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Ist der Agnostizismus schlechteste aller Optionen?
#16
(23-01-2014, 18:28)Keksdose schrieb: Mit wissenschaftlicher Sicherheit können wir überhaupt nichts wissen, deshalb ist der Agnostizismus die ehrlichste, demütigste und klügste Haltung von allen, denn sie verzichtet auf die arrogante Überhöhung des Glaubens zu Wissen, sie erkennt die Relativität der eigenen Überzeugungen an und sie ist die einzige religiöse Weltanschauung, die ehrlich zu sich selbst ist und nicht irgendwo der Einfachheit halber aufhört, das zu sein, sondern dem konsequent treu bleibt.
Dazu hätte ich ein paar Anmerkungen:

1. Die Gleichsetzung "Verzicht auf die Behauptung von (absolutem) Wissen = Demut" kann ich nicht nachvollziehen. Sowas hält einen ja nicht davon ab, sich z.B. permanent über andere Menschen zu erheben und sich für etwas Besseres zu halten als Leute, die an einen Gott glauben. Ich hoffe, ich trete Dir nicht zu nahe, aber: Demut ist etwas, mit dem prahlen zu wollen man auch nicht den leisesten Anschein erwecken sollte.

Umgekehrt ist es doch denkbar, daß gerade der Glaube an einen Gott einem die eigene Begrenztheit besonders deutlich und vor Augen führt und den Umgang mit den Mitmenschen prägt. Ja, ich weiß, hier zeichne ich wieder ein Idealbild, das auch ich in der Wirklichkeit oft vergeblich suche. Aber tust Du das in der oben zitierten These nicht auch?

2. Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen: Der Glaube ist vor allem eine Beziehung, keine Überzeugung. Deshalb geht auch die Kritik an fehlender Anerkennung der Relativität der eigenen Überzeugungen im Prinzip am Kern des Problems vorbei.

Übrigens: Im Islam gilt Schirk (also daß man dem einen und einzigen Gott andere Götter an die Seite stellt) als schlimmste Sünde. Und da kommt nun der iranische Theologe Mohammad Modschtahed Schabestari daher und zeigt, daß der radikale Fundamantalismus eben diese Sünde in Reinkultur vertritt. Gott selbst ist nämlich der einzig Absolute, und nur er allein begreift sein Wort in dessen ganzer Fülle. Wenn nun also ein Mensch behauptet, die einzig korrekte Auslegung eines Korantextes zu kennen und zu vertreten, stellt er sich damit auf eine Stufe mit Gott. Also muß es notwendigerweise unterschiedliche, auch einander widersprechende Auslegungen desselben Textes geben, und niemand hat das Recht, die einzig gültige Wahrheit für sich zu beanspruchen.

Das halte ich für eine durchaus demütige Überzeugung - nur eben in diesem Fall keine agnostische, sondern eine religiöse, weil auch Religion nicht weniger zur Demut fähig ist als Verzicht auf Religion.

3. Irgendwas war noch, aber das hab ich vergessen. Aber wenn's wirklich wichtig war, fällt's mir bestimmt wieder ein.

Zitat:Ich glaube, wenn Menschen ihre Definition von Gott und Wissen eng fassen, müssen sie Agnostiker sein. Denn über Gott kann niemand etwas wissen. Die Frage nach der Existenz Gottes ist unbeantwortbar, und das erkennt der Agnostizismus an.
Ach, haben Agnostiker eine
Zitat:Definition von Gott
? Ob das so demütig ist?... Vielleicht verhilft auch erst der Verzicht auf eine Definition zur wahren Demut?Eusa_think
Aber wie auch immer - in der christlichen Theologie gibt es eine lange Tradition der sog. apophatischen oder negativen Theologie. Wichtigste Vertreter waren Leute wie Ps.-Dionysius Areopagita und Nikolaus von Kues. Vielleicht liest Du Dich ruhig mal ein bißchen ein. Ist sogar spannend.
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#17
Die Definitionen gehen ja lustig durcheinander.

Prinzipiell sind Agnostizismus und Theismus miteinander vereinbar, denn man kann an einen Gott glauben,
auch ohne seine Existenz für gesichert zu halten (Epistemische Logik)
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#18
(24-01-2014, 09:14)Harpya schrieb: Prinzipiell sind Agnostizismus und Theismus miteinander vereinbar, denn man kann an einen Gott glauben,
auch ohne seine Existenz für gesichert zu halten (Epistemische Logik)
An einen Gott zu glauben impliziert die Existenz Gottes. Alles andere ist Unfug.
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#19
Korrekterweise: An einen Gott zu glauben impliziert die Vermutung der Existenz Gottes,..
Andernfalls wäre es Wissen
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#20
(24-01-2014, 09:17)Maranatha schrieb:
(24-01-2014, 09:14)Harpya schrieb: Prinzipiell sind Agnostizismus und Theismus miteinander vereinbar, denn man kann an einen Gott glauben,
auch ohne seine Existenz für gesichert zu halten (Epistemische Logik)
An einen Gott zu glauben impliziert die Existenz Gottes. Alles andere ist Unfug.
Falsch , glauben kann man an vieles.
Ich kann auch glauben das ich zeugungsfähig bin,
weil das der Regelfall ist, genau weiss ich das erst,
wenn die ersten Alimente (nach DNA Probe)eingefordert werden.

Eine Implikation ist nunmal kein Beweis.
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#21
(24-01-2014, 08:31)Maranatha schrieb: Ich meine, wir Menschen können kein absolutes Wissen erlangen.

Wenn ich von deiner religiösen Haltung nichts als diesen Satz kennen würde, müsste ich dich wohl einen Agnostiker nennen.
Und das meine ich durchweg postiv, denn ich stimme dir in diesem Punkt wirklich zu. Im Gegensatz zu dir halte ich es aber für erstrebenswert, dass diese Erkenntnis auch im Glauben ihren Niederschlag findet, indem man anerkennt: Eigentlich kann ich darüber keine (sichere) Aussage treffen. Und dann kann ergänzt werden: Ich kann aber glauben. Agnostizismus ist ja (und das ist beim Atheismus ähnlich) eine mögliche Grundlage für mehrere Konsequenzen. Man kann die Frage für unklärbar und damit irrelevant erklären, man könnte daraus aber auch Gottvertrauen schöpfen - in Anerkennung einer Irrtumswahrscheinlichkeit.

(24-01-2014, 08:31)Maranatha schrieb: Wenn er neutral argumentieren würde, dann würde er sagen müssen: "Ich glaube, ich weiss es nicht, ob Gott existiert!" Das wäre korrekte Aussage, weil "nicht Wissen" in der Argumentation "Wissen" impliziert.

Es ist eine Sache zu behaupten, "ich weiss nicht ob die absolute Wahrheit existiert", und eine andere: "Ich weiss, dass die absolute Wahrheit nicht existiert". Die zweite Aussage unterstellt das absolute Wissen.

Das ist ein guter Punkt. Und die von dir vorgeschlagene Formulierung ist offensichtlich noch mal ein Stückchen präziser als ein einfaches "ich weiß es nicht". Aber ich glaube, ein Hardcore-Agnostiker impliziert das ohnehin, auch wenn er auf die komplizierte Semantik in diesem Fall verzichtet Icon_cheesygrin

(24-01-2014, 08:31)Maranatha schrieb: Gott kann man weder definieren noch in seinem Wesen begreifen.
Aber wir können Gott erkennen: in seiner allgemeinen Offenbarung, und das ist das Universum und das Gewissen des Menschen.

Aber die Frage ist doch: Wie sicher kann man sein, dass Gott existiert? Kann man irgendetwas von Gott "wissen"? Ich glaube nicht. Von daher halte ich es für ehrlich, genau das auch zu formulieren. In der Glaubenspraxis kostet das vermutlich einige Mühe, ständig anzuerkennen, dass meine Religion auf Vertrauen (man könnte streng sein und sagen: "Spekulation") und nicht auf Tatsachenwissen beruht. Aber im Grunde halte ich den Agnostizismus da für ein erstrebenswertes Ideal, egal, ob er nachher religiös oder atheistisch daherkommt.
Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen. (Friedrich Nietzsche)
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#22
(24-01-2014, 08:31)Maranatha schrieb: Wenn er neutral argumentieren würde, dann würde er sagen müssen: "Ich glaube, ich weiss es nicht, ob Gott existiert!" Das wäre korrekte Aussage, weil "nicht Wissen" in der Argumentation "Wissen" impliziert.

Es ist eine Sache zu behaupten, "ich weiss nicht ob die absolute Wahrheit existiert", und eine andere: "Ich weiss, dass die absolute Wahrheit nicht existiert". Die zweite Aussage unterstellt das absolute Wissen.

Das setzt voraus, das man überhaupt einen Sinn darin sehen sollte,
diese Gedankengänge überhaupt in Betracht zu ziehen.
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#23
(24-01-2014, 09:06)Scheingreis schrieb: Die Gleichsetzung "Verzicht auf die Behauptung von (absolutem) Wissen = Demut" kann ich nicht nachvollziehen. Sowas hält einen ja nicht davon ab, sich z.B. permanent über andere Menschen zu erheben und sich für etwas Besseres zu halten als Leute, die an einen Gott glauben.

Das war ein Schnellschuss meinerseits Icon_wink und eher als Entgegnung auf Maranathas "Agnostizisten sind doof" (sinngemäß) gedacht. Du hast natürlich Recht. Agnostizismus schützt vor Hochmut nicht.

(24-01-2014, 09:06)Scheingreis schrieb: Ich hoffe, ich trete Dir nicht zu nahe, aber: Demut ist etwas, mit dem prahlen zu wollen man auch nicht den leisesten Anschein erwecken sollte.

Hervorragend! Icon_cheesygrin Ein sehr guter Punkt. Hundertprozentige Zustimmung. Und auch nicht zu nahe Icon_wink Und damit ich dir gegenüber nicht den Anschein erwecke, den Hochmut zu besitzen, mich mit meiner Demut zu rühmen, noch ein Satz dazu: Wenn ich mich selbst in eine Schublade stecken sollte, würde ich mich wohl eine Atheistin nennen. Den Agnostizismus halte ich für ein erstrebenswertes Ideal, von dem ich zuweilen ganz schön weit entfernt bin, viel weiter als ich gerne wäre. Mein Demuts-Schnellschuss für Maranatha war die Verteidigung meiner Idealvorstellung, nicht von mir selbst.

(24-01-2014, 09:06)Scheingreis schrieb: Umgekehrt ist es doch denkbar, daß gerade der Glaube an einen Gott einem die eigene Begrenztheit besonders deutlich und vor Augen führt und den Umgang mit den Mitmenschen prägt.

Stimmt. Aber wenn ich die zwei konstruierten Haltungen eines Gläubigen und eines Agnostizisten plakativ nebeneinanderstelle ("Ich weiß, dass es Gott gibt" vs. "Ich weiß nicht, ob es Gott gibt") impliziert meiner Meinung nach die Haltung des Gläubigen eher als die des Agnostizisten, die Wahrheit gepachtet zu haben.

Natürlich ist das Konzept "Demut" in der Religion immer wichtig und wird glücklicherweise auch befürwortet und gefördert. Aber auch hier könnte ich den Spieß mutwillig umdrehen: Ich sehe keine Möglichkeit, Demut aus Gottesglauben zu schöpfen, außer durch das Gehorchen eines Demutsgebots. Vielleicht liegt das an meiner Sicht darauf, wie Demut idealerweise sein müsste. Ich kann das nur aus der Tatsache schöpfen, dass ich als Individuum für das Universum unbedeutend bin, sogar für diesen Planeten, sogar für dieses Land und recht wahrscheinlich auch für diese Stadt. Ich kann mir nicht vorstellen, wie der Glaube daran, dass einfach alles extra für uns geschaffen wurde und für uns gedacht ist, zu einer inneren Demutshaltung führen soll. (Wobei mich meine eigene Erfahrung hier Lügen straft; ich kenne sehr demütige Gläubige.) Frommer Glaube kann zweifelsohne zu demütigen Handlungen führen, aber frommer Glaube setzt sich immer irgendwo ins Zentrum. Nicht mich selbst mit meinen Bedürfnissen und Wünschen, nicht narzisstisch und unterdrückend, aber mich als Teil der Menschheit im Zentrum der Bedeutsamkeit.

(24-01-2014, 09:06)Scheingreis schrieb: Ja, ich weiß, hier zeichne ich wieder ein Idealbild, das auch ich in der Wirklichkeit oft vergeblich suche. Aber tust Du das in der oben zitierten These nicht auch?

Tue ich. Fast immer. Schreckliche Eigenschaft.

(24-01-2014, 09:06)Scheingreis schrieb: Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen: Der Glaube ist vor allem eine Beziehung, keine Überzeugung. Deshalb geht auch die Kritik an fehlender Anerkennung der Relativität der eigenen Überzeugungen im Prinzip am Kern des Problems vorbei.

Kann ich anerkennen, obwohl ich Glaube schon für eine Überzeugung halte. Solltest du dich kritisiert gefühlt haben, bitte ich um Entschuldigung. Wie schon erwähnt: Ich war wohl etwas vorschnell mit meiner Erwiderung auf Maranathas Eingangsbeitrag. Vielleicht krieg ich das nächstes mal mit ein bisschen mehr Demut hin. Icon_lol
Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen. (Friedrich Nietzsche)
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#24
(24-01-2014, 09:19)d.n. schrieb: Korrekterweise: An einen Gott zu glauben impliziert die Vermutung der Existenz Gottes,..
Andernfalls wäre es Wissen
NEIN!
Wenn ich schon etwas glaube, dann impliziert dieser Glaube kein absolutes Wissen über den Sachverhalt, sondern nur den Glauben an diesen Sachverhalt. Das ist nun mal klar. Dieser Glaube impliziert dann Gottes-Existenz, da es sonst "leerer" Glaube wäre, wenn es nicht so wäre. Der Glaube kann kein absolutes Wissen implizieren, aber einen glaubhaften Sechverhalt.
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#25
(24-01-2014, 10:06)Maranatha schrieb: Wenn ich schon etwas glaube, dann impliziert dieser Glaube kein absolutes Wissen über den Sachverhalt, sondern nur den Glauben an diesen Sachverhalt. Das ist nun mal klar. Dieser Glaube impliziert dann Gottes-Existenz

Versteh ich nicht. Wenn ich an Vampire glaube, impliziert dieser Glaube den Glauben an Vampire und damit die Existenz von Vampiren selbst... oder wie?
Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen. (Friedrich Nietzsche)
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#26
(24-01-2014, 09:39)Keksdose schrieb: In der Glaubenspraxis kostet das vermutlich einige Mühe, ständig anzuerkennen, dass meine Religion auf Vertrauen (man könnte streng sein und sagen: "Spekulation") und nicht auf Tatsachenwissen beruht.
Vertrauen finde ich persönlich meistens gar nicht weiter anstrengend. Manchmal allerdings dann eben doch. Wie eben jede gute Beziehung ihre Höhen und Tiefen hat. Umgekehrt hilft Tatsachenwissen auch nicht immer unbedingt weiter. Wenn ich z.B. an einer tödlichen Krankheit leide und weiß, was auf mich zukommt, kann mir das helfen, den Rest meines Lebens möglichst sinnvoll zu gestalten. Aber es ist eben nicht das Tatsachenwissen, das diese Zeit wertvoll macht, sondern die Art und Weise, wie ich damit umgehe. Und wer einen Marathon läuft und bei km 35 am liebsten sterben möchte, hat zwar das Tatsachenwissen, daß es nur noch 7 km sind, aber das hilft in diesem Augenblick auch nicht unbedingt aus der Verzweiflung heraus.


(24-01-2014, 10:00)Keksdose schrieb: wenn ich die zwei konstruierten Haltungen eines Gläubigen und eines Agnostizisten plakativ nebeneinanderstelle ("Ich weiß, dass es Gott gibt" vs. "Ich weiß nicht, ob es Gott gibt") impliziert meiner Meinung nach die Haltung des Gläubigen eher als die des Agnostizisten, die Wahrheit gepachtet zu haben.
Kommt drauf an. Bisher sagen beide in Deinem Beispiel ja einfach nur "ich". Natürlich gibt es Leute, die "ich!" sagen und "Hände hoch, das ist ein Überfall!" meinen. Aber unterstellen wir einfach mal, beide äußern sich rein subjektiv und ohne Bekehrungsabsichten. Dann sagt weder der Gläubige "ich weiß, weil man einsehen muß, daß es so ist", noch sagt der Agnostiker "ich weiß nicht, weil man nicht wissen kann", d.h. keiner von beiden unterstellt, der andere gehe mit seiner Position zu weit oder nicht weit genug.

In etwas älteren Bibelübersetzungen gibt es häufig noch Wendungen wie "ich bin gewiß". So redet heute kein Mensch mehr, und deshalb steht an diesen Stellen heute i.d.R. "ich weiß". Mir gefällt die erstere Formulierung besser, gerade weil sie bewußt keine Objektivität beansprucht.

Noch ein Beispiel: Hiob 19,25 beginnt mit den Worten "ich weiß, daß mein Erlöser lebt". Im Hebräischen steht da "wa-anî jâda'ti go'eli haj". "Jâda'ti" finde ich mit "ich weiß" etwas unglücklich übersetzt. Erstmal steht es im Original der Form nach im Perfekt. Das klingt für mich schon mal viel dynamischer als das Präsens. Nicht der Zustand wird beschrieben, sondern eine Handlung als Ausgangspunkt einer weiteren Entwicklung. Außerdem hat das Verb eine sehr große Bandbreite von Bedeutungen: bemerken, erkennen, kennenlernen, kennen, verstehen - und unter ferner liefen dann eben auch wissen. Da finden sich also diverse Wortbedeutungen, die es ermöglichen, die Gotteserkenntnis nicht als objektives Wissen zu verbuchen, das man irgendwo abheftet, sondern als echtes Erlebnis, das einen immer wieder trifft, dem Leben eine Richtung gibt und zugleich so persönlich ist, daß man daraus nicht schließen darf, so und nicht anders habe man mit Gott umzugehen oder über ihn zu denken.

Zitat:Ich sehe keine Möglichkeit, Demut aus Gottesglauben zu schöpfen, außer durch das Gehorchen eines Demutsgebots. Vielleicht liegt das an meiner Sicht darauf, wie Demut idealerweise sein müsste. Ich kann das nur aus der Tatsache schöpfen, dass ich als Individuum für das Universum unbedeutend bin, sogar für diesen Planeten, sogar für dieses Land und recht wahrscheinlich auch für diese Stadt.

Jaja, Demut ist schon was Feines. Sie nimmt einem den Druck, sich etwas auf sich einbilden zu müssen (wofür ja wiederum nur knallharte Leistung in allen Lebensbereichen eine adäquate Berechtigung liefert). Und so macht sie es manchmal sogar möglich, einigermaßen streßfrei Verantwortung für sein Leben und seine Mitwelt zu übernehmen. Mehr kann man gar nicht erwarten. In Wirklichkeit ist es ja, wie Du sagst: Für das Universum und selbst für etliche kleinere Entitäten sind wir ziemlich unbedeutend. Allerdings können wir uns darauf auch nicht rausreden, denn wissen wir ja nicht, wo genau unsere Bedeutsamkeit aufhört. Deshalb hat es immer Sinn, sich für das verantwortlich zu fühlen und zu engagieren, was uns wichtig und erhaltenswert erscheint.

Zitat:Tue ich. Fast immer. Schreckliche Eigenschaft.
Wieso schrecklich? Die meisten Idealbilder sind doch nichts anderes als Möglichkeiten der Wirklichkeit. Wie also soll sich die Wirklichkeit ohne Idealbilder ändern können?

Zitat:Solltest du dich kritisiert gefühlt haben, bitte ich um Entschuldigung.
Nun bin ich ja nicht über jede Kritik erhaben. Solltest Du mir also plausibel erklären können, wieso da jetzt eine Entschuldigung erforderlich sein soll, lasse ich mich vielleicht sogar dazu herbei, sie zu akzeptieren.Icon_cheesygrin
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#27
(24-01-2014, 14:43)Scheingreis schrieb: Noch ein Beispiel: Hiob 19,25 beginnt mit den Worten "ich weiß, daß mein Erlöser lebt". Im Hebräischen steht da "wa-anî jâda'ti go'eli haj". "Jâda'ti" finde ich mit "ich weiß" etwas unglücklich übersetzt. Erstmal steht es im Original der Form nach im Perfekt. Das klingt für mich schon mal viel dynamischer als das Präsens. Nicht der Zustand wird beschrieben, sondern eine Handlung als Ausgangspunkt einer weiteren Entwicklung. Außerdem hat das Verb eine sehr große Bandbreite von Bedeutungen: bemerken, erkennen, kennenlernen, kennen, verstehen - und unter ferner liefen dann eben auch wissen. Da finden sich also diverse Wortbedeutungen, die es ermöglichen, die Gotteserkenntnis nicht als objektives Wissen zu verbuchen, das man irgendwo abheftet, sondern als echtes Erlebnis, das einen immer wieder trifft, dem Leben eine Richtung gibt und zugleich so persönlich ist, daß man daraus nicht schließen darf, so und nicht anders habe man mit Gott umzugehen oder über ihn zu denken.
Mal so ernsthaft, wenn ich mir bei jeder Wortfolge der Bibel so ein
riesiges Gedankengebilde aufbaue,
ist es jemand gelungen, die Bibel ganz durchzulesen,
da sind ja viele Wörter drin und dann noch die ganzen Vergleiche der
sprachlichen Übersetzungen.

ABgleich mit anderen Interpretationen aus verschiedenen Blickwinkeln....
Da schaff ich ja gerade mal einen Satz pro Tag.
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#28
(24-01-2014, 18:57)Harpya schrieb: Mal so ernsthaft, wenn ich mir bei jeder Wortfolge der Bibel so ein
riesiges Gedankengebilde aufbaue,
Warum nicht? Man sieht ja tagtäglich, was dabei herauskommt, wenn man sich gar kein Gedankengebäude aufbaut.

Zitat:Da schaff ich ja gerade mal einen Satz pro Tag.
Hat irgendjemand mehr verlangt?
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#29
(24-01-2014, 19:02)Scheingreis schrieb:
(24-01-2014, 18:57)Harpya schrieb: Mal so ernsthaft, wenn ich mir bei jeder Wortfolge der Bibel so ein
riesiges Gedankengebilde aufbaue,
Warum nicht? Man sieht ja tagtäglich, was dabei herauskommt, wenn man sich gar kein Gedankengebäude aufbaut.

Zitat:Da schaff ich ja gerade mal einen Satz pro Tag.
Hat irgendjemand mehr verlangt?

Ja, Gesundheitswesen, Sozialstaat, Autobahnen, Ehefrauen,
gute Gehälter, Urlaube, Museen, eine Yacht, eine Pferd,
schöne Hobbys.....

Das beantwortet allerdings nicht die Frage ob man die Bibel
qualifiziert in Gänze in einem Leben analysieren ohne sie zu
nur zu überfliegen.
Deshalb braucht man den Klerus, der einem sagt was drinsteht
und wie man das aufzufassen hat, gegen Geld natürlich, ist ja eine
Dienstleistung.

Garnicht sarkastisch, wer keine Kirchensteuer bezahlt,
kann hier z.B. nicht katholisch sein.
Sagt das Gesetz, hatte ich schon mal zitiert.
Atheist mit katholischer Auffassung geht schon, aber nicht Katholik.
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#30
(24-01-2014, 19:08)Harpya schrieb: Das beantwortet allerdings nicht die Frage ob man die Bibel
qualifiziert in Gänze in einem Leben analysieren ohne sie zu
nur zu überfliegen.
Davor braucht man sicher keine Angst zu haben. Normalerweise liest man die Bibel ja nicht in einer Einzelzelle, sondern tauscht sich mit anderen Leuten über das Gelesene aus. Das allein schon sorgt meistens für genug Frischluft im Hirn.

Außerdem ist die Bibel selbst ein Buch, das die Geschichte der Menschen, die seit Jahrtausenden an Gott geglaubt haben, vor allem als ein Labyrinth sehr verschlungener und vor allem sehr krummer Wege abbildet. Daher auch die vielen inneren Widersprüche und z.T. sprunghaften Entwicklungen.

Es hat den Anschein, als ließe Gott sich das alles gefallen und betrachte die ganze Sache ziemlich cool. So viel können wir also gar nicht mehr falsch machen, solange wir uns dessen bewußt bleiben, daß wir bei unserem Bibelverständnis immer auch irren können, zumindest aber die Wahrheit nicht gepachtet haben.

Das heißt aber nicht, daß man sich dort, wo jemand mit der Bibel in der Hand Schaden anrichtet oder sich unnötigerweise über sie ärgert (keine Angst, sie bietet immer noch genug brauchbare Angriffsflächen) nicht auch mal versuchen sollte, etwas zurechtzurücken.
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