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Lenäen
#1
Die Lenäen (Griech. Ληναιών) fanden in ↗Athen im Monat Gamelion (Jänner/Februar) statt. Begonnen hat das Fest wahrscheinlich am 8. Gamelion1. Das Fest war mit ↗Agonen (im Wettbewerb ausgetragene Aufführungen von ↗Komödien, nach 440 vC wurden auch ↗Tragödien aufgeführt) verbundenen und hat drei Tage gedauert (Latacz 36).

↗Pompe und Agon hatte der ↗Archon basileus  auszurichten. Anders als bei anderen Dionysosfesten durften an den Lenäen nur Bürger der ↗Polis teilnehmen

Die ursprüngliche Bezeichnung des Festes in Athen war "Die Dionysia im Lenaion" gewesen. Wo genau dieses Lenaion gelegen hat, ist bis heute nicht geklärt. Es wird südöstlich der ↗Akropolis gelegen vermutet. Dazu gibt es aber auch andere Fachmeinungen. Die Quellen, die befragt werden können, sind dürftig. Archäologisch konnte es bis heute nicht nachgewiesen werden.

Der ↗Dionysos der Lenäen ist ein Gott der Frauen (Λήναι, Lenai = ↗Bacchantinnen, Mänaden) und der Ekstase. Für seine Festgemeinschaft lässt er ↗Wein, Honig und Milch aus der Erde fließen.

Bilder, die vorgeben das Treiben im Umfeld des Festes zu illustrieren, sind auf rund 30 Rotfiguren-Tongefäßen, die auf verschiedene Museen verstreut sind, festgehalten.  Sie zeichnen ein wildes Fest ekstatisch tanzender, ↗Thyrsosstäbe und Fackeln schwingender, rohes Fleisch essender und Wein trinkender, sich als Satyrn verkleidenden Männern hingebender Frauen. Auf diese Weise erinnert das Fest zum Teil auch an die ↗Thyiaden in ↗Delphi, die alle zwei Jahre stattfanden.

Ob diese Bilder reale Ereignisse darstellen oder doch nur das mythologische Umfeld des Festes erläutern wollen, lässt sich mit Bestimmtheit nicht sagen.

Da viele ↗ionische Stadtgemeinschaften den Monat, der bei den Athenern Gamelion hieß, Lenaion nannten, ist anzunehmen, dass die Lenäen dort eine noch höhere Bedeutung hatten, als das für Athen der Fall gewesen war.


Literatur:
Linda-Marie Günther. Griechische Geschichte, 2008 Tübingen, Verl. A. Franke.
Joachim Latacz. Einführung in die Griechische Tragödie. 2. Aufl. 2003 Göttingen, Verl. Vandehoeck&Ruprecht.
Ludwig Deubner. Attische Feste. 1932 Berlin. Nachdruck 1966 Wien. Verl. Anton Schroll & Co.
Martin P. Nilsson. Griechische Feste von religiöser Bedeutung. 1906 Leipzig. Verl. Teubner.


1) Für andere griechische Gemeinschaften sind die Festtage der Lenäen vom Athener ↗Kalender abweichend bezeugt. Im Festkalender der Insel Mykonos ist der Beginn der Lenäen beispielsweise mit dem 10. Lenaion (nach dem Kalender von Athen wäre das der 10. Gamelion), dem Festtag der ↗Demeter und ↗Persephone (Kore), bezeugt. Darauf folgte das Gedenkfest für ↗Semele am 11. und Fest des Dionysos Lenaeus am 12. Lenaion (Nilsson  277).



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MfG B.
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