Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Habakuk
#1
Dieser Prophet hat einen rätselhaften Namen

Die Jewish Encyclopedia (New York, 1905) schreibt über die Etymologie seines Namens:
HABAKKUK
"Prophet; author of the eighth in the collection of the twelve minor prophetical books. The etymology of the name of the prophet is not clear. It seems to be a loan-word representing the Assyrian "hambaḳûḳu," a garden-plant (Friedrich Delitzsch, "Prolegomena," p. 84; König, "Historisch-Kritisches Lehrgebäude der Hebräischen Sprache," ii. 1. 473, on the vocalization), and has the appearance of being a writer's pseudonym (F. E. Peiser, "Der Prophet Habakuk," in "Mitteilungen der Vorderasiatischen Gesellschaft," 1903, i. 12). That he was a Levite has been urged on the strength of the postscript to ch. iii. (verse 19, "on my stringed instruments"), which indicates that he owned instruments: only a Levite was authorized to use an instrument to accompany his songs in the Temple. The superscription of the Septuagint apocryphon Βὴλ καὶ Δράκωυ, in the Codex Chisianus, also designates him a Levite."


Für alle, die nicht Englisch verstehen:
Die Etymologie des Namens des Propheten ist unklar. Es scheint sich um ein Lehnwort "hambaḳûḳu" aus dem Assyrischen handeln (a garden-plant) und sieht wie ein Pseudonym eines Schreibers aus.
Daß er ein Levit gewesen sei wird damit begründet, daß er Musikinstrumente besaß - nur ein Levit war berechtigt, seinen Gesang im Tempel mit Begleitung durch ein Musikinstrument erschallen zu lassen. Auch die Überschrift Βὴλ καὶ Δράκωυ in der Septuaginta läßt ihn als Leviten erscheinen

Auch wenn es sich um ein Pseudonym handelte, ist es seltsam und auffällig, daß es ausgerechnet ein assyrisches Wort war - gab es keine hebräischen Wörter ?

Was war der Zweck, ein assyrisches Wort zu verwenden ??
Wir werden es heute nicht mehr klären können

Gäbe es einen ernstzunehmenden Anhaltspunkt, wäre er in der Jewish Encyclopedia wohl sicher genannt worden

Manchmal liest man, es handle sich möglicherweise um eine Ableitung von der hebräischen Wurzel חבק ḥbq was "umarmen" bedeutet
Da aber die Jewish Encyclopedia nichts dergleichen erwähnt, dürfte es sich um den krampfhaften Versuch handeln, eine hebräische Wurzel für den Namen dieses Propheten zu finden

garden-plant kann zweierlei bedeuten:
Gartenpflanze (lt Wörterbuch)
Gartenanlage (wenn man nach hambaḳûḳu sucht); vgl. das Wort Plantage

Hier ist wieder die Mehrdeutigkeit der englischen Sprache ein Problem
Zitieren
#2
Das Bibellexikon und Wikipedia nennen Habakuk ein moegliches akkadisches Lehnwort (Akkadisch umfasst unter anderem beides, Assyrisch und Babylonisch), und obwohl man nicht mit Sicherheit weiss, welche Pflanze gemeint ist, faellt die Aehnlichkeit zu Arabisch ḥabaq (Basilikum) auf. Akkadisch war zeitweise eine Gelehrten- und Diplomatensprache, die ueberall in Vorderasien bis Aegypten gelaeufig war.

Alles andere ist Spekulation, da die Bibel uns weder seinen Lebenszeitraum noch seinen Lebens- oder Wirkungsort verraet.
Zitieren
#3
Schalom allerseits :Icon_lol


Zitat: hebraeische Wurzel חבק ḥbq war "umarmen
- inner-biblisch wird er "Habaquq" ja einmal als 1 der 12"-Schrift-Prophet zitiert, 
- und einmal als der Helfer aus Judaea, der z.Zt Koenig Nebukadrezars v Babel auf etwas mystische Weise (durch einen Boten (Engel) am Haar-Schopf hingetragen) samt den fuer seine Feld-Arbeiter gekochten Mahlzeiten dorthin an den Euphrat (wo er sich nicht auskannte, heisst es da ja) transportiert, den Schreiber Daniel in der Loewen-Grube mit seinem Fruehstuecks-Brei-und-Brot versorgte, solange der das brauchte (Daniel Kp 14,33ff, (in der Episode mit dem Bel, 5-6 Tage lang, war ja nur knapp eine Arbeits-Woche lang noetig) - in manchen Bibeln als "pseud-epigrafische" Zutat betrachtet, weil der pers. Sprache und Gedanken-Welt naeherstehend, zuerst in Keilschrift tradiert?), 
- (diese Schopf-Idee war so bildhaft und populaer im Orient, dass auch viele Muslime sich einen Scheitel-Haar-Zopf lang wachsen lassen /liessen (z.B. unterm Fez-Huetchen versteckt, um das man den Turban wickeln konnte), fuer den Fall, sich in dieser Weise auch - wenn es soweit ist - ins Paradies holen lassen zu koennen) 

Zitat: Lehnwort "hambaḳûḳu" aus dem Assyrischen 

- (hm, Assyrisch hat aber kein "Ha"-Zeichen in Keilschrift) 
- aber eine Art Pflanze? - ok, dazu faellt mir hier aber sofort Knoblauch ein, dessen Knollen man zum Zopf verflochten in an Kuechen-Tueren aufzuhaengen pflegte (wegen des "Schopfes" an Knoblauch so praktisch (nicht Basilicum), denn auch aegyptische Bau-Arbeiter und orientalische Feld-Arbeiter mochten Knoblauch gern essen, er hilft u.a., die Hitze zu verkraften und Parasiten-Wuermer (und "Vampire" *g*) zu mindern / verhindern - angedacht: vielleicht hielte es auch Loewen vom Daniel ab? - ausserdem lieferte Knoblauch schwarze Schreiber-Tusche) 
- insofern plaediere ich fuer Akkadisch als Sprach-Familie. stimme aber auch der Bild-Idee "umarmen" zu, hbq-q ist eine Intensivierungs-Form, etwas "etwas immer-nochmal umarmen" zu tun. als was man m.E. "etwas verflechten" auch auffassen kann. 
- in Anbetracht der Redaktions-Zeit des Buchs Daniel - und der LXX-Bibel - kann man aber vermutlich in saemtlichen benachbarten Sprachen suchen - einer (oder mehrere) kann doch auch Habaquq geheissen haben, ohne dass es gleich inhaltlich zu seiner Prophetie etwas "deutet", es ist ja ein ziemlich leidenschaftlicher Klartext der Zuversicht auf Rettung aus Volk Israels Not, angesichts der bedraengenden Reiche eben nochmal ganz stark noetig, "vom Theman (Jemen) und Paran her" vorgestellt. 
Nur weil das "Psalm"-Lied Habaquqs auf uebliche Weise mit Singe-Anweisung umgeben ist, muss es nicht heissen, dass er normalerweise ein Levit und Musiker war - ein biblischer "Nawi"-Prophet "ueberbringt" einen Text, auf den er nicht normalerweise durch logisches Denken gekommen waere, sondern meldet alles in einer "ausser-sich-sein"-Verfassung. Diese Verse wurden dann eben auch gesungen. 
 
Schalom - Pax - Salaam 
mfG (/*-*\) 
Wit
Zitieren
#4
Über die Person Habakuks teilt das Buch nicht viel mehr als seinen Namen mit. Und der wird unterschiedlich gedeutet.

Man hat den Namen (LXX: Αμβακουμ) vom akkadischen Wort chambaququ herleiten wollen, womit eine Pflanzen- bzw. Obstbaumart gemeint sein könnte. So ist es jedenfalls in Die Religion in Geschichte und Gegenwart (Bd 3, 3) nachzulesen. Im Lexikon für Theologie und Kirche (Bd 4, 1124) ist angemerkt, dass es sich bei der gesuchten Pflanze um Basilikum handeln könnte.

Auch die Herleitung vom hebräischen Verb chbq (liebevoll umarmen) wird erwogen. Der Name des Propheten soll eine Passivform des Verbs sein. (W. Dietrich u.a. Die Entstehung des Alten Testaments, 2014 Stuttgart. Verl. Kohlhammer. S. 454)

Das wurde hier schon erwähnt. Es ist Bemerkenswert, wie vorsichtig die Deutungshypothesen in der Fachliteratur formuliert sind.

Bemerkenswert sind auch die unterschiedlichen hypothetischen Annahmen, wie das Büchlein zeitlich (in welchem historischen Umfeld) einzuordnen sei. Mit den im Buch angesprochenen Chaldäern (Hab 1,6) wären die Neubabylonier gemeint. Es gibt aber auch Fachgelehrte, die die Meinung vertreten, das Buch sei pseudepigraphisch und erst in hellenistischer Zeit entstanden.
MfG B.
Zitieren
#5
"Traditionelle" Etymologien werden heutzutage mit grosser Vorsicht betrachtet. Das betrifft viele Bereiche, aber auch die oben gemachte Identifikation von Teman mit dem Jemen, was heute meist abgelehnt wird.
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste