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Naturalismus - Die Grenzen
#16
(03-10-2018, 00:03)Ekkard schrieb: Im Übrigen ist Logik eine Sammlung von ausgedachten Regeln

Allerdings.

Zum Thema Logik schrieb Nietzsche in seiner Götzendämmerung:

"Formal-Wissenschaft, Zeichen-Lehre: wie die Logik und jene angewandte Logik, die Mathematik. In ihnen kommt die Wirklichkeit gar nicht vor, nicht einmal als Problem: ebensowenig als die Frage, welchen Wert überhaupt eine solche Zeichen-Konvention, wie die Logik ist, hat."

Nietzsche scheint da nur Urteile a posteriori zu akzeptieren.

Aber wie sieht es mit den Urteilen a priori aus, wie sie Kant formuliert hat?
Haben sie nicht trotz ihrer empirischen Nicht-Überprüfbarkeit ihren Wert?
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#17
(03-10-2018, 01:16)Mustafa schrieb: Nietzsche scheint ... nur Urteile a posteriori zu akzeptieren.

Aber wie sieht es mit den Urteilen a priori aus, wie sie Kant formuliert hat?
Haben sie nicht trotz ihrer empirischen Nicht-Überprüfbarkeit ihren Wert?
Selbstverständlich kann man z. B. mathematische Sätze nach einer Prüfung beurteilen. Dies kann vor aller (empirischen) Erfahrung (aber natürlich nur nach der Tätigkeit des Prüfens) stattfinden.

Nur, in einer Reihe von Fällen lassen sich Sätze der Mathematik (und Philosophie) anwenden. In dem Augenblick betrifft das a priori-Urteil natürlich auch den (mathematisch) beschriebenen Sachverhalt.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#18
Die Frage für mich wäre, ob apriori-Urteile eine Aussage über die Realität treffen können. Ist etwas z.B logisch unmöglich, also ein Widerspruch, kann man dieses dann für die Realität ausschließen? Wenn ich z.B ein Wesen definiere, das logisch unmöglich ist, kann dieses dann noch Real sein, also messbar? Sind Dinge die in sich Widersprüchlich sind überhaupt messbar?
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#19
(07-10-2018, 02:24)Holmes schrieb: Die Frage für mich wäre, ob apriori-Urteile eine Aussage über die Realität treffen können.
Aussagen über die Realität sind ein schwieriges Unterfangen. Wir kennen eigentlich nur Zusammenhänge zwischen Messgrößen. Der Rest sind Beschreibungen aufgrund von Annahmen. Es ist praktisch, der Tür vor meiner Nase Realität zu unterstellen, obwohl wir genau wissen, dass sie im Wesentlichen aus freien Zwischenräumen besteht (die wir als Ganzes nicht nutzen können).

Wir können nur so argumentieren: Wenn die Beschreibung von (physikalischen) Körpern mit ihren Feldbeziehungen (auf Erden: elektromagnetische) der allgemeinen Erfahrung entspricht, dann kann ich eine geschlossene Tür apriori also voraussichtlich nur mit roher Gewalt durchbrechen aber nicht zwischen ihren Molekülen durchschlüpfen. Man hat formal ein apriori Urteil vor dem Hintergrund "allgemeiner Erfahrung", also kommt Letzte doch zuerst. Die Aussage ist also indirekt aposteriori.

(07-10-2018, 02:24)Holmes schrieb: Ist etwas z.B logisch unmöglich, also ein Widerspruch, kann man dieses dann für die Realität ausschließen?
Die Frage wäre dann, was du unter "Realität" verstehst. Je nach Standort und physikalischem Zustand kann sie etwas anderes bedeuten, wie Leonhardt Susskind (hier) zeigen konnte. Also schon der Begriff (Realität) verführt uns zu Aussagen/Beschreibungen, die nicht allgemein stimmen.

Deine Frage kann also allgemein nicht beantwortet werden. Jeder praktische Begriff hat einen begrenzten Definitionsbereich. Innerhalb dieses Bereiches kann man ihn widerspruchsfrei festlegen (in wenn-dann-Beziehungen) aber nicht allgemein.

(07-10-2018, 02:24)Holmes schrieb: Wenn ich z.B ein Wesen definiere, das logisch unmöglich ist, kann dieses dann noch Real sein, also messbar? Sind Dinge die in sich Widersprüchlich sind überhaupt messbar?
Grundsätzlich kann man nur Begriffe und ihre Verwendungsregeln definieren (schon gar nicht "Wesen"!). Die Realität (das Wesen) wird davon nicht berührt, sondern nur unser gegenseitiges Verständnis.

Deswegen bin ich auch der Ansicht, dass Dinge nicht widersprüchlich sein können, sondern nur unsere Vorstellung von ihnen. Und wenn Letzteres der Fall ist, dann können sie durchaus real sein; nur unser Repertoire an Begriffen und ihrer Semantik reichen nicht, die Realität schlüssig (konsistent) zu beschreiben.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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