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Eucharistie-Disput (Bedeutung überbewertet ?!)
#1
Guten Tag,

... das Machtwort in der Streitsache (Zulassung von Evangelen bei der Eucharistie) hatte überrascht, weil bisher der Papst eine eigene deutsche Lösung ja wohlwollend gegenüberstand. Ich kann mir ehrlich gesagt aber nicht vorstellen, dass dieser Punkt zu einem dauerhaften Disput führen wird, weil die Neuordnung der Großgemeinden und damit der Zukunft der Deutschen Kirche mehr und mehr in den Mittelpunkt rückt. Das Thema steht bestimmt nicht im Vordergrund der katholischen Agenda-Rangfolge.

Ich kann mir insbesondere auch nicht vorstellen, dass von dieser Regelung besonders viele Christen betroffen sind ...
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#2
(07-06-2018, 13:42)Kreutzberg schrieb: Guten Tag,

... das Machtwort in der Streitsache (Zulassung von Evangelen bei der Eucharistie) hatte überrascht, weil bisher der Papst eine eigene deutsche Lösung ja wohlwollend gegenüberstand. Ich kann mir ehrlich gesagt aber nicht vorstellen, dass dieser Punkt zu einem dauerhaften Disput führen wird, weil die Neuordnung der Großgemeinden und damit der Zukunft der Deutschen Kirche mehr und mehr in den Mittelpunkt rückt. Das Thema steht bestimmt nicht im Vordergrund der katholischen Agenda-Rangfolge.

Der Papst hat derzeit einen schweren Stand. Die konservativen Kraefte haben ihn mittlerweile in eine Ecke gedraengt, wo er ihnen mehr oder weniger folgen muss, um die Kirche nicht komplett zu zerreissen. Insofern kommt sein ploetzliches "Umdenken" fuer mich nicht ueberraschend.

(07-06-2018, 13:42)Kreutzberg schrieb: Ich kann mir insbesondere auch nicht vorstellen, dass von dieser Regelung besonders viele Christen betroffen sind ...

Die Zahl interfkonfessionller Ehen ist in Deutschland traditionell sehr hoch, auch wenn ich da jetzt auf die Schnelle keine konkreten Zahlen gefunden habe. Meine Eltern oder die Eltern meiner ehemaligen Lebensgefaehrtin lebten beide in gemischt-konfessionellen Ehen. So einige von Deutschlands Bevoelkerungsschwerpunkten liegen in gemischtkonfessionellen Gegenden.

Ich sehe die Entscheidung uebrigens besonders problematisch, da die katholische Kirche im Normalfall die gemischtkonfessionellen Eheleute sogar zwingt, nach katholischem Ritus in der katholischen Kirche zu heiraten und sich gleichzeitig zu verpflichten, die Kinder katholisch zu erziehen. Da dem evangelischen Ehepartner die Kommunion im gemeinsamen Kirchbesuch zu verweigern, ist ein wenig schaebig. Dadurch soll weiterer Druck ausgeuebt werden, den Ehepartner zur Konversion zum Katholizisimus zu bringen.

Das Paar kann das zwar ignorieren und evangelisch heiraten, aber das wird von der katholischen Kirche nicht als Ehe anerkannt. Der katholische Ehepartner kann sich sogar dann, mit Billigung der katholischen Kirche, scheiden lassen, zur Busse ein paar Rosenkraenze beten, und dann noch ein zweites Mal kirchlich in der katholischen Kirche einen anderen Partner ehelichen. Genau so ein Fall ist in meiner Familie bei einer dritten interkonfessionellen Ehe tatsaechlich passiert. Der Bruder meiner ehemaligen Lebensgefaehrtin hat zwei Mal kirchlich geheiratet, das erste Mal evangelisch mit seiner ersten Frau; er verliebte sich dann in die beste Freundin seiner Frau, liess sich mit (katholischem) Dispens scheiden, wobei er Frau und Kind verliess, und heiratete erneut in einer sehr schoenen katholischen Kirche. Da die erste Frau nicht katholisch war, war auch katholische Moral nicht mehr gefragt. So dehnbar werden angeblich unverrueckbare Grundsaetze, wenn's um das Werben neuer Schaeflein geht.

Im Prinzip ist das ein Problem der ganzen Oekumene. Da die protestantischen Kirchen fuer die katholische Kirche rechtlich nicht existieren, bleibt die Oekumene in gewissem Sinne eine Luftnummer.
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#3
Als evangelischem Christen sind mir dieser Disput sowie das Votum des Papstes herzlich gleichglültig. Wir leben einfach nicht in einer Abendmahlsgemeinschaft mit unseren römisch-katholischen Mitchristen, soweit sie Bischöfe und mehr sind. Deren Auffassung ist frei von jeglicher Wirklichkeit. Was dort geglaubt werden soll, ist schlicht sinnfrei. Dem kann man bestenfalls mit milder Toleranz begegnen: Die seltsamen kirchlichen Lehren zementieren ein Glaubensverständnis aus der magischen Denke der Antike, als könne der Glaube Substanz verändern.

Ich habe mit meiner römisch-katholischen Frau und deren gesamter Gemeinde noch niemanden getroffen, der den katholischen Standpunkt vernünftig erklären konnte - bei bestem Bemühen nicht. Die Gespräche enden sämtlich beim "Geheimnis des Glaubens". Gemeint ist: das Geheimnis der innerkirchlichen Hierarchen.

Ich denke, dass die römisch-katholische Kirche krampfhaft nach Alleinstellungsmerkmalen sucht (vuldo: ihre Daseinsberechtigung in solchen Scheinwahrheiten zu finden hofft).
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#4
Da Kardinal MARX für eine deutsche Sonderregelung sich einsetzt, dürfte die Thematik wohl auf der nächsten Bischofskonferenz ein zentrales Thema sein. Das Problem scheint zu sein, dass eine etwaige Mehrheitsentscheidung am Ende dann so oder so vom Vatikan doch erst frei gegeben werden muss. Ein dorniger, langer Weg steht hier der deutschen Kirche bevor.

Es ist hier sicherlich nicht hilfreich, wenn ein Wettlauf beginnt, wer zu Papst Franziskus den "heißesten Draht" hat, weil das die Gegner darin bestärkt, dass transparente Klärungsverfahren im Vatikan nicht gerne gesehen werden.
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#5
(07-06-2018, 13:42)Kreutzberg schrieb: ... das Machtwort in der Streitsache (Zulassung von Evangelen bei der Eucharistie) hatte überrascht, weil bisher der Papst eine eigene deutsche Lösung ja wohlwollend gegenüberstand.

Das muss man wohl etwas differenzieren:
Der Papst dürfte wohlwollend dem gegenüber stehen, dass die deutsche Bischofskonferenz das Thema behandelt und sich dann gegenüber Rom mitteilt und sich in die Debatte einbringt.
Wo aber gedacht wurde, die "deutsche Kirche" könne eine eigene Lösung in einer Frage finden, die nur von der Weltkirche entschieden werden kann, liegt wohl ein Verständnisproblem des Katholischen vor.

Zitat:Ich kann mir ehrlich gesagt aber nicht vorstellen, dass dieser Punkt zu einem dauerhaften Disput führen wird, weil die Neuordnung der Großgemeinden und damit der Zukunft der Deutschen Kirche mehr und mehr in den Mittelpunkt rückt. Das Thema steht bestimmt nicht im Vordergrund der katholischen Agenda-Rangfolge.

Die Diskussion ist aus meiner Sicht überbewertet.
Wenn ich nicht der Meinung bin, dass in der Hostie der Herr tatsächlich und wahrhaftig gegenwärtig ist und gleichsam weiß, dass ich bei der Feier einer Institution bin, die nun genau das glaubt, dann sollte ich auch Abstand davon nehmen, die Kommunion haben zu wollen.
Das ist im Grunde eine Frage der Redlichkeit.
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#6
(07-06-2018, 18:14)Ulan schrieb: Dadurch soll weiterer Druck ausgeuebt werden, den Ehepartner zur Konversion zum Katholizisimus zu bringen.

Zu Luthers Zeiten gab es gute Gründe, die Amtskirche zu kritisieren und sich zu distanzieren. Heute sind diese Gründe nicht mehr aktuell. Evangelischsein fußt heute auf einer Verweigerungshaltung gegenüber der Kirche.
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#7
Wenn der aktuelle Gegensatz  der obersten deutsch-katholischen Instanz überbewertet ist, weshalb hat dieser Disput dann so hohe Wellen geschlagen ?
> hat das damit zu tun, dass sich hier 2 ideologische Lager innerhalb der DBK unversöhnlich gegenüberstehen und
welches als internes Kräftemessen zu sehen ist ?!
> ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass unabhängig davon die Außenwirkung der beteiligten Protagonisten weitgehend gleichgültig am Vatikan vorbei geht.

DKB = Deutsche Bischofskonferenz
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#8
(Gestern, 17:46)Kreutzberg schrieb: Wenn der aktuelle Gegensatz  der obersten deutsch-katholischen Instanz überbewertet ist, weshalb hat dieser Disput dann so hohe Wellen geschlagen ?

Weil man in Deutschland glaubte oder manche Stellen hier auch den Eindruck erweckten, sie hätten in der Frage irgendeine Autonomie und Handlungsfreiheit.
Das war für mich das Befremdliche an diversen ökumenischen Gesprächen: während die evangelischen Kirchen hier eine eigenständige Handlungsfreiheit haben, gibt es keine deutsche römisch-katholische Kirche, die etwas anderes als Rom und unabhängig davon beschließen könnte. Deswegen fand ich es auch gegenüber den evangelischen Geschwistern unehrlich, weil man Entscheidungsfreiheit in Fragen suggerierte, die nur Rom treffen kann.

Zitat:hat das damit zu tun, dass sich hier 2 ideologische Lager innerhalb der DBK unversöhnlich gegenüberstehen und welches als internes Kräftemessen zu sehen ist ?!

Eher scheint es so, dass ein Teil in der DBK Gewissheit darüber hatte, was römisch-katholisch bedeutet, während andere scheinbar dachten, die Funktion eines Bischofs würde sie zum autonomen Regenten einer von Rom unabhängigen kirchlichen Institution machen und ihnen noch einmal klar gemacht werden musste, dass es RKK nur als Weltkirche gibt.
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#9
(Gestern, 16:49)aion schrieb: Zu Luthers Zeiten gab es gute Gründe, die Amtskirche zu kritisieren und sich zu distanzieren. Heute sind diese Gründe nicht mehr aktuell. Evangelischsein fußt heute auf einer Verweigerungshaltung gegenüber der Kirche.
Diese Sichtweise fußt worauf?
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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