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Pan
#1
In ↗Arkadien beheimateter, griechischer Wald- und Hirtengott.

Dem verbreitetsten ↗Mythos nach (Hom. Hymn. 19), war er Sohn des ↗Hermes und der ↗Nymphe Dryope gewesen. Er kam mit Hörnern, Bart, Ziegenbeinen und Schwanz auf die Welt. Die Mutter war vom Aussehen ihres Sohnes so entsetzt, dass sie das Weite suchte und den Knaben zurückließ. Hermes brachte ihn zur Belustigung der Götter auf den ↗Olymp. Die olympischen Götter nannten ihn Pan, weil alle an ihm Vergnügen fanden. Den größten Gefallen aber soll ↗Dionysos an ihm gehabt und ihn in sein Gefolge aufgenommen haben. Den Olymp musste Pan wieder verlassen. Fortan lebte er in Arkadien, wo er die Wälder durchstreifte und Nymphen nachstellte. Dort wirkte er als Beschützer der Herden und Bienenstöcke.

Nach ↗Pindar (Frag. 76) findet sich Pan im Gefolge der Großen Mutter (↗Kybele).

Nach einem anderen Mythos war Pan Sohn des Hermes und einer Spartanerin namens ↗Penelope, der der Gott in Bocksgestalt Gewalt angetan hatte (↗Lukian: Göttergespräche XXII.). Schon ↗Herodot (Hist. 2,145) erwähnt diesen Mythos. Welche Penelope gemeint ist, lässt Herodot offen. Bei ↗Apollodor (Epit. 7, 38) ist es Penelope, die Frau des ↗Odysseus, die von Hermes Schwanger wird und den Pan gebiert. Er ist in dieser Frage aber nicht konsequent. Auch eine Elternschaft von ↗Zeus und Thymbris (↗Hybris) wird von ihm (Apollod. Bibl. I, 22) erwähnt.

Von den vielen Geburtsmythen, die zu Pan verbreitet wurden, sei schließlich noch jene angemerkt, wonach er Sohn des ↗Kronos (Nonnos. Dionys. 10. Gesang) und der Ziege ↗Amaltheia gewesen war. Diesem Mythos nach wäre er Halb- und Milchbruder des ↗Zeus gewesen.

Sprichwörtlich ist seine triebhafte Natur. In dieser verkörpert er animalische Zeugungskraft und steht symbolhaft für hohe Fertilität der von ihm beschützten Herden. Die Mittagsruhe ist ihm heilig. Wenn er während dieser im Schlaf gestört wird, stößt er einen fürchterlichen Schrei aus, der den Störenfried in "panische" Angst versetzt. Seine besondere Liebe galt der Mondgöttin ↗Selene (Kerenyi Tl. 1, 130f.), der er sich in einem weißen Schafspelz gehüllt nähern hatte müssen, um über seine dunkle Erscheinung hinwegzutäuschen.

Wie andere mächtige Götter auch, ist Pan imstande, Gebete der Menschen zu erfüllen und Übeltäter zu bestrafen (Paus. 8,37,11). Ebenso wie andere große Götter (Hera, Dionysos, Artemis, Hekate, etc.), konnte er Wahnsinn senden (Burkert 173). Herodot (Hist. 2,46) setzte ihn mit dem ↗Bock von Mendes, einer in Widdergestalt abgebildeten ägyptischen Gottheit1, gleich. In Heraia (einem am Alpheios gelegenen, antiken Ort in Arkadien) war ein Tempel für Pan errichtet (Paus. 8, 26, 7). Sein bevorzugtes Opfertier war der ↗Ziegenbock, aber auch der ↗Hund (Plut. Fragen über römische Gebräuche, Kap. 68) wurde von ihm, weil er die Herden bewacht, als Opfertier geschätzt.

Pan war ein musikalischer Gott. Meisterlich soll er die ↗Syrinx (Panflöte) gespielt haben. In der musikalischen Fertigkeit wollte er sich einst mit ↗Apollon messen. Den Wettstreit, bei dem der Berggott Tmolos den Schiedsrichter machte, verlor er. Nur ↗Midas meine, dass es Pan verdient hätte, den Sieg zugesprochen zu bekommen, worauf Apollon ihn bestrafte, indem ihm Eselsohren wachsen ließ (Ovid Met. 11, 146-193).

↗Plutarch berichtet von einer seltsamen Begebenheit, wonach einem Seemann namens Thamus bei den Echinaden2 vom Wind zugetragen wurde "der große Pan sei tot" und dass er das, wenn er nach Palodes3 käme, verkünden solle (Plut. Über den Verfall der Orakel, Kap. 17). Thamus erfüllte den Auftrag, worauf sich ein großes Wehklagen über die Lüfte verbreitet haben soll.

Dieser Mythos ist schwer zu deuten. Manche versuchen ihn mit Jesu Tod in Verbindung zu bringen, andere meinen, dass eine Verwechslung vorliegen und ↗Tammuz (Dumuzi) bzw. ↗Adonis gemeint sein müsse. Keiner der angebotenen Deutungsversuche ist zufriedenstellend.

Literatur:
Walter Burkert. Griechische Religion der archaischen und klassischen Epoche. 2. Aufl. 2011 Stuttgart, Verl. Kohlhammer.
Karl Kerenyi. Die Mythologie der Griechen. 2 Teile in einem Band. 2013 Stuttgart. Verl. Klett-Cotta.

1) Dergleichen wird auch von Plutarch (Über Isis und Osiris, Kap. 73) erwähnt. Allerdings kannten die Menschen ↗Ägyptens, von denen der Bock von Mendes verehrt wurde (vornehmlich in der Stadt bzw. im Gau Mendes), das Bocksopfer nicht. Dort galt der Widder als heiliges Tier, das nicht geopfert werden durfte. Auch Ziegen und Ziegenböcke wurden nicht geopfert.
2) Unbewohnte Inselgruppe, die zum Teil in den Verwaltungsbereich von Kefalonia, zum anderen Teil in jenen von ↗Ithaka fällt.
3) Der von Plutarch genannte Ort ist an der Küste von ↗Epirus zu vermuten, aber heute nicht mehr lokalisierbar.



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MfG B.
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