WDR2 schrieb:Die Sterne verlangen von mir, dass ich da Stellung beziehe.
Einspruch! Gerade der Blick in den Sternenhimmel, in die Weiten des Universums und das Unbegreifliche dahinter sollte einem eigentlich vermitteln, dass eine kompetente Stellungnahme zu diesen „großen Fragen“ überhaupt nicht möglich ist.

Der Referent gibt ja sogar selbst zu, dass die Komplexität dazu führt, dass er „gar nichts mehr verstehen und überblicken“ kann. Aber anscheinend übersieht er trotzdem, dass jede andere Antwort auf die „großen Fragen“ des Lebens, außer „Ich weiß es nicht“, eine vereinfachende Anmaßung ist. Da ist es gleichgültig, ob er diese Antworten nun aus eigenen Überlegungen und Erwägungen herleitet, oder aus den allseits bekannten religiösen Schriftensammlungen.

Die einzige aus meiner Sicht vertretbare Haltung dazu ist, die Unbegreiflichkeit und Unbeantwortbarkeit der „großen Fragen“ stehen zu lassen und dazu zu schweigen.

So, und nun bin ich gespannt, wie Gläubige und (andere) Ungläubige diesen Beitrag im WDR2 bewerten.
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#2
Ich habe diese Radiosendung nicht gehört und ich habe auch nicht die Zeit und das Interesse, die in dem von Dir angegebenen Link enthaltene Predigt zu suchen und zu lesen. Ich nehme nur Bezug auf das, was Du in Deinem Beitrag geschrieben hast.

(08-03-2019, 20:59)AncheCameo schrieb: Der Referent begann mit ein paar Worten über Aufgaben und Funktion des Weltraumteleskops „Keppler“ und bekundete dabei auch seine eigene Faszination für die Sterne. Nach einem Vergleich zwischen den Weiten des Weltalls und dem Alltag hier auf der Erde kam er – schon vorhersehbar – auf die „großen“ Fragen zu sprechen, den Fragen nach dem „Woher“ und „Wohin“ und natürlich nach dem „Sinn des Lebens“
( . . . )
Den abschließenden Satz, den ich nachfolgend zitiere . . .
Kirche im WDR2 schrieb:Die Sterne verlangen von mir, dass ich da Stellung beziehe.
Einspruch! . . .


Auch ich finde diese Aussage unsinnig. Sterne sind tote Materie und sie können gar nichts verlangen.
Es ist eher so, daß der Referent vom Anblick des riesigen Sternenhimmels überwältigt war (mit freiem Auge ist der Anblick viel beeindruckender als die Ansicht mit Hilfe eines Weltraumteleskops auf einem Bildschirm, weil man mit Teleskop zwar starke Vergrößerung hat und viel weiter sieht, aber nur einen kleinen Ausschnitt wie wenn man durch ein Ofenrohr schaut) und er von sich selbst verlangt, eine Meinung dazu abzugeben.

Ein starkes Teleskop ist zwar gut zur Erforschung immer weiterer Milchstraßen, man sieht zwar sehr viel weiter, aber es sind auch nur weiße Punkte auf der schwarzen Fläche.
Ein Blick mit freiem Auge auf den unbewölkten Sternenhimmel ist schon sehr beeindruckend, weil man das ganze Himmelszelt sieht !

Eine Stellungnahme dazu ist immer subjektiv - eine Sache des Gefühls

So wie ein Blick auf das weite Meer von einer Klippe aus
Der eine empfindet Fernweh und Reiselust, der andere fühlt sich einsam

Ganz klar führte der Anblick des Nachthimmels mit dem Mond und den Planeten und den Sternen sowie der Anblick des Taghimmels mit der Sonne schon vor Jahrtausenden zu Theorien oder Spekulationen (wobei die Menschen noch nicht zwischen Planeten und Sternen unterschieden). Sternschnuppen bei klarem Nachthimmel sind ebenfalls sehr beeindruckend. Kometen beunruhigten die Menschen. Man fand uralte metallische Modelle vom Sternenhimmel und sogar Mechanismen

Die alten Ägypter glaubten an die "Nachtfahrt der Sonne" - weil diese abends im Westen untergeht und nach der Nacht im Osten aufgeht . . . sie glaubten auch, daß die Sonne in der Unterwelt von Gefahren bedroht wird und dort von Göttern beschützt wird

Der Sternenhimmel und die hohe See regten die Menschen schon immer zu religiösen Gedanken an.

Egal ob es ein religiöser Mensch ist oder ein Astrologe. Beide sollen sich hinsichtlich der Himmelskunde nicht zu wichtig nehmen.
Demütiges Schweigen ist hier am besten
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#3
Kirche im WDR2 schrieb:Die Sterne verlangen von mir, dass ich da Stellung beziehe.

Ich habe mir die kurze Ansprache mal in voller Länge angehört. Selbstverständlich weiß man heute, woher der Mensch kommt, sprich wie er sich entwickelt hat. Was wir nicht wissen können, ist, wohin wir gehen. Aber auch das ist "üblicher Frommsprech" und hinterfragt nur all unsere Planung, die durchaus kritische Aspekte aufweist.


Ein Beispiel hat der Verfasser auch angeführt: Alles (auf meinem Schreibtisch) hat seine Ordnung, ist rechteckig und alltäglich.

Wenn man aber mal den Blick über den Tellerrand hinaus richtet, z. B. in Richtung der Sterne, geraten vielleicht wichtigere Themen ins Blickfeld, die sich meist im sozio-kulturellen, gesellschaftlichen Umfeld auftun. (Unsere Ängste, unsere Betäubung durch allzu viel Hektik, Reklame, Mobilität ...)

(08-03-2019, 20:59)AncheCameo schrieb: Für theologische Detailfragen interessiere ich mich schon länger nicht mehr. Dagegen ist es immer wieder aufschlussreich, wie Priester versuchen, ihren Zuhörern den Glauben zu vermitteln.
Ja, dahinter steckt vielfach angelernter Frommsprech, der meist nicht mehr verstanden wird.

(08-03-2019, 20:59)AncheCameo schrieb: Gerade der Blick in den Sternenhimmel, in die Weiten des Universums und das Unbegreifliche dahinter sollte einem eigentlich vermitteln, dass eine kompetente Stellungnahme zu diesen „großen Fragen“ überhaupt nicht möglich ist.
Richtig, weil es darum auch nur vordergründig zu gehen scheint, was deine folgende Bemerkung provoziert:

(08-03-2019, 20:59)AncheCameo schrieb: Die einzige aus meiner Sicht vertretbare Haltung dazu ist, die Unbegreiflichkeit und Unbeantwortbarkeit der „großen Fragen“ stehen zu lassen und dazu zu schweigen.
Zu den im Hintergrund anklingenden, tatsächlich schwer wiegenden gesellschaftlichen Fragen regt dich der "Blick über den Tellerrand" offenbar nicht an?
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#4
(08-03-2019, 20:59)AncheCameo schrieb: Den abschließenden Satz, den ich nachfolgend zitiere, möchte ich allerdings nicht unkommentiert stehen lassen:
Kirche im WDR2 schrieb:Die Sterne verlangen von mir, dass ich da Stellung beziehe.
Einspruch! Gerade der Blick in den Sternenhimmel, in die Weiten des Universums und das Unbegreifliche dahinter sollte einem eigentlich vermitteln, dass eine kompetente Stellungnahme zu diesen „großen Fragen“ überhaupt nicht möglich ist.

Der Referent gibt ja sogar selbst zu, dass die Komplexität dazu führt, dass er „gar nichts mehr verstehen und überblicken“ kann. Aber anscheinend übersieht er trotzdem, dass jede andere Antwort auf die „großen Fragen“ des Lebens, außer „Ich weiß es nicht“, eine vereinfachende Anmaßung ist.


Vielleicht geht es ihm dabei um die Stellungnahme dazu, wie er zu den 'großen Fragen' steht, also um seine persönliche Bezugnahme dazu, und nicht um allgemeingültige Tatsachenbehauptungen.
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#5
(08-03-2019, 21:39)Sinai schrieb: Ich habe diese Radiosendung nicht gehört und ich habe auch nicht die Zeit und das Interesse, die in dem von Dir angegebenen Link enthaltene Predigt zu suchen und zu lesen.

Nuja, dem Link zu folgen und 1:37 Minuten lang zuzuhören halte ich jetzt nicht für einen übertriebenen Zeitaufwand… aber gut: ich habe den Inhalt ja zusammengefasst, bei dem Link ging es mir hauptsächlich um die Angabe der Quelle.

(08-03-2019, 21:39)Sinai schrieb: Es ist eher so, daß der Referent vom Anblick des riesigen Sternenhimmels überwältigt war (…) und er von sich selbst verlangt, eine Meinung dazu abzugeben.

(Auch @Mustafa ) - So rein vom Wortlaut her ist es gut möglich, dass er lediglich ein Feedback von seinen persönlichen inneren Vorgängen geben wollte; auf der Tonspur glaubte ich aber, herauszuhören, dass er dieses „ich“ schon auf die Allgemeinheit beziehen wollte.

Wie dem auch sei: da kann ich dann nur zurückmelden, dass es sich bei mir nicht so verhält. Vielmehr mahnt mich ein solch überwältigendes Schauspiel eher, mich in Bezug auf die großen Fragen zurückzunehmen. Wenn ich weiß, dass das, was ich sehe, schon unbegreiflich ist, dann können jedwede Vorstellungen davon, was sich dahinter verbirgt, nach meiner Auffassung nur falsch sein.

(08-03-2019, 22:15)Ekkard schrieb: Selbstverständlich weiß man heute, woher der Mensch kommt, sprich wie er sich entwickelt hat.

So, wie ich das bisher verstanden habe, beschränkt sich die „große Frage“ nach dem Woher längst nicht auf die Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Da geht es meistens um das Woher des gesamten Universums (das Stichwort „Urknall“ hat der Referent sogar explizit benannt). In der Diskussion der Vergangenheit ist mir des Öfteren begegnet, dass sich niemand so recht vorstellen kann, wie „aus dem Nichts“ plötzlich etwas entsteht, oft verbunden mit der Behauptung, dass das auch nicht möglich sei. Also wird eine Entität hinzugedacht und „Gott“ genannt, die das angeblich alles leisten konnte. Aber das verschiebt die Frage eigentlich nur auf die nächste Ebene, nämlich, wie Gott aus dem Nichts entstehen konnte.

Vielleicht gibt es zur Urknalltheorie sogar eine mathematische Formel, die das Woher erklärt; aber sie ist abstrakt und lässt sich höchstens für Experten auf diesem Gebiet wirklich veranschaulichen. Schon allein die Frage, wie man sich die Entstehung der Zeit vorstellen soll, ist nicht mehr fassbar.

(08-03-2019, 22:15)Ekkard schrieb: Ja, dahinter steckt vielfach angelernter Frommsprech, der meist nicht mehr verstanden wird.

Zu den im Hintergrund anklingenden, tatsächlich schwer wiegenden gesellschaftlichen Fragen regt dich der "Blick über den Tellerrand" offenbar nicht an?

Das ist eben das Problem mit dem Frommsprech: er kommt immer so hochtrabend, großspurig und bombastisch daher. Dieser typische Stil regt bei mir gar nichts an, er schreckt mich nur ab. So funktioniert ein „Blick über den Tellerrand“ bei mir nicht!

Um bei der Metaphorik des Referenten zu bleiben: der Blick auf die Sterne verwirrt, aber er hilft erst einmal gar nicht. Aber schauen wir doch einmal zurück auf den Schreibtisch: alles rechteckig und alltäglich. Wirklich? Naja, mal sehen. Das da vorne ist doch etwas schief geraten, eher ein Trapez. Und hier eine Raute, dort ein Parallelogramm. Ist das hier drüben nicht sogar ein Achteck? Dann in der anderen Ecke: Kreise und Ellipsen! Erstaunlich, nicht wahr? Also doch nicht gar so alltäglich, wie gedacht.

(08-03-2019, 22:15)Ekkard schrieb: Wenn man aber mal den Blick über den Tellerrand hinaus richtet, z. B. in Richtung der Sterne, geraten vielleicht wichtigere Themen ins Blickfeld, die sich meist im sozio-kulturellen, gesellschaftlichen Umfeld auftun. (Unsere Ängste, unsere Betäubung durch allzu viel Hektik, Reklame, Mobilität ...)

Tja, und das passiert, wenn man zu viel auf einmal will und sich sofort auf die „großen Fragen“ stürzt. Hektik, Ängste, Verwirrung – und die daraus folgende Betäubung; das sattsam bekannte Hamsterrad eben. So beißt sich die Katze in den Schwanz.
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#6
(09-03-2019, 18:20)AncheCameo schrieb: Um bei der Metaphorik des Referenten zu bleiben: der Blick auf die Sterne verwirrt, aber er hilft erst einmal gar nicht.
Doch schon; denn "Das Wesentliche ist unsichtbar!", um mit dem "Kleinen Prinzen (Antoine de Saint-Exupéry) zu sprechen. Und mit Gottesglauben oder Atheismus hat das alles nichts zu tun - alles eigentlich: Tanz unserer Psyche auf dem "Vulkan" unserer menschlichen Gesellschaftsprobleme. (Dieser "Tanz" kann auch extrem träge ablaufen ...)
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#7
(10-03-2019, 01:17)Ekkard schrieb:
(09-03-2019, 18:20)AncheCameo schrieb: Um bei der Metaphorik des Referenten zu bleiben: der Blick auf die Sterne verwirrt, aber er hilft erst einmal gar nicht.
Doch schon; denn "Das Wesentliche ist unsichtbar!", um mit dem "Kleinen Prinzen (Antoine de Saint-Exupéry) zu sprechen.

Aber gerade dann doch nicht. Wenn das Wesentliche unsichtbar ist, dann ist es doch eigentlich egal, wohin wir schauen, wir sind ohnehin dafür blind. Aber mir hilft manchmal der genauere Blick auf unwesentliche Details (die geometrischen Figuren auf dem Schreibtisch), um ein etwas besseres Gespür für das Wesentliche zu entwickeln. Geht dir das beim Anblick der Sterne so? Dann ist es gut: für dich.

(10-03-2019, 01:17)Ekkard schrieb: Und mit Gottesglauben oder Atheismus hat das alles nichts zu tun - alles eigentlich: Tanz unserer Psyche auf dem "Vulkan" unserer menschlichen Gesellschaftsprobleme. (Dieser "Tanz" kann auch extrem träge ablaufen ...)

Vielleicht ist die Unsichtbarkeit des Wesentlichen manchmal auch ganz nützlich. Der allzu klare Blick auf die brodelnde Lava kann mitunter auch zur Resignation führen, vor allem, wenn man den Eindruck gewinnt, dass es kein Entkommen gibt.
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#8
Ich glaube auch , dass das Wesen der Dinge immer im Auge des Betrachters und seinem eigenen Empfinden liegt.
Und ich denke, dass gar viel Artgenossen die das Wesen der Dinge zu erkennen meinen, sich in Wirklichkeit wohl nur gerne von ihren eigenen Projektionen täuschen lassen.

Vielleicht ist das ja manchmal auch gut, weil sich damit die oftmals harte Wirklichkeit  leichter ertragen lässt.
Aber es beflügelt leider auch viele Dummköpfe, die sich einbilden Auserwählte zu sein, um  hier auf Erden den Willen des Schöpfers vertreten zu  müssen. Und gar nicht so selten mit rücksichtsloser Gewalt und sadistischer Brutalität.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#9
Heute will ich zur Abwechslung mal ein positives Beispiel bringen:
*https://www.kirche-im-wdr.de/nix/de/nc/startseite/programuid/vertrauen-4/formatstation/wdr2/

Thema: Vertrauen – traditionell ein zentrales Thema innerhalb des Christentums.

Hier hat der Autor Daniel Schneider einmal einige Eigenschaften und Wirkungen des Vertrauens zusammengestellt. Einfach, nachvollziehbar und ohne dabei die Bodenhaftung zu verlieren. Mit dem Gottesbezug kann ich als Atheist naturgemäß nicht allzu viel anfangen, aber das macht in diesem Falle nichts: bei diesen klaren Aussagen war es mir ein Leichtes, sie mir ins Gottlose zu übersetzen. Nur eine weitere Eigenschaft des Vertrauens würde ich noch ergänzen:

„Vertrauen kann man nicht erzwingen.“

Dann wäre der Beitrag komplett.
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