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Gewalttätige Buddhisten?
#1
Der Buddhismus gilt gemeinhin als friedliche Religion. Es irritiert daher umso mehr, wenn von buddhistischen Hasspredigern berichtet wird, die Unfrieden in die Gesellschaft bringen.

religion.ORF.at schrieb:Während blutige Unruhen zwischen Muslimen und Buddhisten Burma (Myanmar) erschüttern, schürt die buddhistische Extremistengruppe "969" den Hass. Ihr Anführer ist ein Mönch, der wegen seiner Hetze "Hitler Burmas" genannt wird. Ashin Wirathu (45) hat im Kloster Maseyein in Mandalay Gleichgesinnte um sich versammelt, die durch Burma ziehen und Hass gegen Muslime predigen.

Quelle

Wie sind die Lehren Buddhas mit Gewalt zu vereinbaren?
MfG B.
#2
auch der feudale lamaismus in tibet übte zumindest strukturelle gewalt aus

und in sri lanka haben budhistische mönche auch eine unrühmliche rolle als kriegshetzer gegen die hinduistischen tamilen gespielt

der mythos vom immerzu ach so friedfertigen buddhisten ist genau das: ein mythos

buddhisten sind auch keine per se besseren menschen
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
#3
Friedfertigkeit ist eine Frage der eigenen Rechtfertigung.
Die tibetische Geschichte ist gezeichnet von den üblichen Machterhalts/gewinnungkriegen.

Jane Ardley schreibt in ihrem Buch The Tibetan Independance Movement das pazifistische Bild vom tibetischen Buddhismus als „die idealisierte, romantische Vision von Tibet als ein Land von erleuchteten, glücklichen und exotischen Menschen.“, als nicht gegeben.
Aus dem Buch:
Nach 11/9 folgende Aussagen z.B.

"„Wir können nicht nur der Fußabtreter sein!“ – meint Gehlek Rinpoche, ein in den USA lehrender tibetischer Lama – „Als Buddhisten können wir keiner Fliege etwas zuleide tun, aber wenn die Fliege leidende Wesen verletzt, dann müssen wir das stoppen.“ (13) Gehlek sieht in der Tötung von Terroristen eine ethische Verpflichtung, denn es gelte die Übeltäter, „vor schlechtem Karma zu retten. Wenn man zulässt, dass sie töten, dann lässt man auch zu, dass sie viele, viele Leben lang [als Wiedergeborene] mit Leid verbringen. Sie zu verfolgen, ist kein Akt der Rache, nicht einmal der Gerechtigkeit. Wir schützen sie und uns.“ (14)"

Eine „Militarisierung“ der buddhistischen Religion geschieht zurzeit noch vorsichtig und mit hohen moralischen Standards. Über den Satz „Füge kein Leid zu, aber stoppe Leiden!“ – lässt Myotai Treace Sensei, Abt eines New Yorker Zen Zentrum, seine Studenten meditieren.
Ergebnis dieser Meditation ist die Bereitschaft zu töten, um dadurch Leid zu vermeiden. „Wenn notwendig, töte, aber nur aus Weisheit und Mitgefühl!“ – rät John Daido Loori Roshi – ein anderer prominenter Abt des Zen Mountain Monastery. (15) "

.....Somit ist die Geschichte des tibetischen Buddhismus nicht weniger blutig als die Geschichte anderer Religionen. Hinzu kommt jedoch, dass der Lamaismus ein erschreckendes Pandämonium von Kriegs- Mord- und Todesgöttern zur Schau stellt, das an Morbidität und Aggressivität seinesgleichen in den menschlichen Kulturen sucht.
Der mexikanische Dichter Octavio Paz war nicht der einzige, der die lamaistischen Dharmapala (Schutzgötter) mit den Blutgöttern der Azteken verglich.
Ein Beispiel unter Hunderten ist die persönliche „Schutzgöttin“ des Dalai Lama, Palden Lhamo mit Namen.
In der Ikonographie reitet dieses weibliche Monster auf einem Maulesel durch einen Blutsee, in dem Leichenteile herumschwimmen.
Weil er den buddhistischen Glauben nicht annehmen wollte, hat Palden Lhamo den eigenen Sohn ermordet und dessen Haut zu ihrem Sattel verarbeitet.
#4
(29-05-2013, 22:44)petronius schrieb: auch der feudale lamaismus in tibet übte zumindest strukturelle gewalt aus

und in sri lanka haben budhistische mönche auch eine unrühmliche rolle als kriegshetzer gegen die hinduistischen tamilen gespielt

Natürlich!

Aber hat die Angelegenheit in Burma nicht doch eine neue Qualität?

Da ziehen Mönche durchs Land und predigen Gewalt gegen eine religiöse Minderheit, die, soweit ich es beurteilen kann, nichts anderes will, als auf ihre Art in Frieden zu leben.

Da drängt sich doch der Vergleich mit mittelalterlichen Kreuzpredigern auf?

Harpya schrieb:…, denn es gelte die Übeltäter, „vor schlechtem Karma zu retten.

Eine Rechtfertigung, die an frühneuzeitliche Begründungen von Verfolgungshandlungen gegenüber Ketzern, Hexen u. dgl. erinnert.
MfG B.
#5
Ja, die Inquisitoren meinten auch, den angeblichen Hexen und Ketzern einen Gefallen zu tun, wenn sie sie verbrannten. Denn dadurch würde die Seele gereinigt und bräuchte trotz des Teufelspaktes nicht in die Hölle.

Es scheint also in verschiedenen Religionen (vielleicht gerade in denen, die von der ursprünglichen Lehre her als besonders friedlich gelten) vorzukommen, dass gewalttätige Akte als gut dekliniert werden. Eine Rechtfertigung macht aber nicht nur solche Taten auch ethisch möglich, sondern kann auch zu Eskalationen führen, wie es in der frühen Neuzeit beim Hexenwahn der Fall gewesen ist.
#6
habe ich gerade gelesen:

"Vergangene Woche haben die Behörden in einem Teil Rakhines eine Verordnung erlassen, nach der muslimischen Familien nur mehr maximal zwei Kinder erlaubt werden. Für den Burma-Experten Ulrich Delius trägt diese Maßnahme "Apartheid-ähnliche Züge", die den Konflikt noch verschärfen werden.."


*http://derstandard.at/1369361797770/Geburtenbegrenzung-fuer-Muslime-in-Burma-Apartheid-aehnliche-Zuege
with great power comes great responsibility

Entscheidungen machen uns zu denen, die wir sind. Und wir haben immer die Wahl, das Richtige zu tun.
#7
Als Buddhist kan ich nur anfügen: das eine ist die Religion, das andere, was die Leute zu ihren Zwecken daraus machen,..egal welche Religion man nun anschaut
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
#8
(30-05-2013, 13:50)d.n. schrieb: Als Buddhist kan ich nur anfügen: das eine ist die Religion, das andere, was die Leute zu ihren Zwecken daraus machen,..egal welche Religion man nun anschaut

So ist es.
with great power comes great responsibility

Entscheidungen machen uns zu denen, die wir sind. Und wir haben immer die Wahl, das Richtige zu tun.
#9
(30-05-2013, 09:00)Bion schrieb: Aber hat die Angelegenheit in Burma nicht doch eine neue Qualität?

auch mir scheint das so

aber ich kenne mich zu wenig in der geschichte des buddhismus aus, umbeurteilen zu können, ob und wie weit das wirklich etwas neues oder noch nicht dagewesenes ist
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
#10
(30-05-2013, 13:50)d.n. schrieb: Als Buddhist kann ich nur anfügen: das eine ist die Religion, das andere, was die Leute zu ihren Zwecken daraus machen,..egal welche Religion man nun anschaut
"Ihre Zwecke" sind Machtgewinnung und -Erhalt. Im Allgemeinen geht es um die "Fleischtöpfe" eines Landes. Da die wenigsten Menschen Religion (, Philosophie oder Wissenschaft) als des Nachdenkens für würdig befinden, lassen sich (fast) alle nur denkbaren Ideologien daraus konstruieren, ohne dass der Mehrheit etwas auffällt: "Wir sind doch die Guten!" - Wer möchte daran ernsthaft zweifeln?
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#11
(30-05-2013, 13:50)d.n. schrieb: Als Buddhist kan ich nur anfügen: das eine ist die Religion, das andere, was die Leute zu ihren Zwecken daraus machen,..egal welche Religion man nun anschaut

anders gesagt: jede religion hat das zeug dazu, für üble zwecke instrumentalisiert zu werden oder - der übergang mag fließend sein - ihre gläubigen für üble zwecke zu instrumentalisieren

besonders dann und dort, wenn die religion zum blinden glauben und kritiklosen anerkennen religiöser autoritäten aufruft
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
#12
(30-05-2013, 18:23)petronius schrieb: ... besonders dann und dort, wenn die religion zum blinden glauben und kritiklosen anerkennen religiöser autoritäten aufruft
Ganz recht! Schaut man sich den historischen Werdegang z. B. des Christentums und des Islam an, so sieht man, wie nachträglich die Gründerfigur für die Ewigkeit etabliert und autorisiert wird. Dabei haben erkennbar sowohl Jesus als auch Mohammed für ihre Epoche und deren Probleme gepredigt.
Anscheinend besteht bei vielen Menschen eine tiefe Sehnsucht nach Autorität, nach Fremdlegalisierung und Vor-Entscheid bei unbequemen ethischen Fragen und nach mythologisch begründeter Innerlichkeit ("Gläubische"). Und es sind die Nachfolger, die diese Sehnsucht zu befriedigen verstanden - bis heute - mit unseliger Wirkungsgeschichte.
Also, der "blinde Glaube" hat zwei Seiten: Die Macher der Autorität und die Gläubigen (manchmal "Gläubischen").
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#13
(30-05-2013, 13:50)d.n. schrieb: Als Buddhist kan ich nur anfügen: das eine ist die Religion, das andere, was die Leute zu ihren Zwecken daraus machen,..egal welche Religion man nun anschaut

Benutzt du Religion nicht für deinen Zweck.
Warum nicht Religion dann gleich ganz weglassen wenn sie sowieso
jedermans Liebling sein kann.
Was ist schon gut oder böse, ich find Sklaverei nicht in Ordung,
brauch ich dazu Religion ?
Wenn einer irgendwo in einer Gesellschaft ganz selbstverständlich damit aufgewachsen ist und das als natürlich empfindet, ist er dann böse.

Da muss man eben drüber reden, vielleicht hat er ja die besseren Argumente.

was aus Trimondi -Krieg der Religionen:

"Bisher haben wir noch nicht erwähnt, wer genau im buddhistischen Armageddon-Krieg die Gegner des zornigen Raddrehers, Rudra Chakrin, sind. Der Kalachakra Text gibt folgende Auskunft darüber: „Adam, Noah, Abraham und die fünf anderen – Moses, Jesus, der im weißen Gewand, Mohammed und der Mahdi – ausgestattet mit tamas, stammen von der asura-naga Kaste. Der Achte wird der Geblendete sein. Der Siebente wird offenkundig in die Stadt Bagdad kommen im Lande Mekka, der Platz in der Welt, wo ein Teil der Asura-(Kaste) die Gestalt der machtvollen, gnadenlosen mlecchas annehmen wird.“ (Shri Kalachakra I: 154) Genannt werden somit die wichtigsten Repräsentanten aller drei monotheistischen Religionen Adam, Noah, Abraham, Moses, Jesus, Mani, Mohammed und der Mahdi, die allesamt der „Familie der dämonischen Schlangen“ angehören. (1)

Klar und eindeutig prophezeit das Kalachakra-Tantra einen apokalyptischen Krieg zwischen dem islamischen und buddhistischen Kulturkreis. Buddhisten kämpfen gegen Muslime, die im Text als mleccha bezeichnet werden. Der Begriff stammt aus vor-islamischen und bedeutet „Barbaren“, nach der islamischen Invasion Indiens wird daraus „Einwohner Mekkas“. In „Mekka“ – sagt das Kalachakra-Tantra – lebt das „machtvolle, gnadenlose Idol der Barbaren, die dämonische Inkarnation“. (Shri Kalachakra I. 154).

Die Prophezeiung einer buddhistisch-islamischen Endzeitschlacht hat historische Wurzeln. Als das Kalachakra Tantra im 10. Jh. n. Chr. verfasst wurde, waren die buddhistischen Kulturen Indiens und Zentralasiens von den islamischen Armeen schon überrannt. Der Islam beendete sie mit Gewalt in Baktrien, Afghanistan, Gandhara und Turkestan. Zerstört wurden auch die berühmten buddhistischen Universitäten von Nalanda, Vikramasila, Jagaddala und Odantapuri. Zu tausenden flüchteten die Mönche nach Nepal und Tibet.

Da die Muslime die Lehre des Buddha nicht zu den „Religionen des Buches“ rechneten und die Buddhisten zu den Götzenbetern zählten, standen diese nach einer Aussage des Korans vor der Alternative, entweder zu konvertieren oder getötet zu werden. "
#14
(30-05-2013, 23:12)Harpya schrieb: Warum nicht Religion dann gleich ganz weglassen wenn sie sowieso jedermans Liebling sein kann.
Dieses Experiment hat es ja im Sozialismus bereits gegeben. Die Religion (gemeint ist die christliche Mythologie) war abgeschafft. Und? War diese Gesellschaft friedlicher? Es wurde lediglich die alte Mythologie durch eine neue, unausgereifte, sogar ziemlich schmalspurige ersetzt.

Was an Religionen überwiegend kritisiert wird, ist zugleich ihre Stärke: Ihr Beharrungsvermögen aufgrund langer Traditionen, in denen fast alles schon einmal vorgekommen ist. Religion ist "kollektive, gesellschaftliche Erinnerung" - und zwar auf einer Ebene, die mit unserem Gefühlsleben zu tun hat.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#15
(30-05-2013, 23:12)Harpya schrieb:
(30-05-2013, 13:50)d.n. schrieb: Als Buddhist kan ich nur anfügen: das eine ist die Religion, das andere, was die Leute zu ihren Zwecken daraus machen,..egal welche Religion man nun anschaut

Benutzt du Religion nicht für deinen Zweck.
Warum nicht Religion dann gleich ganz weglassen wenn sie sowieso
jedermans Liebling sein kann.
Was ist schon gut oder böse, ich find Sklaverei nicht in Ordung,was aus Trimondi -Krieg der Religionen:

"Bisher haben wir noch nicht erwähnt, wer genau im buddhistischen Armageddon-Krieg die Gegner des zornigen Raddrehers, Rudra Chakrin, sind. ... usw

Warum ich Religion nicht ganz weglasse? Ganz einfach...Weil es mir so gefällt.
Als am ehesten dem Zen zugehörig betrachte ich den Buddhismus eher als philosophisches System und Buddhas und Boddhisatwas höchstens als Vorbilder,..Dinge wie Buddhaverehrung liegt mir fern,..ich verehre ja auch nicht Albert Einstein oder Mozart,...

Dementsprechend sind deine Trimondi Erzählungen für mich auch, abgesehen vom unterhaltsamen Wert, belanglos
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben


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