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Gott eine Bestie?
#1
Wieso soll Gott ein liebendes Wesen sein? Angesichts des Leids in der Welt kann man da in Zweifel geraten. Auch wenn man das Leid als menschliches Problem bezeichnet, wieso lässt ein "liebender Gott" dann Naturkatastrophen u.ä. zu. Ist er, wenn man ihn schon annehmen sollte, dann nicht eher eine böswillige Bestie, die sich einen Spaß damit macht, Menschen zu quälen?
I didn't ask to be born... (R.S. Thomas)
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#2
(08-12-2015, 16:57)madiwodo schrieb: Wieso soll Gott ein liebendes Wesen sein? Angesichts des Leids in der Welt kann man da in Zweifel geraten. Auch wenn man das Leid als menschliches Problem bezeichnet, wieso lässt ein "liebender Gott" dann Naturkatastrophen u.ä. zu. Ist er, wenn man ihn schon annehmen sollte, dann nicht eher eine böswillige Bestie, die sich einen Spaß damit macht, Menschen zu quälen?

Beides geht nicht wenn Du vom biblischen Gott sprichst, findest Du auch genau dort die Antworten. Sprichst Du nicht vom biblischen Gott bringt der RL-Bezug nichts.
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#3
(08-12-2015, 16:57)madiwodo schrieb: Wieso soll Gott ein liebendes Wesen sein? Angesichts des Leids in der Welt kann man da in Zweifel geraten. Auch wenn man das Leid als menschliches Problem bezeichnet, wieso lässt ein "liebender Gott" dann Naturkatastrophen u.ä. zu. Ist er, wenn man ihn schon annehmen sollte, dann nicht eher eine böswillige Bestie, die sich einen Spaß damit macht, Menschen zu quälen?
Dies wurde unter dem Begriff der Theozidee schon quer durchs Forum diskutiert. Entweder man akzeptiert, dass die biblischen Mythen eben nicht die Welt abbilden, oder dass Gott nicht für das Wohlergehen einzelner Menschen zuständig ist.
Im ersteren Fall gibt es Neben- und Umwege des Denkens, dass z. B. Gottes Wege unerforschlich sind, oder bis dahin, dass der so beschriebene Gott nicht existiert.
Im letzteren Fall mag Gott für das Leben und Sterben global zuständig sein, aber eben nicht im Einzelfall.

Dass Gott eine "böswillige Bestie" sei, ist bestenfalls der menschlichen Schwäche geschuldet, zu glauben, alles drehe sich um das eigene Wohlbefinden (egal, wie man die Theozidee dreht und wendet).
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#4
Das erinnert mich an den Spruch eines Wissenschaftlers aus dem letzten Jurassic Park Film ^^
"Monster ist ein relativer Begriff.
Für einen Vogel ist eine Katze ein Monster.
Wir sind es nur gewohnt die Katze zu sein."
- Dr. Henry Wu

So in etwa verhält es sich mit "Gott" auch.
Darüber hinaus gibt es in diesem Universum ein Gleichgewicht, das gehalten wird oder das angestrebt wird zu erhalten und dieses Gleichgewicht bevorzugt nichts und niemanden und schert sich nicht darum, ob du den Sinn von Dingen verstehst, die passieren.
Gruß
Motte

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#5
Stellen wir uns eine Welt vor, in der es kein Unglück gibt. Keine Widrigkeiten, keine Schmerzen, keine Trauer, nichts was irgendwie als negativ empfunden würde. 

Wäre es dann möglich, Freude zu empfinden? Woher weiß ich, was Glück ist, wenn ich das Unglück nicht kenne?

Woher weiß ich was hell ist, wenn ich nicht weiß, was dunkel ist?

Glück gibt wohl erst im Zusammenhang mit Unglück Sinn. 

Das beantwortet natürlich nicht die Frage, ob Gott gut oder böse ist. Vielleicht ist Gott einfach.
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#6
Wenn ich das recht sehe, bist du ganz neu hier. Herzlich willkommen im Forum!

Zur Sache: An der Relativität zwischen dem "Guten", das man wünscht und den "Widrigkeiten", die man zu vermeiden trachtet, gibt es nichts zu rütteln. Dies gehört zum Leben, wahrscheinlich im ganzen Universum.

Wichtiger ist vielleicht zu erkennen, dass es weniger darauf ankommt, das Unglück im Einzelnen zu meiden, sondern darauf, andere nicht "im Regen stehen" zu lassen. Also besteht die Aufgabe des Menschen darin, die Verhältnisse im Großen und Ganzen erträglich zu gestalten.

Gott ist der Appell an die Verantwortung eines jeden Menschen, ob Gott nun real existiert (?) oder nur Glaubensgestalt hat.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#7
(16-01-2016, 22:23)Ekkard schrieb: Wenn ich das recht sehe, bist du ganz neu hier. Herzlich willkommen im Forum!

Vielen Dank.
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#8
Auch von mir ein herzliches Willkommen.

Wie du schon schreibst, benötigt man immer gegensätze um etwas zu bestimmen.
Es gibt aber auch die Möglichkeit der Erziehung.
So wird uns beigebracht das Gott das Gute vertritt und der Satan das Schlechte.
Das ist Erziehung die uns eingetrichtert wurde und man gar nicht mehr darüber Nachdachte, denn das war ja gegen Gott.
Es sind Menschen die durch Ihre Machtgier so etwas bestimmen.
Das einzigste was die nicht können ist der eingriff in die Natur , aber den Menschen einreden "wenn Gott will kann er" ist eine große Lüge, es geht nur um Macht.
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#9
(17-01-2016, 17:20)Wilhelm schrieb: Es gibt aber auch die Möglichkeit der Erziehung.
So wird uns beigebracht, dass Gott das Gute vertritt und der Satan das Schlechte.
Für einen schnellen, ethischen Überblick ist diese Polarität nützlich. Sie ersetzt aber nicht das Nachdenken, Diskutieren und Abstimmen darüber, wie unsere Gesellschaft beschaffen sein soll.

(17-01-2016, 17:20)Wilhelm schrieb: Das ist Erziehung, die uns eingetrichtert wurde ... Es sind Menschen, die durch Ihre Machtgier so etwas bestimmen.
Natürlich besteht eine menschliche Gesellschaft auch aus Machtzentren. Anders zerfällt sie. Macht ist also nicht unbedingt als schlecht anzusehen.

(17-01-2016, 17:20)Wilhelm schrieb: Das einzigste was die nicht können ist der eingriff in die Natur , aber den Menschen einreden "wenn Gott will kann er" ist eine große Lüge, es geht nur um Macht.
Sorry, diese Aussagen sind wohl ein Bisschen missglückt/missverständlich.

Vielleicht so: Wir Menschen sind sehr wohl in der Lage, in die Natur einzugreifen. Die Frage ist nur: Mit welchen Konsequenzen für uns als Menschheit.

"Wenn Gott will, dann kann er" (in die Natur eingreifen(?))
Warum sollte Gott das tun? Eine solche Unterstellung ist tatsächlich (erzieherischer) Unfug. Da stimme ich dir zu. Aber das ist auch sehr volkstümlicher Unfug: Wenn nämlich Gott eine funktionierende Welt geschaffen hat, dann ist jede willkürliche Abweichung das Eingeständnis von Fehlern oder wird zu schrecklichen Funktionsstörungen führen. Unsere komplexe Welt reagiert in manchen Fällen sehr empfindlich auf Störungen. Und, wenn ich Gott glaube, dann, dass ER Störungen vermeidet.

Inwiefern eine solche volkstümliche Gottesinterpretation "nur um (der) Macht" willen behauptet wird, entzieht sich meinem Verständnis (so als sei Macht a priori schlecht, s. o.).
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#10
(18-01-2016, 19:51)Ekkard schrieb:
(17-01-2016, 17:20)Wilhelm schrieb: Es gibt aber auch die Möglichkeit der Erziehung.
So wird uns beigebracht, dass Gott das Gute vertritt und der Satan das Schlechte.
Für einen schnellen, ethischen Überblick ist diese Polarität nützlich. Sie ersetzt aber nicht das Nachdenken, Diskutieren und Abstimmen darüber, wie unsere Gesellschaft beschaffen sein soll.
Wann aber beginnt die Zeit des Nachdenkens, der Diskusion?
Wann ist eine Person in der Lage wirklich ein eigenes Urteil zu finden? Religionsmündigkeit mit 14 J.
Sind nicht schon bis zu diesen Zeitpunkt die Religionsviren schon so aktiv das es schwer ist Selbstheilungskräfte zu aktivieren?
(18-01-2016, 19:51)Ekkard schrieb:
(17-01-2016, 17:20)Wilhelm schrieb: Das ist Erziehung, die uns eingetrichtert wurde ... Es sind Menschen, die durch Ihre Machtgier so etwas bestimmen.
Natürlich besteht eine menschliche Gesellschaft auch aus Machtzentren. Anders zerfällt sie. Macht ist also nicht unbedingt als schlecht anzusehen.
Da aber Machtzentren Ihre Macht missbrauchen mit Drohungen  sollte man sie bekämpfen.
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#11
Ich teile bereits deine Voraussetzung nicht, dass alle Religion "Virencharakter" habe und uns gängelt. Das mag es geben. Andererseits setzen Lehren - und zwar: alle - gesellschaftliche Normen. Worauf die Gesellschaft insgesamt achten muss, ist der ideologisch begründete Machtmissbrauch. Wie die Geschichte zeigt, ist das immer möglich. Beispiel: Was bewegt völlig unbeteiligte Menschen, "Juden" oder "Ausländer" zu diskreditieren?
(Ist nur ein Beispiel für ideologische Beeinflussung durch andere, nur weil ein vielleicht als ideal empfundener Zustand nicht aufrecht erhalten werden kann.)

Gut und böse als schneller, ethischer Überblick:
(19-01-2016, 11:11)Wilhelm schrieb: Wann aber beginnt die Zeit des Nachdenkens, der Diskusion?
Gute Frage! Das selbstständige Denken und Handeln, der zivile Ungehorsam gegenüber den Ideologien unserer Zeit muss und ist teilweise bereits Erziehungsziel.

(19-01-2016, 11:11)Wilhelm schrieb: Da aber Machtzentren Ihre Macht missbrauchen mit Drohungen  sollte man sie bekämpfen.
Dieser Kampf ist aber eine ganz normale Kontrolleinrichtung innerhalb demokratischer und rechtsstaatlicher Entscheidungsabläufe. Es hat nur keinen Zweck, Teile der Gesellschaft mit Eifer zu diskreditieren. Sondern man muss jene Kräfte stärken, die innerhalb der Gemeinschaften Kritik üben.

Um speziell auf Religionsgemeinschaften und ihren Gott zurück zu kommen: Wie dieser Gott angeblich ist, ob "Bestie" oder "das Gute" kann von außen nicht beeinflusst werden und ist im übrigen irrelevant. Es handelt sich um Übertragungen aus dem Bereich menschlicher Vorstellungen auf eine mythische Figur. Viel wichtiger ist, ob und wie Korrektur- und Kontrollmechanismen innerhalb der Gemeinde funktionieren - oder ob eine ideologische (geistige) Engführung stattfindet. (Diese hat mit Religion soviel zu tun, wie "real existierender Sozialismus" mit den Marx'schen Idealen.)
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#12
(08-12-2015, 16:57)madiwodo schrieb: Wieso soll Gott ein liebendes Wesen sein? Angesichts des Leids in der Welt kann man da in Zweifel geraten. Auch wenn man das Leid als menschliches Problem bezeichnet, wieso lässt ein "liebender Gott" dann Naturkatastrophen u.ä. zu. Ist er, wenn man ihn schon annehmen sollte, dann nicht eher eine böswillige Bestie, die sich einen Spaß damit macht, Menschen zu quälen?

Wie kommt es, dass Du Dich hier zu einer so wichtigen Frage nicht mehr meldest? Keine befriedigende Antwort dabei?

Die Frage kann noch vertieft gestellt werden: Wieso überhaupt Menschenleben - wenn er diese Wesen (Menschen) doch gleich als Engel in himmlischer Herrlichkeit hätte erschaffen können?

Die oben erwähnte Erziehung scheint hier noch das naheliegendste Argument zu sein - allerdings setzt das, mindestens in einigen Fällen, die Präexistenz der Seele voraus. Und die wird aber vom Papst seit etwa 1500 Jahren negiert.

An der Liebe Gottes ist meines Erachtens nicht zu zweifeln.

lg
Linus
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#13
(08-12-2015, 16:57)madiwodo schrieb: Wieso soll Gott ein liebendes Wesen sein?...
(19-01-2016, 19:30)Linus schrieb: Die Frage kann noch vertieft gestellt werden: Wieso überhaupt Menschenleben - wenn er diese Wesen (Menschen) doch gleich als Engel in himmlischer Herrlichkeit hätte erschaffen können?
Das hängt doch davon ab, auf welche Weise Gott die Dinge und die Wesen erschafft. Offensichtlich ist es nicht sinnvoll möglich, ein Ding, geschweige denn ein Wesen im "universalen Labor" in einem Schritt zu erschaffen. Auch der Mensch erzeugt die Produkte z. B. ein Auto nicht in einem Schritt. Gott mag zwar allmächtig sein, aber nicht in einem großen Schritt vom Protoplasma zum fertigen Menschen oder vom Sandkorn zum Gebirge. Nehmen wir einfach mal an, Gott schafft über Jahrmilliarden hinweg Dinge und Wesen in mühevoller Kleinarbeit ...

(19-01-2016, 19:30)Linus schrieb: Die oben erwähnte Erziehung scheint hier noch das naheliegendste Argument zu sein - allerdings setzt das, mindestens in einigen Fällen, die Präexistenz der Seele voraus.
Warum? Ich habe eher die Vorstellung, dass unser Bewusstsein nur ein winziger, wenn auch sehr schnell arbeitender, Teil einer allgemeineren Eigenschaft des Universums ist. Wenn du so willst: Eine alles umspannende Seele.

(19-01-2016, 19:30)Linus schrieb: Und die (Seele) wird ... vom Papst seit etwa 1500 Jahren negiert.
Echt jetzt? Das war mir neu. Kann man das irgendwo nachlesen?

(19-01-2016, 19:30)Linus schrieb: An der Liebe Gottes ist meines Erachtens nicht zu zweifeln.
Nur, was ist die "Liebe Gottes"? Alles dazu Nötige ist in der Welt angelegt. Aber ist sie deshalb auch überall und zu jeder Zeit manifest? Und wollen Menschen immer bloß Liebe, oder auch gelegentlich mal "aus der Haut fahren"?
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#14
(19-01-2016, 19:30)Linus schrieb: Die oben erwähnte Erziehung scheint hier noch das naheliegendste Argument zu sein - allerdings setzt das, mindestens in einigen Fällen, die Präexistenz der Seele voraus. Und die wird aber vom Papst seit etwa 1500 Jahren negiert.

An der Liebe Gottes ist meines Erachtens nicht zu zweifeln.

lg
Linus

Warum setzt das in einigen Fällen die Präexistenz der Seele voraus? Kannst du mir auf die Sprünge helfen?

Ich kann den Zusammenhang mit der Frage gerade nicht erkennen.
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#15
(19-01-2016, 19:30)Linus schrieb: An der Liebe Gottes ist meines Erachtens nicht zu zweifeln.

klar

wenn man an einen liebenden gott glaubt

und religiöser glaube ist bekanntlich nicht dasselbe wie der versuch, die realität faktisch zu beschreiben

anders gesagt; wer nicht von vornherein an einen liebenden gott glaubt, wird diesen nicht aus der realität ableiten können
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
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