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Lohn- und Preisregelung
#31
Na ja, ich habe ja die Zeit miterlebt, als an deutschen Universitaeten und Krankenhaeusern das angestellte Personal mehr oder weniger rausgedraengt und durch externe Firmen ersetzt wurde. Da solche Firmen billiger arbeiten sollten, im Gegensatz zum angestellten Personal aber ein Gewinn herausspringen sollte, musste eine Putzkraft der externen Firma in etwa die Arbeit von vier angestellten Putzkraeften leisten. So sah das dann auch aus.

Formal wurde natuerlich allen ausbildungsrelevanten Anforderungen Rechnung getragen. Die Putzkraefte leisteten eine mediale Trainingssession ab und unterschrieben hinterher, dass sie umfassend trainiert wurden. Auf Sprachschwierigkeiten wurde keine Ruecksicht genommen. Die Firmen taten so ziemlich das Minimale, um im Zweifelsfall Entschaedigungsansprueche auf ihre Arbeiter abwaelzen zu koennen. Da ich fuer eine Zeit fuer den Strahlenschutz zustaendig war, hatte ich einige haarige Situationen aus erster Hand erlebt. Wenn eine Putzfrau in einen Raum ging, in dem sie nichts zu suchen hatte, dort kontaminierte Flaechen putzte und den radioaktiven Abfall in den Hausmuell warf, blieb mir nichts anderes uebrig, als sie zu melden (die Strahlenschutzverordnung sah anderenfalls eine empfindliche persoenliche Geldstrafe fuer mich selbst vor, und ich musste ja minutioes nachweisen wo alle radioaktiven Stoffe verblieben). Da kann ich noch so viel Mitleid haben, dass sie gezwungen wurde, irgendetwas zu unterschreiben, was sie nicht lesen konnte, aber das System war halt so grottenschlecht. Die Firma verwies darauf, ihrer Trainingspflicht nachgekommen zu sein (was ja formal richtig war), warf die Reinigungskraft raus, eine neue kam, und das Theater ging von vorne los. Furchtbar.
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#32
(Gestern, 16:47)Ulan schrieb: Wenn eine Putzfrau in einen Raum ging, in dem sie nichts zu suchen hatte, dort kontaminierte Flaechen putzte und den radioaktiven Abfall in den Hausmuell warf, blieb mir nichts anderes uebrig, als sie zu melden (die Strahlenschutzverordnung sah anderenfalls eine empfindliche persoenliche Geldstrafe fuer mich selbst vor, und ich musste ja minutioes nachweisen wo alle radioaktiven Stoffe verblieben).


Wenn die Putzfrau radiaktiv "kontaminierte Flaechen putzte und den radioaktiven Abfall in den Hausmuell warf", dann war das eine Schädigung der übrigen Menschen.
Die Putzfrauen der allgemeinen Hausreinigung trugen dann die Misteimer (die ohne ihr Wissen radioaktiv verseuchte Putzlappen, Reinigungstücher, Schwämme und Handschuhe enthielten), ahnungslos zu den Mülltonnen und kippten den radiakriven Dreck hinein, ohne Staubmasken zu tragen. Die armen Teufel von der Müllabfuhr zogen später die Mülltonnen zu den Müllfahrzeugen, wo sie unter Staubentwicklung hineingekippt wurden. Zwar ist bei modernen Müllfahrzeugen die Staubentwicklung gering - aber niemand soll auch nur geringe Mengen von radioaktivem Staub einatmen. Dann führten die ahnungslosen Müllwagen den gefährlichen radioaktiven Abfall zur Sortieranlage, wo der Müll auf Förderbändern landet, und wo dann Arbeiterinnen (zwar mit Handschuhen, aber ohne Strahlenschutzmasken) den Müll sortieren, das heißt Blechdosen, Glasflaschen, Kunststoff, verrottbares Material grob auseinandersortieren. Dann landeten die (schwach) radioaktiv verseuchten Putzlappen entweder auf einer Mülldeponie (Verseuchung des Grundwassers und damit des Trinkwassers) oder in einer Müllverbrennungsanlage, wo dann radioaktiver Rauch in die Luft geblasen wurde ! Bei Regen wurde der radioaktive Rauch heruntergewaschen und landete in der Umgebung des hohen Schornsteins

Die ganze Geschichte ist entsetzlich.
Um sie geistig rekonstruieren zu können, bitte ich Dich um noch ein Detail:

Es ist mir klar, daß Du minutiös nachweisen mußtest, wo alle radioaktiven Stoffe verblieben - aber hier ging es doch bloß um Putzlappen, die an Fliesen, Fußböden und anderen Flächen radioaktiv verseucht wurden.
Da gibt es ja keinen Nachweis
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#33
Die Putzfrau hatte in dem Raum nichts zu suchen. Und nein, es ging nicht nur um Putzlappen, Sie hatte den Abfall der Experimente, der deutlich mit entsprechenden Warnhinweisen markiert war, in ihre Hausmuellsammlung gelehrt, zusammen mit den normalen Muelleimern aus den anderen Raeumen. Die Vorarbeiterin hatte uns versichert, dass sie angewiesen war, diesen Raum ueberhaupt nicht zu betreten (keine Ahnung, ob das stimmte), und dass sie auch trainiert worden war, was die Warnschilder bedeuteten. Wie auch immer, die Putzfrau konnte kein Deutsch, und sie konnte trotz Training anscheinend nicht einmal die auffaelligen Warnmarkierungen deuten, die auch ohne Sprachkenntnisse eindeutig erkennbar sein sollten (dieses Zeichen sollte wohl erkennbar sein).

Die Gefaehrdung der Allgemeinheit hielt sich in dem Fall in engen Grenzen, da das ein Experiment war, in dem die eingesetzten radioaktiven Stoffe unter dem Limit waren, das eine Verlagerung des Experiments in die Nuklearmedizin zur Folge gehabt haette. Bei so etwas kommt eine Gefaehrdung eher durch fortgesetztes, unbewusstes und unsachgemaesses Ausgesetztsein zustande. Der Abfall haette jedenfalls trotzdem mit exakter Berechnung der Restaktivitaet zurueck in die Nuklearmedizin gemusst, und was folgte, war eine Menge Papierkram unter Einbeziehung vieler Leute. Irgendwelche Muellsortierer sollten die Zeichen eigentlich auch erkennen koennen.

Um diese Details geht es hier im Thread aber eigentlich nicht. Mir ging's eher um Kostensparung beim Personal in einem grossen Krankenhaus. Solange das richtige Hausangestellte waren, war das Training jedenfalls deutlich besser, und die Leute hatten auch nicht dieses gewaltige Arbeitspensum, was auch ein Grund fuer Schlampereien dieser Art war. In dem Bereich kommt es zu ziemlicher Ausbeutung.
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#34
(Gestern, 23:32)Ulan schrieb: Die Putzfrau hatte in dem Raum nichts zu suchen. Und nein, es ging nicht nur um Putzlappen, Sie hatte den Abfall der Experimente, der deutlich mit entsprechenden Warnhinweisen markiert war, in ihre Hausmuellsammlung gelehrt

Irgendwelche Muellsortierer sollten die Zeichen eigentlich auch erkennen koennen.


Wenn sie radioaktives Pulver aus der mit Warnhinweis versehenen Schachtel in den Papierkorb schüttete, dann sieht die Müllsortiererin keinen Warnhinweis
Sie ist ahnungslos und schutzlos dem radioaktiven Staub ausgesetzt
Auch wenn es noch so wenig ist . . . so etwas einzuatmen ist schlimm. Besonders in einem Land wo man wegen Dieselabgasen ein Theater macht, darf so etwas nicht passieren 

Man soll das nicht verharmlosen

Aus dem, was ich bis jetzt gelesen habe, war der Fehler, daß überhaupt eine Reinigungsfirma oder Putzfrau Zutritt zu so einem gefährlichen Bereich hatte. Da dürfen nur die Verantwortlichen Schlüssel haben. Beim Heer gibt es die Waffenkammer und da darf ja auch keine Putzfrau rein. Da müssen die Soldaten selbst den Boden aufkehren

Oder glaubst Du, auf einen Flugzeugträger kommen Putzfrauen ??
Da müssen die Matrosen den Boden schrubben


(Gestern, 23:32)Ulan schrieb: In dem Bereich kommt es zu ziemlicher Ausbeutung.


In welchem Bereich gibt es heute keine Ausbeutung ?
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#35
Von "Pulver" hat niemand etwas gesagt. Du musst hier keine erfundene "Gefahrenanalyse" aus unfundierten Mutmassungen machen. Fuer eine genaue Analyse der Vorschriften, wie und unter welchen Umstaenden radiaktive Experimente gemacht werden, ist hier auch nicht der Platz. In Deutschland wird das jedenfalls generell recht restriktiv gehandhabt, und das war alles nach Vorschrift gehandhabt.
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