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Silenos
#1
Silenos ist im griechischen ↗Mythos ein ↗göttlich-dämonisches Wesen, das sich des ↗Dionysos-Knaben angenommen hatte und sein Lehrer wurde. In ↗antiken Bildwerken wird Silenos in dieser Rolle als kräftiger Mann mittleren Alters dargestellt1. Häufiger aber wird er als betrunkener alter Mann2, oft auch auf einem schäbigen Esel reitend3 gezeichnet. Der letztere Typus war schon in der Antike gebräuchlich und ist in der europäischen Kunstgeschichte ab der ↗Frühen Neuzeit vornehmlich vertreten. Methe, die personifizierte Trunkenheit, ist die Frau des Silenos. Die Weisheit des Silenos wird in Erzählungen vielfach gerühmt. Originell und oft zitiert ist seine Antwort auf die Frage König ↗Midas', was denn des Menschen höchstes Glück sei. Silenos antwortete: "Das höchste Glück des Menschen sei es, nicht geboren zu werden bzw. gleich nach der Geburt zu sterben."

Silenos ist der Namensgeber für die in der griechischen Vasenmalerei häufig mit Pferdefüßen und Pferdeschwanz dargestellten Mischwesen, die ↗Silene.

Im ↗Satyrspiel tritt Silenos als Vater der ↗Satyrn auf, was dazu beigetragen hat, dass die Begriffe Silene und Satyrn synonym verwendet wurden. Denkbar ist, dass attisch-ionische Vorstellungen (Mischwesen mit Pferdefüßen und Pferdeschwanz) mit peloponnesischen (Mischwesen mit Hörnern und Bocksfüßen) begrifflich vermengt wurden.

Das Satyrspiel kennt Silenos auch unter der Bezeichnung Papposilenos. Das hat insbesondere für ↗Aischyleische Satyrspielreste Gültigkeit.


Literatur:
Heinrich Bulle. Der Silen in der Archaischen Kunst der Griechen. 1893 München. Verl. Th. Ackermann.
Gerhild Conrad. Der Silen. 1997 Bochum. Bochumer Altertumswissenschaftliches Colloquium, Bd 28. Wissnschaftlicher Verlag Trier (Diss. Uni Bochum 1996).


1) Silenos mit dem Dionysos-Knaben
2) Der trunkene Silen
3) Beispielsweise nach Ovid (Met. 1, 543f.) in einem Fresko von A. Carracci im Palazzo Farnese in Rom: Der Triumph von Bacchus und Ariadne oder als Figurengruppe von Ernst August Leuteritz für die Manufaktur  Meissen.



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MfG B.
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