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Erkennungsmerkmale des evangelischen Christentums
#1
Was ist typisch evangelisch? Was unterscheidet den Protestantismus von der katholischen Kirche? Ich habe gehört, dass es zum einen das "Priestertum aller Gläubigen" sei, das verstehe ich ja noch. Aber welche Merkmale gibt es noch?
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#2
Im Wesentlichen sind es 500 Jahre verweigerte Reformationen der römischen Kirche!

Der protestantische Christ
- kennt keine Heiligenverehrung - auch nicht der Mutter Jesu
- kennt nur zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl
- segnet keine Gegenstände
- feiert Abendmahl mit Brot und Wein als Symbol für die Gemeinschaft mit Christus;
Brot und Wein bleiben dabei Nahrungsmittel (wandeln sich also nicht zu Christus als Leib+Blut)
- die Ehe ist ein weltlich Ding, wie Luther sich ausdrückte
- kennt keine geweihten Priester, lehnt also die 'apostolischer Sukzession' ab
- kennt keine "oberste Instanz" in Glaubensfragen auf Erden;
nur Christus im Wort des Neuen Testaments ist oberste Instanz der evangelischen Kirchen
- kennt keine standardisierte Ohrenbeichte, sondern nur das seelsorgerliche Gespräch
- kennt keine 'Sonntagspflicht'; d. h. die/der evangelische ChristIn besucht den Gottesdienst, wenn sie/er bereit dazu ist

Soweit, ohne Anspruch auf Vollständigkeit!
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#3
(29-10-2008, 00:57)Ekkard schrieb: Im Wesentlichen sind es 500 Jahre verweigerte Reformationen der römischen Kirche!

Der protestantische Christ
- kennt keine Heiligenverehrung - auch nicht der Mutter Jesu
- kennt nur zwei Sakramente: Taufe und Abendmahl
- segnet keine Gegenstände
- feiert Abendmahl mit Brot und Wein als Symbol für die Gemeinschaft mit Christus;
Brot und Wein bleiben dabei Nahrungsmittel (wandeln sich also nicht zu Christus als Leib+Blut)
- die Ehe ist ein weltlich Ding, wie Luther sich ausdrückte
- kennt keine geweihten Priester, lehnt also die 'apostolischer Sukzession' ab
- kennt keine "oberste Instanz" in Glaubensfragen auf Erden;
nur Christus im Wort des Neuen Testaments ist oberste Instanz der evangelischen Kirchen
- kennt keine standardisierte Ohrenbeichte, sondern nur das seelsorgerliche Gespräch
- kennt keine 'Sonntagspflicht'; d. h. die/der evangelische ChristIn besucht den Gottesdienst, wenn sie/er bereit dazu ist

Soweit, ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Jeder Christ ist doch "Eins" mit Christus. Zeremonien und Streitigkeiten, die zu einer weltlichen Spaltung der Christen führen sind Menschenwerk.
Evangelische, katholische oder andere Rechthaber, sollten nicht die Liebe Jesu zu allen Menschen vergessen und ihre Thesen über die Bruderliebe der Christenheit stellen.
Was soll falsch daran sein Heilige zu ehren, die für Jesus und auch für uns gelitten haben und getötet wurden?
Sie sind doch "das Salz der Erde". Soll man es unter den Sand mischen?
Und wieso soll man nicht die Mutter des Heilands der ganzen Menschheit ehren? Das tun sogar die Muslime.
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#4
(04-11-2008, 11:29)indymaya schrieb: Jeder Christ ist doch "Eins" mit Christus.
Das ist über alle Differenzen hinweg auch Konsens unter Christen.
indymaya schrieb:Zeremonien und Streitigkeiten, die zu einer weltlichen Spaltung der Christen führen sind Menschenwerk.
Auch richtig!

indymaya schrieb:Evangelische, katholische oder andere Rechthaber, sollten nicht die Liebe Jesu zu allen Menschen vergessen und ihre Thesen über die Bruderliebe der Christenheit stellen.
Ich unterstelle einmal, dass, von Ausnahmen abgesehen, die geschwisterliche Liebe (Nächstenliebe, Achtung vor dem Nächsten) schon nicht "vergessen" wird. Das eigentliche Problem ist eine Frage von Autorität und Steuerung – also eine Frage des Weges zum Reich Gottes auf Erden.
Dabei spielt die Frage der Solidarität, das moderne Wort für 'Nächstenliebe', eine wichtige, vielleicht die entzweiende Rolle. Die Verfechter einer autoritären Glaubensgemeinschaft sagen: Nur, wenn wir den Glauben rein erhalten und in dieser Form durchsetzen, werden die Menschen in Eintracht miteinander leben (K).
Die Anderen gehen den Weg der freiwilligen Solidarität. Sie überlassen es dem Einzelnen, welchen Weg er geht. Ihr Weg ist jener der Hoffnung auf Einsicht in die Notwendigkeit (P).
Und genau so bilden sich diese Wege P oder K in den Organisationsstrukturen ab.

indymaya schrieb:Was soll falsch daran sein Heilige zu ehren, die für Jesus und auch für uns gelitten haben und getötet wurden?
Daran ist an sich nichts falsch. Der Protestantismus überlässt es nur jedem/r Einzelnen, ob und wie er/sie Personen gedenkt ja verehrt. Für Protestanten haben auch herausragende Persönlichkeiten "weltlichen", sagen wir besser: gemeindlichen Status. Ihrer kann man gedenken, wie dies z. B. für Dietrich Bonhoeffer, Kaj Munk, Franz Jägerstätter und andere gilt (siehe Paul G. Schoenborn "Alphabet der Nachfolge / Märtyrer des politischen Christus).
Nach P ist daran unakzeptabel, dass man (besondere) "Heilige" (die Mutter Jesu eingeschlossen) als Mittler zwischen einem überhöhten Christus und dem Volk verehrt – oder gar anbetet.
Hier hat die römische Lehre im Laufe der Zeit Elemente der Volksfrömmigkeit übernommen, die durch die Reformation mit guten Gründen wieder abgelegt wurden.

Auf was soll man sich denn einigen? Die römische Kirche geht den Weg K (s. o.) und bewahrt, was einmal akzeptiert und eingeführt worden ist, was für den Weg P bei aller Liebe nicht mehr akzeptabel ist.
Beide Wege sind möglich. Beide sind aber grundverschieden.
Meine Ansicht:
Wie an anderen Stellen ausführlicher dargelegt, ist ein akzeptabler, gemeinsamer Weg nur in dem Sinne möglich, wie "die Vielen" (die Heiligen, die Christen, die Ökumene) ihre vielen Wege global auf jene Punkte ausrichten, die unstrittig sind – und da gibt es eine "lange Latte" vor allem in der praktischen Arbeit, an der Basis, ja sogar beim gemeinsamen Feiern, wenn es nicht ausgerechnet die Eucharistie sein muss.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#5
(04-11-2008, 12:31)Ekkard schrieb: Das eigentliche Problem ist eine Frage von Autorität und Steuerung – also eine Frage des Weges zum Reich Gottes auf Erden.
Die Anderen gehen den Weg der freiwilligen Solidarität. Sie überlassen es dem Einzelnen, welchen Weg er geht. Ihr Weg ist jener der Hoffnung auf Einsicht in die Notwendigkeit (P).
Und genau so bilden sich diese Wege P oder K in den Organisationsstrukturen ab.


Auf was soll man sich denn einigen?

Jesus sagt: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" (Joh. 18,36)
Also gibt es die Frage zum Reich Gottes auf Erden nur für Muslime, die zwar Jesus als Propheten verehren, aber nicht auf sein Wort hören und auch einen "Gottesstaat" wollen, um die Gläubigen zu reglementieren.
Wie auch bei K. und P. obwohl hier bei P. behauptet wird, daß jedem sein Weg selbst überlassen wird, was aber durch die erwähnten "Organisationsstrukturen" und aufgestellten Thesen widerlegt ist. Wären Worte Jesu oberste Instanz, dürfte sich niemand an Kriegen beteiligen und es gäbe nicht Übersatte und Verhungerte.
Nur wenn ein Christ auf die Worte Jesu hört und danach handelt, ist es das wahre Gedenken an Jesus. Dann kann er Hostien essen, Brot essen, Wein trinken, gucken wie jemand Wein trinkt, Abendmahl einfach so feiern, ohrenbeichten oder plaudern, die Mutter Jesu verehren, Heilige um Fürbitte anrufen, Fleisch essen, kein Fleisch essen; weil all das unwesentliche "Peanats" sind.
Ich glaube, das Reich Gottes ist in den Herzen der Menschen die Jesus zum König haben. Sie sind Bürger des Himmelreichs ob sie nun leben oder gestorben sind.
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#6
(05-11-2008, 09:59)indymaya schrieb: Jesus sagt: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" (Joh. 18,36)
Also gibt es die Frage zum Reich Gottes auf Erden nur für Muslime, die zwar Jesus als Propheten verehren, aber nicht auf sein Wort hören und auch einen "Gottesstaat" wollen, um die Gläubigen zu reglementieren.
Die Folgerung vermag beim besten Willen nicht nachzuvollziehen: Das Reich Gottes ist nicht von dieser Welt, kann doch aber unter uns in Nächstenliebe errichtet werden. Was sonst soll Religion überhaupt?

indymaya schrieb:Wie auch bei K. und P. obwohl hier bei P. behauptet wird, daß jedem sein Weg selbst überlassen wird, was aber durch die erwähnten "Organisationsstrukturen" und aufgestellten Thesen widerlegt ist.
Irgendwie verstehe ich diese Behauptung nicht. Der römisch katholische Weg ist der der Dogmen, der protestantische ist der Gemeinde überlassen. Natürlich ist der Einzelne in einer Gemeinschaft nicht völlig frei. Anderenfalls brauchte man keine Ideale, denen man folgt oder folgen sollte. Deine nachfolgenden Ausführungen machen dies sehr deutlich.

indymaya schrieb:Wären Worte Jesu oberste Instanz, dürfte sich niemand an Kriegen beteiligen und es gäbe nicht Übersatte und Verhungerte.
Idealtypisch gesprochen, hast du Recht. Mache dir aber mal klar, wie es zum Hunger kommt. Wenn das alles so "idealtypisch" abliefe, dann hätten die Hilfsorganisationen in kürzester Zeit das Problem im Griff (große Flächen werden nicht beackert, Menschen werden vertrieben, korrupte Herrscher plündern das Volk – das alles können Christen beim besten Willen nicht alles ausbügeln).
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#7
(05-11-2008, 22:19)Ekkard schrieb: das alles können Christen beim besten Willen nicht alles ausbügeln).

Das Evangelium sagt, daß Kriege, Verfolgung und Not bis zum Jüngsten Tag nicht aufhören. Dann wird durch Gott ein Ende gesetzt.
Demnach hat das weltlich Böse jetzt noch Macht und es gilt ihr entgegen zu wirken, so gut man dazu in der Lage ist.
Wie ist es denn mit unserem christlichen Volk: ( Nur 2 Beispiele )
Wir morden in Afghanistan ( Feindesliebe) und stellen über 250 Milliarden
Euro den Banken zur Verfügung, wobei 10 Milliarden ausreichen würden den Hunger in der Welt zubesiegen.
Soviel zum bügeln.
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#8
Na dann wissen wir's endlich!
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#9
(05-11-2008, 22:19)Ekkard schrieb: große Flächen werden nicht beackert, Menschen werden vertrieben, korrupte Herrscher plündern das Volk – das alles können Christen beim besten Willen nicht alles ausbügeln)
..oder bemühen sich, da wo sie könnten, nicht wirklich, weil den Mächtigen unter ihnen andere Eigen-Interessen näher liegen ... Verhungernde Menschen MÜSSTEN wirklich nicht sein ...
Liebet eure Feinde, vielleicht schadet das ihrem Ruf! (Jerci Stanislaw Lec)

Wer will, dass Kirche SO bleibt - will nicht, dass sie bleibt!
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#10
(09-11-2008, 16:17)indymaya schrieb: Wie ist es denn mit unserem christlichen Volk: ( Nur 2 Beispiele )
Wir morden in Afghanistan ( Feindesliebe) und stellen über 250 Milliarden
Euro den Banken zur Verfügung, wobei 10 Milliarden ausreichen würden den Hunger in der Welt zubesiegen.
Soviel zum bügeln.
Ich glaube, es gibt kein "christliches Volk".
"Christlich" sind immer nur einzelne Menschen (die sich dann auch in Gemeinschaften verbinden können), die im Sinne von Jesus Christus leben und Nächstenliebe üben.
Wenn sie "morden", sind sie das nicht mehr.
Ebenso geben nicht Christen an irgendwen "250 Milliarden Euro", sondern Politiker unterschiedlichen Glaubens nach ihrer Einschätzung der Lage.
Was soll das also über das Christentum sagen.
Dass sich Sein und Schein unterscheiden, Menschen behaupten, etwas zu sein und sind es nicht, ist wohl nicht nur im Hinblick auf das Christentum so.
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" (Gustav Mahler nach Thomas Morus)
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