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Passivität des Buddhismus
#1
Jetzt muss ich doch mal etwas fragen, das in einem anderen Thread kurz angesprochen wurde.
Kurze Story dazu: Anlässlich der olympischen Spiele 2008 in Peking gab es im Vorfeld und im Verlauf der Spiele großen Protest buddhistischer Mönche und Nicht-Mönche. Sie forderten die Unabhängigkeit Tibets, sowie die Rückkkehr aus dem Exil des Dalai Lama. Sowohl die friedlichen Prostete waren ungewöhnlich (zumindest in dieser Stärke) und die späteren vereinzelten Gewalt-Proteste umso mehr.
Während der Protest generell in der westlichen Welt positiv (manchmal gerade zu euphorisch) aufgenommen wurde, erklärte mir ein Buddhist aus China damals, dass sich für einen Buddhisten Protest generell nicht gehört und die Anwendung von Gewalt ein absolutes No-Go ist. Begründen tat er dies mit der buddhistischen Lehre des Schicksals, welches man akzeptieren soll so wie es ist. Aushalten anstatt verändern. Also eine sehr passive Sicht auf die Dinge.

Meine Frage: Ist das korrekt? Soll ein Buddhist alles hinnehmen, dass das "Schicksal" ihm aufdrückt? Ist der Buddhist an gesellschaftlichen Veränderungen nicht interessiert?
Und wenn ja, wie wird das begründet?

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#2
Anzuführen wäre ersteinmal, das es "den Buddhisten" nicht gibt,..so wie es "den Christen" nicht gibt,..ebenso wie andere Religionen verschiedene Zweige ausbildeten, so gibt es auch verschiedene Richtungen des Buddhismus, mit verschiedenen Auslegungen,...siehe zb CHan/Zen wo es die Shaolin in China bzw die Yamabushi (Kriegermönche) in Japan gibt/gab,..
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#3
Nun gut, ich hätte gedacht, dass es auch im Buddhismus eine Richtlinie gibt, die die einzelnen Zweige miteinander verbindet. Wie etwa das "Liebe deinen Nächsten" und die 10 Gebote im Christentum, welche ja (zumindest in der Theorie) für alle Christen die gemeinsame Basis sind.
Und Gewalt hätte ich jetzt gedacht (weil du Shaolin und Yamabushi nennst) nur zur Verteidigung, nicht für gesellschaftlichen Protest.
Aber ich kann meine Frage auch präzisieren und konkret nach dem tibetischen Buddhismus fragen, da er ja auch im Eingangspost erwähnt wurde.

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#4
(17-09-2012, 13:55)Gundi schrieb: Begründen tat er dies mit der buddhistischen Lehre des Schicksals, welches man akzeptieren soll so wie es ist. Aushalten anstatt verändern. Also eine sehr passive Sicht auf die Dinge.

Meine Frage: Ist das korrekt? Soll ein Buddhist alles hinnehmen, dass das "Schicksal" ihm aufdrückt? Ist der Buddhist an gesellschaftlichen Veränderungen nicht interessiert?
Und wenn ja, wie wird das begründet?

Es gibt in der Lehre Buddhas, jedenfalls weder in den Primärquellen in Pali noch in den fernöstlichen, eine "Lehre vom Schicksal". Schätze mal, es wird die buddh. Karma-Lehre gemeint sein, aber hier bedeutet Karma Tat, bzw die vorausgehende Absicht zur Tat. Das ist nun ganz und gar nichts Passives.
Ob und wie sich ein Buddhist gesellschaftlich/politisch engagiert hat er aktiv mit sich selbst auszumachen und nur er allein verantwortet das dann auch ganz persönlich. Wie alle anderen Menschen auch. Und es gibt weder einen buddh. Papst noch Bischoff, der ihm dazu die Antwort vorformulieren kann.
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#5
(17-09-2012, 15:24)anna4 schrieb: Ob und wie sich ein Buddhist gesellschaftlich/politisch engagiert hat er aktiv mit sich selbst auszumachen und nur er allein verantwortet das dann auch ganz persönlich. Wie alle anderen Menschen auch. Und es gibt weder einen buddh. Papst noch Bischoff, der ihm dazu die Antwort vorformulieren kann.

Reine Interessensfrage dazu: Gibt es gar keine Leitlinie für das Verhalten eines Buddhisten? Bzw. was enthält denn dann die Lehre Buddhas, wenn nicht eine solche?
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#6
(17-09-2012, 15:33)Keksdose schrieb: [quote='anna4' pid='121334' dateline='1347888289']
Reine Interessensfrage dazu: Gibt es gar keine Leitlinie für das Verhalten eines Buddhisten? Bzw. was enthält denn dann die Lehre Buddhas, wenn nicht eine solche?
Es gibt selbstverständlich Leitlinien, aber eben keine einfachen situationsunabhängige Antworten. Wenn Du mit der Lehre Buddhas die überlieferten Primiärtexte meinst, dann sind es ganz anders als die Dir bekannten religöse Quellen, situationsbezogene Argumentationen. Natürlich gibt es auch kurze Zusammenfassungen, die man aber zwingend mißverstehen muß, wenn man die zugehörige Argumentation nicht kennt.
Keine einfache Sache.
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#7
Natürlich sind im "Achtfachen Pfad" Verhaltensregeln festgeschrieben. Gerade das "Rechte Streben" gibt als "Soll" an, dass man seine Affekte zu zügeln hat, wobei einem positive Gedanken helfen. Es kommt nun also auf die Art des Protestes an - eine öffentliche Sitzmeditation, in der man über ein freies Tibet meditiert, kann eine gute Blockade sein ... Oder man denke an den (nicht-buddistisch aber spirituell unterlegten) gewaltfreien Widerstand Gandhis.

*http://de.wikipedia.org/wiki/Edler_Achtfacher_Pfad#Sittlichkeits-Gruppe
Es gibt weder gut noch böse in der Natur, es gibt keine moralische Entgegensetzung, sondern es gibt eine ethische Differenz. (Gilles Deleuze)
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