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Mänaden (Bakchen, Thyiaden)
#1
Schon in frühen literarischen Zeugnissen werden Frauen, die in Verzweiflung, Trauer oder in kultischer Übung in Ekstase (μανία) verfallen, sich also nicht normentsprechend verhielten, μαινάδες (Rasende) genannt (Hom. Il. 6,389.22,460).

In mythologischen Darstellungen früher schwarzfiguriger Vasenmalerei sind abgebildete Frauen häufig Teil der Illustration dionysischer Geburts- und Kindheitsmythen (↗Nysäische Nymphen, die dem Dionysoskind die Mutter ersetzten, die ↗Kadmostöchter1, die von ↗Dionysos in die Berge getrieben wurden, etc.). Attribute, die solche Frauen zweifelsfrei als Mänaden erkennen lassen, fehlen bei frühen Darstellungen überwiegend.

Attribute der Mänaden sind: ↗Thyrsosstab, Weinlaub, ↗Efeu. Allerlei Tiere, wobei sowohl liebevoller als auch der gewalttätiger Umgang (Sparagmos2) mit diesen dargestellt wird. ↗Schlangen nehmen eine Sonderstellung ein. Sie sollen die Wildheit der Frauen und ihre Gefährlichkeit unterstreichen, wenn sie sich im Zustand der Ekstase befinden.

Die Pflege von Bräuchen zu Ehren des Dionysos war bei den Griechen schon früh in Kultvereinen (Thiasoi) organisiert. Spätere rotfigurige Vasenbilder illustrieren möglicherweise schon den Verlauf von Festen, wie sie im Rahmen der Kultpflege stattgefunden haben.  Frauen, die solchen Vereinen angehörten, nannten sich selbst Bakchen oder Thyiaden3. Als Mänaden wurden sie mit abwertendem Beigeschmack von Außenstehenden bezeichnet.

Bei kultischen Prozessionen sollen Mänaden Schlangen in mit Efeulaub gefüllten Körben oder ins Haar geflochten (Euripides. Bak. 103f.) mit sich getragen haben. Die Feiern auf dem Parnass4 sollen mit Sparagmos  als Opferhandlung (Kerenyi 155) und Omophagie5 verbunden gewesen sein.


Literatur:
Susanne Moraw. Die Mänade in der attischen Vasenmalerei der 6. u. 5. Jahrhunderts vC. 1998 Mainz. Verl. Philipp von Zabern.
Karl Kerenyi. Dionysos. 2. Aufl. 1998 Stuttgart. Verl. Klett-Cotta.
Vjaceslav I. Ivanov. Dionysos und die vordionysischen Kulte. 2012 Tübingen. Verl. Mohr Siebeck.


1) Die Kadmostöchter werden in der einschlägigen Literatur  auch als "Die drei Ur-Mänaden" bezeichnet (Ivanov 57).
2) Sparagmos = Zerreißen von lebendigen (männlichen) Jungtieren (im Mythos auch von Menschen, sh. ↗Lykurgos).
3) Thyiaden = Vereinigung von Frauen aus ↗Delphi und ↗Athen, die alle zwei Jahre auf den Parnass stiegen, um Dionysos in einem ausgelassenen, mit ekstatischen Tänzen und Gesängen verbundenen Fest zu ehren.
4) Parnass = Gebirgsstock bei Delphi
5) Omophagie = Verspeisen von rohem Fleisch



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MfG B.
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