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Heidentum
#1
Mit freundlicher Genehmigung des Autors
Ásaheill ok Vana,
Lokisen



Heidentum - die „andere" Religion
von Asfrid Gotiling

Obwohl über das Heidentum noch immer viel Unsinn verbreitet wird, dürfte zumindest in der sogenannten spirituellen Szene – bei Menschen, die geistig-religiösen Alternativen offen und informiert gegenüberstehen – halbwegs klar sein, dass es dabei nicht um eine neue Religion oder Sekte geht, sondern um die natürlichste, selbstverständliche Sache, die es in der Welt der Religionen gibt, etwas, das in jedem Land der Erde mit seinen Menschen hervorgewachsen ist und sie seit jeher begleitet hat: seine eingeborene Naturreligion. Wie die native Americans oder eingeborene Afrikaner, die sich heute in wachsender Zahl wieder stolz zu ihren traditionellen Religionen bekennen, finden auch immer mehr native Europeans in den spirituellen Traditionen ihrer „vorchristlichen" Ahnen einen Zugang zum Heiligen, der langsam auch von Nichtheiden akzeptiert und als gleichwertig anerkannt wird.

Darin liegt aber auch ein Problem. Wer das Heidentum anderen, nichtheidnischen Religionen gleichstellt, bestätigt ihm nicht immer nur eine gleiche Würde und Ernsthaftigkeit, wie es der Respekt vor den religiösen Überzeugungen aller Menschen gebietet, sondern verfällt oft auch dem Irrtum, es wäre inhaltlich ebenfalls mehr oder weniger gleich oder doch im großen und ganzen auf die gleichen Ziele und Vorstellungen ausgerichtet – eine Religion wie alle anderen, von denen ein beliebter Gemeinplatz behauptet, dass sie doch letzten Endes „alle das gleiche meinen." Das ist bequem für alle, die ein einseitiges Verständnis von Religion vor der Irritation durch Andersartiges zu retten suchen, und eine Krücke für manche, die halb auf dem Weg zum Heidentum sind, aber den Sprung in eine völlig neue, unbekannte geistige Welt noch nicht ganz wagen. Für manche Seminarleiter und Buchautoren am boomenden Esoterikmarkt ist es auch nur eine gute Ausrede, um alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen zu können. Für echte Heiden ist es ganz einfach unrichtig.

Denn wie immer man Heidentum verstehen mag, eines ist es – sofern es wirklich Heidentum und kein Verschnitt ist – auf jeden Fall: Naturreligion. Damit aber unterscheidet es sich von allen Lehren, deren „Reich nicht von dieser Welt ist", so grundlegend, dass es nicht bloß als eine andere Form, sondern als völlig andere Art von Religion betrachtet werden muss. Es hat nicht nur andere Mythen und Riten als das Christentum und ähnliche Glaubenssysteme, deren Vergleich zu der Ansicht führte, dass „alle das gleiche" meinten. Als Naturreligion meint es auch etwas ganz anderes als naturferne, weltabgewandte Lehren, die den Sinn der Welt und des Lebens außerhalb ihrer selbst und das Göttliche in einem fernen Reich jenseits der Wirklichkeit der Natur suchen.

Naturreligion heißt: Das Heilige ist in der Welt und eins mit ihr, die Natur ist göttlich und das Göttliche natürlich. Etwas „Übernatürliches" gibt es im Heidentum nicht – und damit ist der gängige Begriff von Religion als „Hinwendung zum Übernatürlichen" hinfällig. Religion überhaupt muss neu definiert werden.

Wenn sich aber schon an den Grundprämissen ihrer Weltsichten die Geister scheiden, liegt der Unterschied zwischen heidnischen und nichtheidnischen Religionen nicht erst auf der Ebene der einzelnen Inhalte, sondern bereits in den Grundvoraussetzungen ihres Denkens und Erkennens, in ihren Paradigmen. Der Wissenschaftshistoriker Thomas Kuhn, der diesen Begriff eingeführt hat, erklärt ein Paradigma (griechisch: „Vorbild") als eine Konstellation von Überzeugungen, Wertvorstellungen und Techniken, die von den Wissenschaftlern eines bestimmten Fachs zu einer bestimmten Zeit geteilt und akzeptiert werden. Es ist die gemeinsame Weltanschauung dieser Wissenschaftler und das vorgegebene Denkmuster, nach dem sie die Phänomene ordnen, beschreiben und erklären, ja oft die Bedingung, unter der Erfahrung überhaupt möglich ist: der Rahmen dessen, was sich überhaupt denken lässt. Neue Erkenntnisse, die sich ins herrschende Paradigma nicht einordnen lassen, setzen sich daher erst durch, wenn sich auch das Paradigma verändert hat – denken wir an Kepler, Galilei oder Darwin. Kuhn geht denn auch davon aus, dass verschiedene Paradigmen grundsätzlich „inkommensurabel" sind: Wissenschaftler, die mit ihnen arbeiten, betrachten die Welt unter völlig verschiedenen Gesichtspunkten, verstehen sie verschieden und sprechen verschiedene Sprachen.

Der Paradigmenbegriff hat sich auch in der Sozialforschung als fruchtbar erwiesen. Er erklärt nicht alle, aber eine ganze Menge der Verständigungsprobleme, die zwischen Menschen mit verschiedenen Weltbildern, Kulturen oder eben auch Religionen auftreten und oft beim besten Willen nicht lösbar sind. Die betroffenen Menschen können einander gar nicht verstehen, denn durch die gegensätzlichen Paradigmen, die sie durch ihre Erziehung und Bildung aufgenommen haben, denken sie völlig verschieden, arbeiten gewissermaßen mit inkompatibler Software. Was für die einen logisch, vernünftig, normal und glaubwürdig ist, erscheint anderen irreal und verrückt, Normen und Werte der einen Seite haben für die andere keine Gültigkeit, Weisheit der einen ist für die anderen albern, das Heiligste einer Religion ist für eine andere Blasphemie, Aberglaube oder ganz ohne Bedeutung. Es ist unverständlich, dass jemand „so etwas glauben" kann, dass das überhaupt etwas mit Religion zu tun haben könnte.

Im Grunde ist das ein alter Hut. „Wir wissen, dass der weiße Mann unsere Wege nicht versteht", erkannte Chief Seattle in der berühmten Rede über das Naturverständnis seines Volkes. Auch Paulus aus Tarsus, der das Christentum nicht nur verkündete, sondern auch sein zentrales Dogma über die Erlösung durch den Kreuzestod Christi schuf und damit als sein eigentlicher Gründer gelten kann, war sich völlig klar darüber, dass er in der heidnischen Welt vor einer geistigen Barriere stand. Seinen Anhängern in Korinth schrieb er (1 Kor 1, 23), seine Lehre sei „den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit". Er bezog sich dabei, obwohl er sich ihrer bewusst war, nicht auf die intellektuelle Schwäche seiner Verkündigung, sondern auf die, wie er es nannte, „ungeistige" oder „fleischliche" Lebenseinstellung der Heiden – ihre „Weltverfallenheit" in einem religiösen Paradigma, das Welt und Gottheit nicht trennte und daher für weltabgewandte Erlösungslehren keinen Platz hatte. „Der ungeistige Mensch nimmt nicht an, was vom Geist Gottes kommt", schrieb Paulus im selben Brief (1 Kor 2, 1-3): „Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen." Die Juden konnten das zwar, aber als konsequente Monotheisten lehnten sie die Vergöttlichung des Menschen Jesus ab. Den Heiden dagegen war die ganze Art dieses Denkens fremd. Sie konnten nichts damit anfangen und empfanden es nur als wirr und unsinnig.

Gegen diese paradigmatische Barriere half es auch nichts, dass sich Generationen christlicher Apologeten (wörtlich: „Verteidiger" vor Gericht, im Alltag eher „Entschuldiger") die Finger krumm schrieben, um das intellektuelle Manko auszugleichen und mit Anleihen bei der „Weisheit der Welt", die sie eigentlich ablehnten, die fehlenden Argumente nachzuliefern. Die griechische Philosophie lieferte dazu das Handwerkszeug, doch das Christentum näherte sich keineswegs dem europäisch-heidnischen Denken an. Es plünderte seinen Wortschatz, sein Welt- und Menschenbild aber blieb ihm fremd. Die Gebildeten der urbanen Oberschicht, an die sich diese nachträgliche Intellektualisierung eines blinden Glaubens wandte, blieben denn auch unbeeindruckt. Einige wenige schrieben Gegendarstellungen, die meisten aber ignorierten das Christentum völlig. Erst als Kaiser Theodosius die traditionelle Bildungsschicht entmachtet und teilweise ausgerottet hatte, konnte sich das christliche Denken etablieren – und nahm prompt eine Umwertung aller bisherigen Vorstellungen von Geist, Vernunft und Logik vor. Augustinus (354 - 430) schob jede rationale Kritik beiseite und erklärte offen: „Credo quia absurdum est. Ich glaube, weil es widersinnig ist."

Diesem Augustinus verdanken wir letztlich auch die irreführende Vorstellung, Religion wäre im Grunde für alle Menschen das gleiche – nämlich Religion nach christlichem Vorbild. „Die Wirklichkeit, die jetzt Christentum genannt wird", schrieb er, „gab es schon bei den Alten. Sie fehlte nicht seit Anbeginn der Menschheit, bis Christus im Fleisch erschien. Von da ab begann die wahre Religion, die schon da war, die christliche zu heißen." 1400 Jahre später präzisierte Friedrich von Hardenberg, alias Novalis, mit deutscher Gründlichkeit: „Es gibt keine Religion, die nicht Christentum wäre." Als Vertreter der „wahren Religion", die „seit Anbeginn der Menschheit" da war, fühlen sich auch die Moslems, die lediglich dem Juden- und Christentum gewisse Teilwahrheiten zugestehen, weil sie inhaltlich verwandt sind. Scheinbar weltoffene und tolerante Theorien von „universaler Religion" erweisen sich bei näherer Betrachtung als genau das gleiche: Um darin überhaupt Berücksichtigung zu finden, muss eine Religion ausreichende inhaltliche Verwandtschaften zu den „ewigen Wahrheiten" aufweisen, die sie nach christlich-abendländischer Denktradition braucht, um als wahr und weise, als „Hochreligion" oder überhaupt als Religion anerkannt zu werden.

Was Heidentum nicht ist, lässt sich demnach auch daran erkennen, welche religiösen Lehren zu dem – nach christlichen oder von christlicher Tradition bestimmten Kriterien – auserwählten Kreis der „Hochreligionen" gezählt werden. Ganz verlässlich ist das nicht, denn es war nicht gut möglich, Religionen hoch entwickelter Kulturen mit Hunderten Millionen lebender Mitglieder ganz aus diesem Kreis auszuschließen. Aber die Frage, was christlich-abendländische Deuter an einer polytheistischen Religion wie dem Hinduismus oder einer theoretisch atheistischen, in der Praxis mit heidnischen Gottheiten verbundenen Philosophie wie dem Buddhismus als wahr und weise beurteilen, lässt sich eindeutig beantworten: Es sind ausschließlich die dualistischen, weltabgewandten, jenseits- oder erlösungsorientierten Denkmuster, die moralisierenden Weltdeutungen, die Skandalisierung von Leiden und Tod, der Frust an der Vergänglichkeit und die Sehnsucht nach einem Ewigen, Unwandelbaren und Absoluten jenseits der unbeständigen Realität steten Wandelns und Werdens.

So pickt sich die konventionelle Interpretation aus der gewaltigen geistigen Vielfalt Indiens, die auf dreitausend Jahre freier Entwicklung zurückblickt, nur jenen Teil heraus, der ins gewohnte Bild christlich-abendländischen Religionsverständnisses passt, genauso wie einst die christlichen Apologeten aus der griechischen Philosophie nur diejenigen Denker zitierten, die ihnen gelegen kamen, genauso wie jene Althistoriker, die in der – durchaus heterogenen – religiösen Szene der griechisch-römischen Antike die traditionellen, kulturprägenden Naturreligionen als bloße Folklore abtun und höhere Religiosität nur in subkulturellen Mysterienkulten vermuten, und ebenso wie vergleichende Religionsforscher, denen zu Mythen und Riten „primitiver" Kulturen nur vorgefasste Deutungsmuster einfallen, die lediglich ihr eigenes Denken spiegeln – etwa die notorische Fehlinterpretation sexuell betonter weiblicher Kultfiguren ausschließlich als „Fruchtbarkeitsidole", weil in der christlichen Denktradition weibliche Sexualität nur als Mittel zur Fortpflanzung toleriert wird und die Vorstellung, sie könnte etwas an sich selbst Heiliges sein, einfach undenkbar ist.

Wer das Heidentum – die Art von Religion, deren Paradigma im europäischen Kulturkreis seit der Zwangsmissionierung durch christliche Kaiser und Könige unterdrückt und als „ungeistig", fehlerhaft, irreal oder barbarisch und primitiv denunziert wird – verstehen und selbst wieder ausüben will, muss aber genau das tun: das Undenkbare zu denken lernen.

Heidnisch zu denken heißt zuallererst, sich von sämtlichen Vorurteilen der christlich-abendländischen Denktradition zu befreien, jede aus ihr überkommene Vorstellung von Göttlichkeit, Heiligkeit, Diesseits und Jenseits, Natur und Mensch zu hinterfragen und nichts als bekannt vorauszusetzen.

Dinge, die einander scheinbar gleichen, sind oft ganz verschieden: Die keltische Anderswelt ist kein weltfernes Jenseits, sondern inmitten der Alltagswelt gegenwärtig und untrennbar mit ihr verwoben, die neun Welten im germanischen Mythos sind durch den Weltbaum Yggdrasil sogar ein einziger lebender Organismus, das Schicksal ist keine von außen gelenkte Vorsehung, sondern ein immanentes Kausalgesetz, Seele und Geist nicht vom Körper getrennt und die Wiedergeburt kein wiederkehrendes Leid, das Erlösung verlangt, sondern ein Aspekt des natürlichen Kreislaufs von Werden und Vergehen, der heilig und gut ist.

Als Naturreligion ist das Heidentum immer lebensbejahend. Eben deshalb, weil es das Heilige in der Natur findet, ist ihm das Leben in dieser Welt heilig. Es ist durchaus nicht „diesseitig" im oberflächlichen Sinn, denn es weiß, dass die Welt tiefer als ihre Oberfläche ist, wohl aber insofern, als es Sinn und Ziel des Daseins nicht außerhalb seiner selbst, sondern in der Welt und im richtigen Leben sucht.

Heiden streben genauso nach religiösem Heil wie die Anhänger anderer Religionen, doch sie wollen nicht von der Welt geheilt, sondern in der Welt heil werden – ganz (griechisch „holos"), intakt, vollendet und „rund", sowohl im spirituellen als auch im ganz handfesten Sinn: gesund, frei und ein bisschen glücklich. Heidnisches Heil ist das, worum es auch im Christentum den Menschen in Wirklichkeit immer ging, dann nämlich, wenn sie um gesunde Kinder, eine gute Ernte und Frieden beteten. „Gute Ernte und Frieden" (Ár ok friðr) war auch der traditionelle Heilswunsch der heidnischen Wikinger. Dieses Heil ist keine theologische Spekulation, sondern konkret erfahrbar: als Freude an den Segnungen der Natur, als Kraft, Schwierigkeiten zu meisten, und selbst noch im Scheitern, wenn wir mit dieser inneren Kraft auch ihm ins Auge sehen können. Das europäische Heidentum war nie groß im Trösten, aber stets unerreicht darin, in Dichtungen wie der Völsungasaga und der griechischen Tragödie das Scheitern nicht nur schonungslos darzustellen, sondern mit dieser Darstellung auch die Kraft zu vermitteln, es anzunehmen.

Woher aber kommt diese Kraft, an der es Religionen, denen der Weltschmerz nur die Flucht in billigen Trost und Verheißungen eines besseren Jenseits erlaubt, ganz offenbar mangelt?

Zum Teil sicherlich aus der Vitalität früher Kulturen, deren Menschen mit beiden Beinen im Leben standen. Der verwöhnte Prinz Siddharta hielt der Konfrontation mit Krankheit, Alter und Tod nicht mehr stand, er verzweifelte an der Welt und erfand den Buddhismus. Zivilisationskrüppel waren aber auch die Griechen der Spätantike, von denen etliche auf die Erlösungsverheißungen orientalischer Jenseitsmysterien abfuhren, ähnlich wie sich heute frustrierte Stadtneurotiker in den Netzen von Scientology und abstrusen Geheimkulten fangen. Nur – sehr viele, nach der ungebrochenen Beliebtheit der homerischen Götter zu schließen die meisten, verstanden immer noch, warum es Odysseus, dem Kalypso Unsterblichkeit versprach, dennoch vorzog, zu seiner Familie heimzukehren und einmal zu sterben.

Denn genau daher kommt diese Kraft: aus den Wurzeln, die uns von Geburt an mit der Natur und dem Göttlichen, dem Mysterium allen Seins und der Quelle aller Kraft und Stärke verbinden.

Die Familie, die Kette der Generationen bis zurück zum Ursprung des Lebens und vorwärts in ferne Zukunft, ist ein Teil davon, ein anderer ist das Land, dem wir angehören, die Erde, aus der wir gewachsen sind und in die wir zurückkehren werden, und ein dritter, nicht unwesentlicher ist das Bewusstsein darüber. Religion, lateinisch re-ligio, Rückverbindung, ist auch für europäische Heiden, die Eingeborenen unseres Kontinents, genau das, was eingeborene Amerikaner in der Sprache des weißen Mannes die spirituelle Verbundenheit mit der Erde nennen – das Bewusstsein eingeborener Menschen, dass sie eins mit der Erde ihres Landes sind, eins mit der Natur, die sie umgibt, deren Geist in ihnen lebt und in deren Geist sie leben. Diese Natur ist nicht „Umwelt", sondern ein Teil von ihnen. Sie sind keine Fremden in der Welt. Sie sind Verwandte, Angehörige allen Seins.

Deshalb kann man nicht – oder eben nur aus der Sicht eines anderen Paradigmas – behaupten, das Heidentum „übersehe" etwas, sei „blind" für ein angeblich höheres Sein jenseits der Welt oder ließe die Menschen mit ihren letzten Fragen allein. Diese Fragen stellen sich gar nicht. Der Welt – und das heißt, um es noch einmal zu betonen: der Ganzheit des Seins in allen seinen Dimensionen, dem umfassenden Organismus der neun Welten Yggdrasils – fehlt gar nichts, das man in einem „Reich" suchen müsste, das „nicht von dieser Welt ist." Der griechische Philosoph Thales, einer jener ältesten Denker, die in der christlich-abendländischen Tradition als „bloße" Naturphilosophen nur noch eine Nebenrolle spielen durften, während die Hauptrollen spinnigen Metaphysikern zuerkannt wurden, fasste das heidnische Wissen um die Heiligkeit der Natur in einem einzigen Satz: „Alles ist voll von Göttern."

Das höhere Sein, das sie verkörpern, ist nicht irgendwo draußen. Es ist um uns und in uns, seit jeher und immerdar. Wenn wir unsere wahren Ursprünge und Wurzeln in der Natur finden, die ganz ohne Zweifel existiert, greifbar und echt ist, haben wir keinen Grund, sie in einer erdachten Hinterwelt zu vermuten, von der wir bloß glauben könnten, dass es sie gibt.

Das Heidentum ist daher auch kein Glaube. Die Gleichsetzung von Religion und Glaube ist eine protestantische Altlast der deutschen Sprache. Im Heidentum gibt es dafür keine Grundlage. Es unterscheidet sich eben dadurch vom Christentum, dass es anstelle einer autoritären Offenbarung eine freie mythische Überlieferung besitzt, die selbst in Freiheit entstanden ist und frei akzeptiert und kritisiert werden kann, und zum anderen dadurch, dass es an einer solchen Offenbarung auch gar keinen Bedarf hat. Sie würde voraussetzen, dass die Menschen selbst nicht in der Lage wären, das Göttliche zu erfahren, und deshalb Hilfe von außen bräuchten: gleichsam Signale aus dem All, die der ewige Alien schickt, um mit uns in Kontakt zu treten. Seit mindestens 30.000 Jahren – gezählt nach den ältesten erhaltenen religiösen Kunstwerken in den Pyrenäenhöhlen und an der Donau – haben die Heiden in aller Welt bewiesen, dass das nicht nötig ist. Das Heilige gehört derselben Realität an wie wir und ist mit angemessenen Mitteln, die sich millionenfach bewährt haben, durchaus erfahrbar.

Die Aufgabe der Religion ist es daher nicht, Lehren zu verkünden und Glauben an sie zu predigen, sondern in seiner Tradition diese bewährten Mittel zur eigenen religiösen Erfahrung jedes Menschen bereitzustellen oder, wie die Wicca-Heidin Viviane Crowley schreibt, „uns zu befähigen, das Universum zu erfahren, um so zu unserem eigenen Verständnis über seine Natur und seinen Sinn zu gelangen." Somit ist Heidentum selbstbestimmte Erfahrungsreligion. Es ist im ganz persönlichen Sinn die eigene Religion jedes einzelnen Heiden.

Zugleich ist es aber die eigene Religion seines Landes, seiner Kultur und Geschichte. Es ist keltisches, finnisches, russisches oder japanisches Heidentum, native American und traditional African religion, englisches Wicca und nordische Ásatrú. Die Vielfalt und Verschiedenheit der heidnischen Traditionen ist notwendig und richtig, denn sie kommt aus der Vielfalt der Natur, die überall anders ist, und der Verschiedenheit kultureller und historischer Erfahrungen. Im Heidentum wird der Mensch nicht auf das „allgemein Menschliche" reduziert, das ihn zwar mit allen Menschen ein wenig, aber mit niemandem fest und ganz verbindet. Der „Mensch an sich" ist keine konkrete Person, nur ein auswechselbares Individuum ohne Eigenart, Ursprung und Platz in der Welt. Er ist nirgends zu Hause und überall fremd.

Daher legen Heiden Wert auf historische und kulturelle Verwurzelung, knüpfen an die Tradition ihrer Vorfahren und ihres Landes an und begnügen sich nicht mit individueller Selbstverwirklichung und persönlicher Reifung. Eine rein kontemplative, nur auf Erhöhung und Weisheit des einzelnen zielende Tradition gab es im alten Heidentum ebenso wenig wie eine eigentlich elitäre, geheimbündlerische. Selbst die Druiden waren keine abgehobene Elite, sondern hatten mit ihrem Wissen, ihrer geistigen Stärke und ihren magischen, seherischen und heilenden Kräften in erster Linie eine gesellschaftliche Aufgabe zu erfüllen.

Nur in dieser Einheit von ökologischer, sozialer und traditioneller Verwurzelung und Verantwortung kann sich das Heidentum auch als eigene Religion jedes einzelnen verwirklichen.

Als Lebewesen, die nicht für sich allein existieren, können wir nur in dieser Einheit ganz und heil werden, nur in ihr sind wir überhaupt wir selbst. „Erkenne dich selbst", der Rat des Apollon von Delphi, ist keine Aufforderung zu selbstgenügsamer Nabelbeschau, und „Du selber leite dich selbst", wie die Seherin Groa in der Edda sagt, keine Ermunterung zur Beliebigkeit oder zu der in heutigen Esoterikerkreisen so weit verbreiteten unbekümmerten Mischung verschiedener Traditionen zu einem indifferenten Brei nur sehr lose und künstlich verbundener Ideen. Man mag einwenden, dass auch in diesem Beitrag Griechen, Germanen und Kelten bunt durcheinander zitiert werden, doch ich denke hinreichend gezeigt zu haben, dass deren Traditionen als Ausprägungen ein und desselben religiösen Paradigmas mit Recht vergleichbar sind. Von einer Mischung heterogener Traditionen, etwa Runen und Kabbalistik, keltischer und buddhistischer Wiedergeburtslehren, Theosophie und schamanischer Erfahrung, kann man das nicht behaupten. Es ist zwar durchaus begrüßenswert, wenn sich esoterisch orientierte Menschen nun endlich auch mit den eingeborenen Traditionen der eigenen Länder und Kulturen beschäftigen, statt immer nur stur nach dem Osten zu blicken, doch es muss auch klar sein, dass sich heidnische Elemente nicht in das bestehende Schema einordnen lassen.

Die landläufige Esoterik verfolgt sein gut zweitausend Jahren, seit sie sich aus den gnostischen, neoplatonischen und manichäischen Hinterwelt-Philosophien der Spätantike entwickelt hat, ein im Grundprinzip dualistisches Schema, das geistige Höherentwicklung als Abkehr von allem zu Irdischen, Materiellen und menschlich Natürlichen sieht. Weltabgewandtheit, Missachtung des sterblichen Lebens, Körper- und Sexualfeindlichkeit gehören trotz allen heute offenbar nötigen Gegenbehauptungen zum Grundrepertoire esoterischer Lehren, die auf „Vergeistigung" zielen und eine Selbstverwirklichung anstreben, die eigentlich Selbsterlösung ist, also letztlich nur das christliche durch das buddhistische Modell ersetzt. Damit bietet die traditionelle abendländische Esoterik keine wirkliche Alternative. Sie ist nur eine weitere Variante im Spektrum naturferner Hinterwelt- und Erlösungslehren, die mit Versatzstücken heterogener Traditionen ihr eigenes, Nichteingeweihten verschlossenes „Reich" schafft, das „nicht von dieser Welt" ist – und nicht von dieser Gesellschaft, denn die selbsternannte Elite der Eingeweihten besteht eben nicht aus Druiden und Medizinmännern, die ihrem Stamm dienen, sondern ist lediglich an ihrer eigenen, individuellen Vervollkommnung interessiert.

Ich will nicht alle Esoteriker in einen Topf werfen, aber was heute im Großen und Ganzen im Handel ist, bestätigt meine Behauptung, dass das Heidentum der einzige gangbare Weg ist, der aus der Entfremdung und Entwurzelung des modernen Menschen hinausführt, ihn wieder mit seinen wirklichen Ursprüngen in der Natur und im Göttlichen in Verbindung und Einklang setzt und ihm ermöglicht, sein eigenes Wesen als Kind der Natur und der Götter, seines Landes und seiner Kultur und Geschichte, als in seinem Dasein geborgener, freier und für sich selbst und die Seinen verantwortlicher Angehöriger seiner menschlichen und nichtmenschlichen Mitwelt erfüllen, verwirklichen und vollenden zu können. Keine elitäre Selbstverwirklichung auf „rein geistiger" Ebene, keine beliebig-synkretistische Heilslehre ohne konkrete Wurzeln, sondern einzig das heidnische Paradigma der Einheit von Natur und Gottheit, der bewussten Bindung an Erde, Ahnen und Sippe, des Dienstes der Religion am Heil aller auf allen Ebenen des Lebens und ihrer Verwurzelung in der eigenen, eingeborenen Tradition ist imstande, uns nach all den Jahrhunderten geistiger Fremdbestimmung durch autoritäre Glaubenslehren wieder auf den Weg eigenständiger religiöser Erfahrung zu führen.

Der Markt ist voll von Lehren, deren „Reich nicht von dieser Welt" ist. Sie unterscheiden sich nur dem Namen nach voneinander. Das Heidentum, die einzige wirklich „andere" Religion, ist die einzige wirkliche Alternative.
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#2
puh! durchglesen :wink:
ein schöner text, wenn auch ziemlich lang. allerdings würde ich nicht sagen, das alle religionen wirklich verschieden sind.
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#3
Zitat: abstrusen Geheimkulten
zählst du den discordianismus auch dazu?
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#4
WOW, das ist mal ein Hammertext...
hab bisher erst ein paar wenige Zeilen davon gelesen, werde den Rest aber nachholen und dann meine Meinung dazu posten...

Sehe nämlich auch ein oder zwei dinge anders...


Blessings,


Heiko
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#5
zum glück sitze ich den ganzen tag am rechner und kann neben der fb auch im internet arbeiten :D
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#6
(04-02-2003, 23:44)Lokisen schrieb: Mit freundlicher Genehmigung des Autors
Ásaheill ok Vana,
Lokisen



  Heidentum - die „andere" Religion 
  von Asfrid Gotiling 
     
  Obwohl über das Heidentum noch immer viel Unsinn verbreitet wird, dürfte zumindest in der sogenannten
 
Der Markt ist voll von Lehren, deren „Reich nicht von dieser Welt" ist. Sie unterscheiden sich nur dem Namen nach voneinander. Das Heidentum, die einzige wirklich „andere" Religion, ist die einzige wirkliche Alternative.
.
das heidentum und ihre vernichtung durch das christentum
ich würde der autorin zwar die wissenschaftlichkeit ihres beitrags nicht abssprechen, aber der text  ist viel zu theoretisch.
interessanter ist es vermutlich über das verhältnis vom heiden  zum christentum zu sprechen.
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das christentum ist der meinung, die wahre hochreligion zu sein. ändert aber nichts daran, dass sie viele kulturen niedergemacht hat. da es sich beim christentum  um eine  gewaltsam missionierenden  glauben handelte, wurde das bereits spätestens klar, seit die christen im staat und gesellschaft bestimmten. kaum fühlten sie sich stärker, gehen sie entschieden vor und diffamieren die tradierte kultur, die alte religion und setzten ihre ansichten  mit feuer und schwert  gegen die "zurückgebliebenen" heiden durch. sie berauben, demolierten, vernichteten die tempel. sie kassierten den  besitz der verfolgten. sie bereicherten sich am  am erbe der hingerichteten. mönche stürmten die kultstätten der "heiden" die sich nicht taufen lassen wollten. aufgeputschte massen, die den neuen predigern nachlaufen massakrieren die heiden.
aus einem schreiben des  hl. augustinus 408, indem der kirchenvater den einsatz staatlicher gewaltmittel gegen häretiker und heiden, nachdrücklich rechtfertigt. die gewaltmittel umfassen, die konfiskation des vermögens, den verlust des ebrechts, das verbot zu kaufen oder zu verkaufen und schliesslich die verbannung. alles in allem die vernichtung der bürgerlichen existenz. (an vinc v.19).
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#7
(26-02-2020, 22:41)edi schrieb: das heidentum und ihre vernichtung durch das christentum

Ganz "ohne" sind die Heiden auch nicht gewesen, wie man an ihren kultischen Bräuchen feststellen kann. Siehe z.B. Moorleichen aus der Bronze- und Eisenzeit)
Angst vor den Launen oder dem Missmut der Götter und deren Allmacht als Herrscher über das jeweils eigene Schicksal oder auch dem der eigenen Sippe, hat die Menschen seit jeher zu grausamsten Opferkulten beflügelt...
So viele Menschenopfer... wie die Christen ihrem Jesus und dessen angeblichen Vater im Himmel dargebracht haben..
da können vielleicht höchsten noch die alten Ureinwohner Südamerikas ein bisschen mitreden. Aber dass diese bei diesem Massaker an Unwürdigen (Un-Gläubigen) auch mithalten konnten..... Viele Archäologen und Anthropologen bezweifeln es.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#8
Ich beurteile Religionen in erster Linie nach ihrer sozialintegrativen Kraft. Und im Streit zwischen Universalisten und Identitären steht eine auf uralten lokalen Traditionen
beruhende Naturreligion auf der falschen Seite. Naturreligionen fehlt aus meiner Sicht ein ethisches Konzept. Ich kann ungefähr alles als natürlich erklären, weil der Mensch nunmal auch ein Teil der Natur ist. Wir haben in Deutschland den Begriff der Menschenwürde als übernatürliches ethisches Grundkonzept. Eine Hinwendung zu germanischen Naturreligionen (sind diese überhaupt überliefert?) mag zwar Einzelnen hier und da Glück bringen, gesamtgesellschaftlich scheint mir das ein Irrweg zu sein.
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#9
Ich möchte dem zustimmen!
Als richtig empfinde ich:
Traditionen sind ein ziemlicher Etikettenschwindel. Denn sie werden geprägt von Menschen mit ihren sehr ungenauen Gefühlen, von Interessengruppen oder mythischen Erzählungen, die ganz oder teilweise erfunden sind.
Und:
Auch Naturreligionen sind auf irgendwelche ethische Festlegungen (Vereinbarungen) beschränkt. Denn es gibt keine in der Natur gegebene oder herleitbare Ethik. Man erkennt das schon daran, dass ethische Forderungen Gewinner und Verlierer haben. Nicht einmal die Menschenwürde ist ohne Nachteile für jene, die in irgendeiner Form anders sind als die Mehrheitsgesellschaft (Kämpfernaturen, Menschen ohne Gemeinsinn oder Spiegelneuronen).
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#10
(29-02-2020, 19:02)Ekkard schrieb: Auch Naturreligionen sind auf irgendwelche ethische Festlegungen (Vereinbarungen) beschränkt.

Natur-Religionen..
Habe noch nie verstanden, was eigentlich der Unterschied zwischen den Natur-Religionen und den Religionen überhaupt ist.

Die "Schwarmdynamik" eines Schwarmes.

Kultivierter Opportunismus...
Zusammen ist das Überleben einfacher.  Die Energie die ein einzelnes Individuum aufbringen muss/te, um nicht zu verhungern, zu erfrieren, zu verdursten und bei aller Ungewissheit, was die Zukunft noch bringen wird.

Die Natur hat weder Respekt vor dem Willen der Götter noch vor dem des Menschen. Selbst Jesus soll einen Feigenbaum verflucht haben, weil dieser nicht wollte wie er..


Auch die Angst vor dem Ungewissen
lässt sich in der Gruppe leichter ertragen. Im Schwarm fühlt man sich sicherer.
Auch das eigene Gehirn verbraucht weniger Energie.

Dogmen/Religionen/Vereinbarungen helfen dem Hirn Energie zu sparen...
Vereinbarungen gibt es auch bei den Wölfen im Rudel und sogar bei der Mafia. (Die Ehre des Onorevole - Ehre sei dem dem Ehre gebührt)
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#11
Beitrag # 8
(29-02-2020, 11:16)Thomas der Ungläubige schrieb: . . . Naturreligion . . . Naturreligionen . . . Naturreligionen . . .


Das Wort "Naturreligion" ist etwas schwammig, da wohl jeder etwas anderes darunter versteht.
War die Abrahamitische Religion vor 4000 Jahren eine Art Naturreligion ?
Als die Sippe Abraham aus dem Zweistromland auszog oder vertrieben wurde, gab es noch kein "Buch" - die Bücher Mose entstanden erst 500 Jahre später.

Abraham war ohne zu murren bereit, seinen Sohn zu opfern.
Dies erweckt bei manchen Menschen Assoziationen zu den Azteken.

Rachel packte die Teraphim (Götterfigurinen) liebevoll in die Satteltasche und führte sie beim Umzug mit zum neuen Heim - statt sie empört in den Sand zu werfen. Was waren diese Teraphim ? Diese rätselhaften Götterfigurinen der alten Zeit wurden ganz selbstverständlich beim Umzug mitgenommen . . . klingt nicht sehr monotheistisch . . . und erweckt bei manchen Menschen Assoziationen zu den altrömischen Götterfigurinen (Laren und Penaten)
Da gibt es eine interessante Diskussion unter den Theologen
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#12
(29-02-2020, 20:58)Sinai schrieb: Das Wort "Naturreligion" ist etwas schwammig, da wohl jeder etwas anderes darunter versteht.
War die Abrahamitische Religion vor 4000 Jahren eine Art Naturreligion?
"Naturreligion" erscheint mir keineswegs so schwammig, wie die Vorbeiträge unterstellen.

Naturreligion ist die Ansicht, dass Phänomene unserer Welt für göttlich, heilig oder verehrungswürdig gehalten werden. Die Phänomene können nach heutiger Kenntnis meteorologische Phänomene sein, aber auch Fluten, Wechsel der Jahreszeiten, Quellen, Bäume, Tiere usw.
Es ging ursprünglich um (Neo-) Heidentum. Dort scheint es, nach dem Startbeitrag zu urteilen, auch um landschaftliche und klimatische Eigenarten zu gehen sowie die Art, wie Menschen mit ihrer Umgebung umgehen.

Ich teile die Begeisterung für das Heidentum (und deren Naturverehrung) keineswegs, obwohl es uns gut passen würde, unserer klimatischen Situation deutlich mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Aber das werden wir nicht durch eine Rückkehr in die Zeit vor Erfindung der Götter erreichen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#13
(29-02-2020, 23:59)Ekkard schrieb:
(29-02-2020, 20:58)Sinai schrieb: Das Wort "Naturreligion" ist etwas schwammig, da wohl jeder etwas anderes darunter versteht.
War die Abrahamitische Religion vor 4000 Jahren eine Art Naturreligion?
"Naturreligion" erscheint mir keineswegs so schwammig, wie die Vorbeiträge unterstellen.


"Der Sammelbegriff Naturreligion ist eine heute von vielen Ethnologen und Religionswissenschaftlern als veraltet und irreführend abgelehnte Bezeichnung für die ethnischen Religionen schriftloser Kulturen."
Naturreligion (Begriff) - Wikipedia
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#14
Wie Ekkard sagte, geht's hier eigentlich um Neo-Paganismus. In diesem spezifischen Fall ist also schon klar, was gemeint ist. Adamea hat den Naturaspekt dieses Denkens ja auch irgendwie in ihre Weltsicht integriert.

Im Prinzip wissen wir herzlich wenig ueber alte heidnische Braeuche. Dass Menschenopfer verbreitet waren, scheint aber klar zu sein. Die Geschichte um Jakob und Isaak thematisiert ja im Prinzip den Zeitpunkt, an dem das Judentum diesen spezifischen Brauch der alten kanaanaeischen Religionen abstreifte, was die meisten von uns wohl als zivilisatorischen Fortschritt begreifen.

Was Heidentum angeht, so scheinen mir die Vorstellungen davon meist idealisierte Projektionen eigener Wunschvorstellungen zu sein. Wo fast nichts bekannt ist, wird halt heftig "ergaenzt". Selbst Archaeologen waren davor nicht immer gefeit. Es brauchte ein paar Jahrzehnte, um auch alte archaeologische Interpretationen von oft unbegruendeten Spekulationen zu entruempeln. Nur ist davon im oeffentlichen Diskurs oft genug nur wenig angekommen, da die meisten Zuhoerer eine schoene Geschichte immer irgendeinem langweiligen "wir wissen es nicht" vorziehen.
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