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Unser Sinn für Realität
#61
(05-01-2017, 12:12)Adamea schrieb:
(05-01-2017, 12:02)Sinai schrieb: Die Eskimos kennen diesen Zeitrhytmus nicht ! Denn es ist dauernd Tag. Wenn er müde ist, legt er sich nieder, wenn es ihm Spaß macht geht er jagen

Zur Illustration: ein Raumfahrer der am Mond spazieren geht, will auch nicht wissen, "wie spät" es denn ist.

Okay, dann lebt der Eskimo in seiner Spaß-Welt, vom Rest der Welt getrennt.

Der Raumfahrer wird zumindest einen Zeitplan haben wann er wieder zurück auf die Erde muß.
Das bedingt eine Zählung, und damit kann er zumindest Wissen wann wo wieviel Uhr ist, ob es ihn nun im Augenblick interessiert oder nicht.

Ja, der Eskimo lebt in einer eigenen Welt

Der Raumfahrer hat natürlich eine Uhr damit er weiß wann er zurückfliegen muß; eine Frage zu welchem Zeitpunkt der Mond nahe an der Erde ist,
die Sonne ist hier uninteressant - auch wenn eine "Uhrzeit" für keinen "Tagesablauf" (den es außerhalb der beiden Polarkreise auf der Erde eh nicht gibt) interessant ist
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#62
(05-01-2017, 10:12)Adamea schrieb: -Wir haben eigene Realitäten.
-Wir leben in verschiedenen  Realitätsgebieten. (zB. Erdbebengebiete und NICHT Erdbengebiete)
-Wir leben ALLE auf einer sich drehenden Erde MIT einem 24 Stunden Tag und Nacht Ryhtmus, 1 Mond, Naturgesetze usw..
Also, JAAAA, die Wirklichkeit ist individuell, verschieden und im gewissen Sinn überall gleich.
Ich sehe es genau anders herum, Adamea.

Erdbeben und Nichterdbeben sind Teile der Realität, die ganz unabhängig vom Sein oder Nichtsein stattfinden. Wenn auch in manchen Gegenden die "Wahrscheinlichkeit" dafür größer ist als in anderen.

Die Wirklichkeit hingegen, ist gebunden an das Sein oder Nichtsein. Und wie die "Wirklichkeit" auf uns wirkt, hängt so ziemlich nur alleine von unserer wahrnehmenden "Sensorik" ab. Da gibt es offensichtlich große Unterschiede in den Extremen, mit allen möglichen Gradationen dazwischen. In der Wahrnehmung gibt es also jede Menge Qualitätsunterschiede, welche zum einen genetischer Natur (veranlagungsbedingt) sein können, wie sie zum anderen auch von Idealvorstellungen und Stimmungslagen geprägt sein können. Unsere jeweils einmalige Lebensbiografie mit all ihren Prägungen, Erfahrungen und genetischen Prädispositionen für deren "Verarbeitung" anhand von Gefühlen, und Emotionen und hinter denen noch eine hochkomplexe Biochemie steckt, deutet mit fast zweifelsfreier Verlässlichkeit darauf hin, dass die Wirklichkeit nicht das Gleiche wie die Realität ist, sondern ein bedingter Bewusstseinsprozess, welcher sich von Individuum zu Individuum oftmals gewaltig unterscheiden kann. Mit natürlich auch oftmals großen Übereinstimmungen.

Dass diese Übereinstimmungen bei uns beiden nicht sonderlich groß sind, liegt auch und vor allem daran, dass ich sehr wahrscheinlich den "Wahrheitsbegriff" völlig anders definiere als du. Für mich ist Wahrheit nicht die Realität, sondern ein Beschreibungsmodell der Realität, welches auch im besten aller Fälle, immer nur eine grobe Annäherung an diese sein kann und im schlechtesten Fall, sogar überhaupt nichts damit zu tun haben muss.
Wir Menschen neigen eben sehr dazu, Wahrheitsmodelle für uns selbst aufzustellen, in denen sich aber letztendlich nur unsere naiven Idealisierungen von Gut gegen Böse und unser Hang zum Narzissmus und zum Auserwähltensyndrom widerspiegeln...
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" der ihn dafür zu einem Auserwählten machte.
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#63
Ich komme bei dieser Differenzierung ins Schleudern. Denn "Wirklichkeit" ist schlicht die Übersetzung des lateinischen Wortes "realitas" (dt. Realität), etwas Anfassbares, Prüfbares, Feststellbares, Wahrnehmbares. Realität und Wirklichkeit sind demnach Synonyme. Was Geobacter mit "Wirklichkeit" meint, ist die durch unseren Sinnesapparat gefilterte Wahrnehmung der (äußeren, gegebenen) Realität, sprich die Wirkung der Außenwelt auf unser Selbst (das individuelle Universum).

Wenn man Realität durchdenkt, dann stellt man fest, dass wir Menschen immer von einer unabhängig von uns und unserem Standort existierenden Welt ausgehen.
In meinem Eröffnungsbeitrag und einem Referat über Leonhard Susskind habe ich dargelegt, dass dieses Modell falsch ist. DIE Realität gibt es nur in Relation zu unserem Standort, unserer Bewegung und in subtiler Weise davon, wie wir beim Messen vorgehen.

Wenn man Geobacters abweichende Definition von "Wirklichkeit" hernimmt, dann ist das Phänomen für diese natürlich kein Problem. Denn die ist ohnehin bestimmt von unseren Wahrnehmungsfiltern.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#64
(05-01-2017, 13:51)Ekkard schrieb: In meinem Eröffnungsbeitrag und einem Referat über Leonhard Susskind habe ich dargelegt, dass dieses Modell falsch ist. DIE Realität gibt es nur in Relation zu unserem Standort, unserer Bewegung und in subtiler Weise davon, wie wir beim Messen vorgehen.

Wenn man Geobacters abweichende Definition von "Wirklichkeit" hernimmt, dann ist das Phänomen für diese natürlich kein Problem. Denn die ist ohnehin bestimmt von unseren Wahrnehmungsfiltern.

Ich komme jetzt noch nicht ganz klar damit, denn mir erschließt es sich nicht, wer in diesem Fall mit UNS gemeint ist, gemeint sein soll.
WIR reden von "wir", wenn wir von unserer evolutionsbedingten  Nasenlänge- und Breite ausgehen, die sich im wesentlichen von derjenigen unterscheidet, die  WIR mal hatten, als der Vorgang des Messens noch eine völlig anderer Relevanz für unser Überlebenschancen hatte. WIR sind aber in beobachtbarer Übereinstimmung nur eine "Lebensform" von noch ziemlich vielen  anderen, mit einer eigenen Entwicklungsgeschichte, deren einzelnen Schritte immer von einer sehr dynamischen und wandelbaren Realität aus einer Vielzahl von Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten aussortiert wurde und welche also auch völlig ohne uns die Evolution anderer Lebensformen vorangetrieben haben. Sogar einige hunderte Millionen Jahre, bevor sich unsere Nase mehr als c.a. 2 cm vom Boden abhob.

Sorry, wenn ich mich hier also ein bisschen begriffsstutzig verhalte,  aber ich kann mir die Evolutionstheorie nur dann erklären, wenn es ein Realität gibt, die sich nicht ein bisschen dafür interessiert, wie wir uns über den Planeten/die Welt standortmäßig verteilen und wie WIR ihn/sie, auch noch so subtil vermessen.

Das mit der Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Realität macht also m.E. schon Sinn. Und nur weil diese Unterscheidung für unsere lateinischen Vorfahren noch nicht so wichtig war, muss sie deswegen nicht grundlegend falsch sein. 
Wie etwas auf uns wirkt und wie es sich unabhängig davon tatsächlich verhält, ohne dass wir mit unseren Messungen, die ja (genau genommen) nur dafür nützlich sind, ein für UNSER "Befinden und Wohlergehen" brauchbares Ordnungsprinzip zu schaffen, hängt von UNSEREN "mittelirdischen" Sensoren" ab und wie es uns gelingt, unsere Reaktionen (darauf) bestmöglich voraus zu planen.

So gesehen, kann die Wirklichkeit einfach noch lange nicht die ganze Realität sein und in Anbetracht dessen, dass wir mit unserer Wirklichkeit wohl oft ziemlich weit an der Realität vorbei gelebt haben,  ist es dann ja auch kein Wunder, wenn wir nun jeden Tag etwas mehr mit einer Realität konfrontiert werden, die für UNSEREN zukünftigen Fortbestand nicht mehr so ganz die richtigen Voraussetzungen bietet.

Natürlich mag das alles im rein physikalischen Weltverständnis keinerlei wichtige Bedeutung haben, denn dort ist der Begriff Realität nicht das Eigentliche um den es geht, wie ja auch schon aus dem Einleitungstext deutlich genug heraus zu lesen ist, sondern um wirklichkeitsnahe Modellbeschreibungen der Realität. Und dagegen ist ja an und für sich nichts einzuwenden. Nur ob uns das noch wirklich retten kann, wenn nicht baldigst damit anfangen wird Wirklichkeit und Realität im richtigen Verhältnis von Verantwortung und Wohlstandsstreben zu unterscheiden, wage ich kaum zu hoffen. Obwohl ich mich sonst nicht als neurotischen Pessimisten bezeichnen würde.
Weil ich überzeugt bin dass in uns Menschen etwas drinnen steckt, das man innovative Kreativität nennt und die gar nichts mit der ansonsten schwerelosen  Fantasie zu tun hat,  sondern von dieser sogar meist eingenebelt wird.. wenn man sich von den Fantasievorstellungen übernatürlicher Welt- und  Seinserklärungen überrumpeln lässt. Auch weil man damit leicht zum Opfer der Gedankenkontrolle von Leuten wird, die selber einen Blindenhund bräuchten.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" der ihn dafür zu einem Auserwählten machte.
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#65
Mit "uns" meinte ich oben "wir Menschen", gelegentlich "wir Erkenntnissucher".

Ich teile deinen Pessimismus und stimme der Trennung von "Wirklichkeit" und "Realität" zu. Richtig ist, dass unser Weg durch die Entwicklungsgeschichte einigen Realitätssinn abverlangt und folglich angezüchtet hat. Leider verharrt dieser aber in einer Epoche, wo Sammeln, Draufhauen und Weglaufen die besten Strategien waren.

Wir sollten nur im Auge behalten, was jeder von uns beiden mit "Wirklichkeit" meint. Die subjektive Seite ist nicht so mein Ding!
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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