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islamische Mystik
#1
Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

Mystik ist das Bewusstsein der e i n e n Wirklichkeit, das wie ein Strom alle religiösen Traditionen durchzieht. Mystiker aller Zeiten erhoben sich aus den Banden abgrenzender Religionsauslegung, um religiöse Inhalte und Formen zu transzendieren: Von äußerer Vielfalt gelangten sie zur inneren Einheit alles Religiösen. Deshalb war und ist auf mystischer Ebene immer ein Austausch zwischen den Anhängern verschiedener Religionen möglich und Fruchtbar.

Mystik ist integraler Bestandteil des Islam, denn Religion ohne Verinnerlichung wäre leere Hülse. Dabei ist Mystik - wie alles andere - natürlich nicht vor Missbrauch geschützt. Darauf verwiesen schon im 11. Jahrhundert die Mystiker selbst: "Heute ist der Sufismus ein Name ohne Realität, während er früher eine Realität ohne Namen war" (Hujwiri, "Kashf al-mahjub", S.44). Vorgetäuschte Spiritualität und äußere Enthaltsamkeit werden auch in unserer Zeit nur allzu oft dazu benutzt, um innere Gier und Profitstreben zu verschleiern. Wird Mystik jedoch kommerzialisiert, dann ist sie keine Mystik mehr.

Die islamische Mystik (arab. "Irfan", Erkenntnis, Gnosis) in einem kurzen Artikel erschöpfend zu beschreiben - ohne dabei die vielen Parallelen zu den Aussagen christlicher Mystiker aufzuzeigen -, hieße, ein Meer in ein Wasserglas schütten zu wollen. Die Wellen des schier endlosen Ozeans mystischer Erkenntnis reichen vom esoterischen Aspekt der qur'anischen Offenbarung zu den illuminativen Lehren des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) und der Imame und spirituellen Führer über die ekstatischen Verse der frühen Liebesmystiker bis zu den theosophischen Systemen späterer Sufis und den zauberhaften Rosengärten persisch-mystischer Dichtung.

Unbeschreibbare Wirklichkeit

Doch das Ausmaß des Themas ist nur e i n e Schwierigkeit: "Worte bleiben an der Küste", lautet ein altes Sprichwort der Sufis: Jene Wirklichkeit, die alle Mystiker bezeugen, kann nicht durch das Studium von Büchern, sondern nur existentiell erfahren werden. Mystische Erfahrung lässt sich nicht durch den Verstand vermitteln, bloße Worte sind dafür einfach zu eng. Der berühmte "Märtyrer der mystischen Liebe" al-Hallaj vergleicht die Stufen mystischer Erkenntnis mit dem Schicksal des Schmetterlings: "Wenn der Falter das Licht der Kerze wahrnimmt erreicht er die Stufe des sicheren Wissens ("ilm al yaqin"), spürt er ihre Hitze, gelangt er zur Schau der Gewißheit ("ain al-yaqin") und wird er schließlich von der Flamme verzehrt, erreicht er "haqq al-yaqin", die absolute Gewißheit." Über dieselbe, letzendlich unbeschreibliche Grunderfahrung meint Ahmad Ghazali (gest.1126), der jüngere Bruder des berühmten Abu Hamid Ghazali, in seinen "Gedanken über die (mystische) Liebe": "Die äußerste Grenze des Wissens ist das Ufer der Liebe. Wenn das Wissen am Ufer steht, wird es von der Liebe noch gerade berichten können. Schreitet es aber weiter voran, dann ertrinkt es. Wie sollte es dann Kunde darüber geben können und wie sollte ein Ertrunkener Wissen besitzen?"

Selbsterkenntnis = Gotterkenntnis

Der Weg zu jener höheren Erkenntnis (ma`rifa) der Wirklichkeit verläuft in zweierlei Hinsicht: Selbsterkenntnis des Geschöpfes und Erkenntnis des Schöpfers. Ein bekannter Ausspruch des Imam Ali ibn Abu Talib, der allgemein als erste spirituelle Autorität nach dem Propheten angesehen wird, lautet: "Wer sich selbst erkannt hat, der hat auch seinen Herrn erkannt!" Selbsterkenntnis enthüllt den letzten Grund des Daseins und läßt jegliche Anhaftung an das Ego schwinden. "Denn wer sich selbst und seinen Herrn erkannt hat, der weiß mit Gewißheit, daß er kein Dasein von sich selber hat, sondern daß sein sein Dasein und die Erhaltung und Vollkommenheit seines Daseins von Gott und zu Gott und durch Gott ist", erklärt Abu Hamid Ghazali in seinem "Elixier der Glückseligkeit". Am Ende seiner mystischen Reise gelangt der "Arif" (wörtlich: Erkenner) schließlich zu "jener Wahrheit, die das Ich sterben läßt, um es für die (göttliche) Wirklichkeit zu erwecken", sagt der bekannte Führer der Baghdader Mystikerschule Junaid in Fariduddin Attars Hagiograophie (tadhkirat al-awliya 2, 35).

Historische Entwicklung

"Irfan" (Gnosis) ist die Erkenntnis der Absoluten Wirklichkeit und somit der Geist des Islam. Schon der Quran und die Überlieferungen des Propheten und seiner Familienangehörigen (ahl-ul-beit) und treuen Gefährten (ashab) bezeugen, daß von Anfang an eine untrennbare Verbindung von Mystik und der Islamischen Botschaft bestand. Zahlreiche frühe Schriften wie die "Nahdschul Balagha" mit den Reden, Briefen und Aussprüchen Imam Alis, die Anrufungen Imam Husseins und die Gebetssammlung seines Sohnes Imam Sajjads (sahifa al-kamilah) sind bedeutende Quellen mystischer Erkenntnis, die leider in europäischen Sprachenso gut wie keinen Niederschlag gefunden haben. In seinem zehnbändigen arabischen Werk mit dem poetischen Titel "Der Schmuck der Heiligen" (hilyatul-awliya) hat Abu Nu`aim al-Isgahani die Worte und Taten der ersten spirituellen Führer im Islam festgehalten. Sie verkündeten noch den ganzheitlichen Aspekt des Islam und schufen somit keine Trennung zwischen Innerem und Äußerem, Mystik und Gesetz. Doch schon bald wurden die Einheitsbekenner in immer stärkerem Maße von der weltlich orientierten Staatspolitik der Herrschenden Dynastien bedrängt und nahmen Zuflucht in der Mystik. Zahlreiche bedeutende Sufis traten auf, von denen nachstehende chronologische Abfolge nur eine kleine Auswahl enthält: Hasan al-Basri (gest. 728), Dhun-Nun al-Misri (gest. 859), Bayezid Bistami (gest. 874), Mansur al-Hallaj (hing. 922), Abdullah-i Ansari (gest. 1089), Abu Hamid Ghazali (gest. 1111), Shihabuddin Suhrawardi (ermord. 1191), Farududdin Attar (gest. 1220), Muhyiduddin Ibn Arabi (gest. 1240), Jalaluddin Rumi (gest. 1273), Hafiz Shirazi (gest. 1389), Abur Rahman Jami (gest. 1492) und viele andere. Sie alle sind von der Islamischen Geschichte und Literatur nicht wegzudenken. Waren die ersten Sufis noch ganz von der Liebe zu Gott verzückt, entwickelten spätere Mystiker wie Ibn Arabi umfassende Systeme gnostischer Erkenntnis, die sich rasch in der ganzen Islamischen Welt verbreiteten und bis zum heutigen Tag Quelle der Inspiration für viele Muslime sind.

Begriffsbestimmung

Häufig wird für die islamische Mystik auch der Begriff ´Sufismus ` (arab. `tasawwuf `) gebraucht. In seiner "Enthüllung der Schleier" (kashf al-mahjub) hält der bekannte Mystiker des indo-pakistanischen Subkontinents Hujwiri (gest. 1071) die verschiedenen Bedeutungen des Begriffs `Sufi`fest: "Einige sagen, der Sufi werde so genannt, weil er ein wollenes Gewand (suf) trägt; andere, weil er in der ersten Reihe (saff) steht, andere wieder, weil sich die Sufis zu den Leuten der Veranda (suffa) zählten, die sich in Medina um den Propheten scharten; und wieder andere erklären, der Name sei von Reinheit (safa) abgeleitet." Allgemein wird heute die Ableitung von der arabischen Wurzel `suf `(Wolle) akzeptiert, da die frühen Sufis das grobe Wollgewand als eine Art Erkennungszeichen für ihre asketische Lebensweise trugen. `Doch`so bemerkt der Führer der Baghdader Mystikerschule Junaid, "bewirkt das Wollkleid wenig, allein das Feuer des Herzen zählt!"

Das Einheitsbekenntnis

Der Mensch gilt nach qur'anischer Auffassung als `Stellvertreter Gottes` auf Erden, dem der Göttliche `Geist` eingehaucht wurde. Das innerste Wesen des Menschen weiß von der Existenz Gottes, wenngleich dieses Wissen von den Verblendungen des irdischen Lebens oft getrübt und überlagert wird. Der Mensch steht deshalb ständig vor der Entscheidung: "Entweder folge ich meinen Begierden, die mich weg von Gott und mir selbst führen, oder ich verwirkliche die absoluten Eigenschaften des Schöpfers in mir in relativer Form!" Ein Mensch der den Steilpfad nach oben wählt, wird in allen Dingen die e i n e Wahrheit erkennen, die ihm "näher ist als seine Halsschlagader" (vgl. Sura 50:16). So zielen alle mystischen Praktiken auch auf die Verinnerlichung des Glaubensbekenntnisses der Einheit (tauhid), das Abu Hamid Ghazali in vier Grade unterteilt: "Erster Grad: der Mensch sagt mit seiner Zunge: `Es gibt keine Gottheit außer Gott`, während sein Herz dies ablehnt, wie wenn Heuchler die Einheit bekennen. Zweiter Grad: Sein Herz hält das Ausgesprochene für wahr, wie es alle Rechtgläubigen für wahr halten. Dritter Grad: Er sieht viele Dinge, sieht sie aber trotz ihrer Vielfalt von dem Einen ausgehen. Vierter Grad: Er sieht im Sein nur noch Einen. Er sieht das Ganze nicht, insofern es vieles, sondern insofern es Eines ist." (Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften 4,240)

Der mystische Pfad

Die Schritte, die zu diesem Einheitsbewusstsein führen, werden als Weg beschrieben, der sowohl die breite Straße des religiösen Gesetzes (scharia) als auch des mystischen Pfad (tariqa) umfasst: Das Gesetz wird mit einer Nussschale verglichen, deren Kern der mystische Pfad und das Öl die e i n e Wirklichkeit verkörpert. Die Schale allein ist wertlos, allein auf den Kern kommt es an, wenngleich auch dieser ohne schützende Schale verderben würde. Alle großen islamischen Mystiker befolgten die sittlichen Normen des religiösen Gesetzes in gleichem Maße, wie sie ihr Herz dem Göttlichen widmeten. Von Maulana Jalaluddin Rumi wird berichtet, daß er selbst noch in seinem ekstatischen Wirbeltanz religiöse Gutachten (fatwas) abgegeben hat. Die Mystiker aller Traditionen sind sich einig, daß die Reise zum Herrn der Macht moralische Qualitäten und innere Stufen (maqamat) voraussetzt, die der Wanderer im "Kampf mit seiner Triebseele" (jihad un-nafs) erwirbt Im Gegensatz zu diesen selbstverwirklichten Stufen der Tugendhaftigkeit handelt es sich bei den sogenannten Zuständen (halat) um göttliche Gnadengeschenke, um etwas, was sich ins Herz des Gottsuchers senkt, ohne daß er es festhalten noch zurückweisen kann. Die Grenzen der Stufen und Zustände sind nicht fest und oft austauschbar, ihre Zahl schwankt. Abu Nasr al-Sarraj erwähnt in seinem wichtigen "Kitab al-luma" sieben Stufen: "Taubah" (Reue oder Umkehr von Sünde und Gleichgültigkeit), "Wara" (Entsagung oder Überwindung der Begierden und egoistischen Neigungen), "Zuhd" (Verzicht oder nicht verhaftet sein an materiellen Dingen), "Tawakkul" (Gottvertrauen oder Konzentration auf die höchste Form des Seienden), "Faqr" (Armut oder Freiheit vom Besessenwerden durch Besitz), "Sabr" (Geduld oder Standhaftigkeit gegenüber allen Heimsuchungen), "Rida" (Zufriedenheit oder Gleichmut des Herzens und Übereinstimmung mit allen göttlichen Ratschlüssen.

Liebe

Mystik ist die "Wissenschaft der Liebe". Darunter wird keine sentimentale Emotionalität verstanden, sondern die selbstverwirklichte Erkenntnis des Göttlichen. In einem Hadith al-Qudsi sagt der Allerbarmer: "Mein Diener mähert sich Mir durch freiwillige Verehrung bis Ich ihn liebe. Und wenn Ich ihn liebe, bin ich das Auge, durch das er sieht, und das Ohr durch das er hört. Nähert er sich mir eine Spanne, so komme ich ihm eine Elle entgegen. Und wenn er gehend kommt, so komme ich gelaufen!" (Kitab al-luma, S.59) Wenn Gottesliebe (mahabba) das Herz des Wahrheitssuchers beherrscht, dann liebt er alle Geschöpfe Gottes, weil sie Seine Geschöpfe sind. Gottesgedenken (Dhikr), Meditation (muraqaba) und kontemplative Schau (mushahada) führen den Wandere immer näher zum Ziel. Das äußerste Ziel ist die Verbindung mit dem Geliebten, das Entwerden (fana) und Bleiben (baqa) in ihm. Der Wegschreiter erfasst, daß alles außer Gott reines Nichtsein ist. Er lässt sein eigenes Sein hinter sich liegen, damit die Wirklichkeit "Keine Gottheit außer Gott" zutage tritt.
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#2

Hallo Shia, ein mystikboard find ich super, ich wollte mich schon lange näher damit befassen.
Gottes Segen auf dir
Reymund
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#3
Salam,

Ahmed Hulusi schrieb:Dem halografischen System und den Grundsätzen des Sufismus zufolge, existiert Hu mit seinen Eigenschaften, seinen Namen und seinem Wesen in jedem Partikel vollständig.
In dem Ausmaß, in dem wir durch unser Tun auf diesem Weg, unsere verfügbare Gehirnkapazität erweitern, in dem Maße finden wir die Eigenschaften dessen, der mit dem Namen Allah bezeichnet wird, in unserem Wesen. Wir bemerken und nähern uns Hu.

Ich weiß nicht was ein 'halografisches System' sein soll (evtl. die Wiedergabe in Form eines Hologramms), aber ich weiß dass der Islam - besonders auch der Sufismus - im mittelalterlichen China ziemlich verbreitet war; es gibt ja heute noch in China moslemisch dominierte Provinzen. Bei Idries Shah ('Die Sufis') lese ich:

'H.L.Ma, ein chinesischer Sufi, lässt erkennen, wie die Art und Weise, gewisse Vorstellungen auszudrücken, in verschiedenen Kulturen scheinbar verschiedene Formen annimmt:
Was all die Sucher der Wahrheit angeht, so muß ich ihnen sagen, dass Su-fi kaum mitteilbar ist. Warum? Weil, wer zum erstenmal davon hört, erwartet, dass ein System entfaltet werde, welches seinem gewohnten Denkschema entspricht. Er weiß nicht, dass sein Problem gerade dieses Schema ist. Su-fi ist bereits in uns. Wir fühlen es, aber wir wissen nicht, was es ist. Wenn wir Güte, Liebe, Wahrheit verspüren, den Wunsch, mit allen gemeinsam etwas zu tun - das ist Su-fi. Denken wir zuerst an uns selbst - das ist nicht Su-fi. Empfinden wir eine starke Zuneigung zu einem verehrungswürdigen Weisen - das ist Su-fi...'

Daran hat mich der Begriff 'Hu' erinnert - ist es möglich, dass dieses Wort aus dem Chinesischen übernommen wurde? Das Ideogramm 'Hu' heißt soviel wie 'rund, vollständig, Ganzheit' - und das würde IMHO zumindest in dieses Zitat nahtlos passen, besonders zu der Aussage, dass das Ganze in jedem Partikel vollständig vorhanden ist, die genau mit dem Gleichnis von 'Indra's Perlennetz' im Hua-yen-ching (Avatamsaka Sutra) übereinstimmt.

wa salam
() qilin
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#4
selam aleykum
"Hu" = "er / sie /es. Es gibt auf Arabisch keinen artikel, "Hu" meint, übersetzt man Allah mit "Gott" "Ihn", kann aber eben auf Deutsch nicht korrekt wiedergegeben werden. "Hu" meint "Ihn / Sie / Es" in all seiner Umfassendheit, wie wier es nur irgrnd wahrnehmen können und vielmehr, wie wir es nicht wahrnehmen können, weil uns die Kapazität dazu fehlt.
selam
Abu Naim
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#5
Oops - da bin ich mit der Etymologie ganz schön daneben gelegen! :)
Aber die Bedeutung dahinter scheint recht ähnlich zu sein - immer schön, Übereinstimmungen zu entdecken...

Salam
() qilin
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#6
Gebet der arabischen Mystikerin Rabi `äh al Adawiya:

Oh Gott, was du mir von der Welt geben willst- gib es deinen Feinden, und was du mir im Himmel geben willst- gib es deinen Freunden, denn du selbst genügst mir.

Oh Gott, wenn ich dich aus Furcht vor deiner Hölle anbete, so verbrenne mich in deiner Hölle, und wenn ich dich deines Paradieses wegen anbete, dann verschließe mir dessen Tür.

Aber wenn ich dich nur deiner selbst willen anbete, dann beraube mich nicht des Schauens deines Angesichts.
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#7
Hallo Mariamante!

Willkommen hier - schön, einen Katholiken anzutreffen, der sowas kennt
und zu schätzen weiß - ist ja nicht immer so :wink: [vgl. hier...]

() qilin
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#8
Was diese arabische Mystikerin in so tiefer Weise aussagt ist, dass es auf die Liebe ankommt, auf die Liebe zu Gott.

Wir sollen ja nicht die Gaben suchen (auch nicht in mystischen Ganden, Charismen etc.) sondern den Geber aller Gaben selbst.

"Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm."

Der ewige und wunderbare Gott wird niemand den Zutritt zu Seinem Reich und seinem Herzen verwehren, der aus dieser Liebe lebte.

Gottes Segen
herzlich Peter
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#9
Diesen thread habe ich gerade unten bei "Verwandten Themen" gefunden, und ich finde ihn so schö, dass ich ihn wieder in die Gegenwart hole.
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#10
[2 alte, verstümmelte Beiträge gelöscht/Ekkard]
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#11
Liebe Agnostik,
Danke für´s ausgraben.

Es ist, für mich, ein wunderbarer Weg, auch wenn man von seiner Umgebung selten ernst genommen, oft auch belacht oder auch angegriffen wird.....

"Worte bleiben an der Küste"

...deshalb können sie auch nicht verletzen, höchstens für kurze Zeit die Überreste des Egos...
As Salamu Aleikhum
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#12
(27-09-2010, 08:02)zahira schrieb: Liebe Agnostik,
Danke für´s ausgraben.

Es ist, für mich, ein wunderbarer Weg, auch wenn man von seiner Umgebung selten ernst genommen, oft auch belacht oder auch angegriffen wird.....

"Worte bleiben an der Küste"

...deshalb können sie auch nicht verletzen, höchstens für kurze Zeit die Überreste des Egos...

Wäre nicht gerade das Gebet der arabischen Mystikerin für alle Religionen relevant - ob die Gläubigen nun erbeten, das Antlitz Gottes zu sehen oder nicht - also auch für die, die nicht den Weg der Mystik gehen?

Ich meine diesen Teil:

Gebet der arabischen Mystikerin Rabi `äh al Adawiya:

Oh Gott, was du mir von der Welt geben willst- gib es deinen Feinden, und was du mir im Himmel geben willst- gib es deinen Freunden, denn du selbst genügst mir.

Oh Gott, wenn ich dich aus Furcht vor deiner Hölle anbete, so verbrenne mich in deiner Hölle, und wenn ich dich deines Paradieses wegen anbete, dann verschließe mir dessen Tür.
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#13
ja, sicher hast du Recht, aber wie viele Gläubige wollen das wirklich?
Auf diese Sätze könnte man festgelegt werden.
As Salamu Aleikhum
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#14
Weil die meisten Menschen für gute Werke belohnt und anerkannt werden wollen... Sie bspw. Darstellung in der Presse bei einer übergebenen Spende....
Und manches Unrecht wird nicht getan, weil eine nachkommende Bestrafung davon abhält, aber nicht unbedingt die Einsicht, etwas zum Schaden anderer zu begehen.

Gruß
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#15
Etwas von Rumi`:

"Was ist dieser Sinn, Oh Moslems: »Weil ich mich selbst nicht kenne.«
Weder bin ich Christ, Zarathustrier, oder Moslem;
Ich bin kein Orientale noch Abendländer, in keinem Land und auf keiner See:
Nicht aus der Natur, noch aus dem Himmel: Nicht von Indien, China, Bulgarien oder Saqsin;
Nicht aus dem Iraq, noch aus dem Land Khorasan.
Mein Ort ist alokal: Mein Zeichen ist kein Zeichen.
Ich habe keinen Körper und kein Leben: Weil ich vom Leben des Lebens bin.
Ich habe Dualität überwunden: Ich habe die zwei Welten als EINE gesehen:
Ich bitte EINEN, ich weiss EINEN, ich sehe EINEN, Ich rufe EINEN." ¹
(aus dem Divan-i-Shams-i-Tabriz.)

"Der Mensch durchschreitet drei Stufen.
Zuerst verehrt er alles: Männer, Frauen, Geld, Kinder, Die Erde und Steine.
Dann, wenn er etwas weiter fortgeschritten ist, verehrt er Gott.
Schließlich sagt er weder: 'Ich verehre Gott' noch 'Ich verehre Gott nicht'.
Er hat die beiden ersten Stufen passiert und geht nun die letzte."

"Je mehr jemand erwacht in den weltlichen Dingen,
je mehr schläft er in spirituellen 'Dingen'.
Wenn unsere Seele Gott verschlafen hat,
verschließt eine andere Wachsamkeit die Tür zur göttlichen Gunst."

"Die Seele empfängt Erkenntnis allein
durch die Seele und nicht durch das Denken.
Aus Sprache und Büchern kann Erkenntnis nicht sein,
sie kommt nach der Leerheit im Denken.
Mysterien erkennen, das kommt so wie Licht von viel Kerzen,
das erleuchtet die Seele der Menschen
und in ihnen auch ihre Herzen."

"Es kam jemand zur Tür des Geliebten und klopfte.
Ein Stimme fragte: "Wer ist da?' Er antwortete: 'Ich bin es.'
Die Stimme sagte: 'Hier ist kein Platz für mich und Dich.'
Die Tür wurde geschlossen.
Nach einem Jahr Einsamkeit und Entzug
kam der Mann wieder an die Tür des Geliebten.
Er klopfte.
Eine Stimme von drinnen fragte: 'Wer ist da?'
Der Mann sagte: 'Du bist es.'
Die Tür wurde für ihn geöffnet."

"Der Mann sagte: Was von Gott kommt, ist gut.
Mevlânâ sagte: Nun schön, alles ist von Gott.
In Beziehung zu Gott sind alle Dinge gut, aber in Beziehung zu uns nicht."

"Der Schöpfer aller Universen sprach, 'Ich bin mit dem, der Geduld hat.'
Tauche ein in Schmerz und Leid, so tief, dass ganz am Grunde, unversehens,
der Thron Gottes in deinen Tempel kommt.
Geduld ist der Schlüssel zur Aufhebung des Leidens.
Tief in dir nagt der Zweifel, darum wenden sich die Dinge nicht zum Guten für dich.
Löse diesen Zweifel vollständig auf.
Geduld ist der Schlüssel zur Aufhebung des Leidens.
Es gibt sie, die wunderbare Welt Gottes.
Doch suche sie nicht für einen Augenblick in dieser Scheinwelt hier.
Gott ist der einzige Vertraute in dieser Welt.
Geduld ist der Schlüssel zur Aufhebung des Leidens."


Etwas von Ha'fis:

"Geduld - ist das Fährschiff auf dem Ozean der Unendlichkeit"

Wenn der Frömmling Freigeisterei nicht begreift, so sei ihm verziehen.Die Liebe ist ein Ding, das von rechter Führung abhängt.Der Frömmling mit seinem Dünkel und Gebet, und ich mit meiner Trinkerei und Liebesnot -wie wird sich wohl zwischen beiden deine Gnade entscheiden?

NUR DER MENSCH KENNT DIE LIEBE

In der Urewigkeit leuchtete ein Strahl deiner Schönheit aus plötzlicher Offenbarung hervor,die Liebe erschien und warf Feuer in die ganze Welt.Aufstrahlte deine Wange, der Engel sah sie, Liebe empfand er keine,da wurde sie wesentlich Feuer vor Eifersucht und warf sich auf den Menschen.Der Verstand versuchte, an dieser Flamme seine Fackel zu entzünden,ein Blitz der Eifersucht glühte auf und setzte die Welt in Brand.Der Widersacher versuchte, zum Schauplatz des Geheimnisses zu gelangen,eine Hand aus dem Jenseits kam und stiess den Ungehörigen vor die Brust.

Wenn der Schatten des Geliebten auf den Liebenden fällt, was soll sein?Ich bedarf seiner, und er neigt sich mir zu.

Das Gerangel der zweiundsiebzig Glaubensrichtungen musst du jeder einzelnen verzeihen, da sie die Wahrheit nicht kannten, schlugen sie den Weg der Wundererzählung ein.

Gestern sah ich, wie Engel an die Tür des Wein- hauses klopften.Adams Lehm kneteten sie in einem Pokal.Sie, die Bewohner des heiligsten Schutzraums und des Himmelsreichs der Keuschheit,tranken mit mir, dem Strassenhocker, berauschenden Wein.Der Himmel konnte die Last des göttlichen Unter- pfandes nicht tragen,das Los für diese Aufgabe fiel auf mich armen Narren.Gott sei Dank, dass zwischen mir und Ihm Friede eingetreten ist.Die Huris schwingen voll Dankbarkeit darüber tanzend den Becher.


Sufi - von Hüseyn Haybat:

Für einen Sufi ist:

Weisheit
die Kunst gegenüber der Meinung anderer offen und gegenüber
ihren vorgefassten Meinungen tolerant zu sein, während er das
eigene Verständnis vor den Begrenzungen durch Dogmen zu
bewahren versucht.

Religion
der Weg der Befreiung aus der Gefangenschaft in der Illusion,
die entsteht, wenn er sich die Einheit der Liebe,
der menschlichen wie der göttlichen, als Dualität vorstellt.

Spiritualität
der Pozess, alle Aspekte der Selbstbehauptung wegzuräumen,
während er zur selben Zeit nach dem göttlichen Impuls in sich selbst
sucht, der die Quelle und das Ziel aller Schöpfung ist.

Mystik
ein inneres Erwachen zur Realität des Undefinierbaren,
die erfahren wird, wenn die Stimme des Herzens laut ruft:
"Dies ist nicht mein Körper, dies ist der Tempel Gottes."
(aus Hidayat Inayat Khan: Eine Fackel in der Dunkelheit)
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