31-07-2004, 00:32
Hallo EinerVonVielen!
Als Physikstudent solltest du Solches verinnerlicht haben.
Wunder sind Glaubensaussagen, keine Dogmen im engeren Sinne. Sie haben mit der experimentellen Laborsituation nicht das Geringste zu tun. Sie können sehr wohl geschehen sein, jedenfalls drücken sie einen Glaubensinhalt aus, der das Staunen über die Fügungen Gottes in die Religionslehre einführt.
An WiTaimre
Zu Deiner Verteidigung muss man wie im Falle Galilei einräumen, dass sich die Glaubensgemeinschaften ebenfalls durch vielerlei Ebenen-Verwechslungen hervorgetan haben - und es weiterhin tun. Sie sind nicht frei davon, die Mittel der Religion als Instrument zur Unterdrückung angewandt zu haben - oder heute die Finger davon zu lassen. Aber eins ist sicher, die Naturwissenschaft sagt uns nichts über die Bedeutung ihrer Erkenntnisse und den Sinn weiterer Fragestellungen. Dies alles folgt allein aus den Vereinbarungen über das, was gut und böse ist (also der geistigen Metaebene entspringt).
EinerVonVielen schrieb:Definition Dogma:Ich denke, das ist zu eng gefasst. Dogmen sind Teile einer Lehre, die fest legen, wie ein Sachverhalt interpretiert werden soll. Sie sind also Unterscheidungsmerkmale zu anderen Lehren.
Ein Dogma (griech. Beschluss, Lehrsatz) ist eine Basisaussage, die von einer Gruppe von Menschen als grundlegend und nicht verhandelbar für eine Religion, Weltanschauung oder Wissenschaft festgelegt oder erkannt wurde.
EinerVonVielen schrieb:Als Religionsdogmen werden von mir folgende Punkte angesehen:Du verstößt an dieser Stelle gegen die wissenschaftliche Methode. Diese verlangt, dass nur das zu betrachten ist, was sich wenigstens im Prinzip jederzeit und von jedermann wiederholen lässt. Dies ist ein sehr erfolgreiches Prinzip, das m. W. nur beim Urknall seine Grenze findet. Die naturwissenschaftliche Methode betrachtet keine Wunder.
1. Wunder:
Wunder erfordern, dass die Naturgesetze beliebig ein- und ausgeschaltet werden könnten. Bisher konnten solche Erscheinungen nicht objektiv nachgewiesen werden.
Als Physikstudent solltest du Solches verinnerlicht haben.
Wunder sind Glaubensaussagen, keine Dogmen im engeren Sinne. Sie haben mit der experimentellen Laborsituation nicht das Geringste zu tun. Sie können sehr wohl geschehen sein, jedenfalls drücken sie einen Glaubensinhalt aus, der das Staunen über die Fügungen Gottes in die Religionslehre einführt.
EinerVonVielen schrieb:Maria JungfrauengeburtAuch hier wird keine Naturgesetz ausgehebelt. Im übrigen muss man die Sachlage besser kennen. Es geht um das Dogma der unbefleckten Empfängnis Mariens. Nicht Jesus wurde unbefleckt (also scheinbar ohne den Samen Josephs) empfangen, sondern Maria selbst wurde von der Erbsünde entfleckt durch einen Reinigungsakt (jetzt habe ich nur vergessen durch welchen Vorgang). Im übrigen war Jungfrau ein Ehrentitel, den die Israeliten aus Ägypten kannten. Die Mutter des Pharao wurde zur Jungfrau, wenn ihr Sohn den Thron bestieg.
EinerVonVielen schrieb:Jesus AuferstehungDiese Lehre ist in erster Linie ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Religionen. Außerdem ist sie eine Fortsetzungsgeschichte zur Erfüllung alter Prophezeiungen. Jesus ist auferstanden ist dasselbe, wie der heute vielfach verwendete Spruch Jesus lebt oder Jesus für Dich. Die geistliche Auferstehung widerspricht auf ihrer Metaebene nicht den Festlegungen auf der Metaebene der naturwissenschaftlichen Methodik. Wir Christen betrachten den Christus als den Auferstandenen. Damit betrachten wir uns selbst als Auferstehende unabhängig davon, was uns eine allein auf diese Welt bezogene Methode an Welt-Erkenntnissen beschert hat oder bescheren wird.
EinerVonVielen schrieb:Es existiert kein weiterer Beweis als menschliche Überlieferungen, das diese Wunder, die gänzlich gegen medizinische, biologische, chemische, physikalische und mathematische Naturgesetze verstoßen, eingetreten sind!Es existiert überhaupt kein Beweis. WiTaimre hat an anderer Stelle auf die Juristerei verwiesen. Beweise mir das Grundgesetz! Klar ist das Blödsinn, aber eine Forderung nach einem Beweis für Glaubensaussagen stehen auf exakt diesem Brett. Ich lasse mal alles weitere aus, wo du um Beweise ringst. Es gilt immer das unsinnige Verlangen nach einem Beweis, was schlicht Vereinbarung ist.
EinerVonVielen schrieb:Die SchöpfungsgeschichteDie Genesis ist doch eine wunderschöne Werdensgeschichte, welche die Befindlichkeit des Menschen schildert - des Menschen als eines Geschöpfes der einen Schöpfermacht, die auch die Welt gemacht hat. Und wenn der Herr die Welt mittels Seiner Natur so gemacht hat, dann bleibt diese Werdensgeschichte dennoch wahr im Sinne eines schier überwältigenden Glaubensbekenntnisses. (Von Beweisen sage ich jetzt nichts mehr!)
EinerVonVielen schrieb:James Usher (1581 - 1656), ein irischer Theologe, stellte durch Auswertung von genealogischen Tabellen des Alten Testaments eine Berechnung des Erdalters an: Er kam zu dem Schluss, Gott habe die Schöpfung der Erde am Sonntag, dem 23. Oktober 4004 vor Christus um 8.00 Uhr morgens abgeschlossen .Der gute Usher hat denselben Fehler gemacht, wie du - nur war er entweder ein Scherzbold oder ein Narr. Wer Glaubensbekenntnisse mit beweisbaren Tatsachen verwechselt, hat seine Philosophie-Hausaufgaben schlicht nicht gemacht.
EinerVonVielen schrieb:Wie kann also ein Mensch, der durchschnittlich 180 cm groß ist denken, das er ein Auserwählter Gottes ist? Bei diesen Dimensionen! Und warum sollte Gott denn etwas so unfassbar großes wie das Universum erschaffen, um nur auf einen fast verschwinden kleinen Teil, der erst so kurz existiert, Wesen seines Abbildes zu erschaffen, aus denen er dann auch nur einen verschwindend kleinen Teil rettet?Ein Glaubensinhalt ist der: Gott ist überall, insbesondere da, wo sich Leben vollzieht. Also ist ER auch bei mir, in mir. Solange ich mich nicht selbst verleugne, vergisst mich Gott nicht. Der verschwindend kleine Teil denkt immerhin an Gott, betet und meditiert, findet Sinn im Leben - und lebt. Die astronomische Skale mag ja auch irgendwie in einem weiten Sinne leben, aber bei uns ist das Wunder in einem höchst kompakten Raumbereich verwirklicht. Wir haben einfach das Glück, von Gott eben nicht vergessen worden zu sein. Das macht den Glauben der drei abrahamitischen Religionen aus - allen voran das Judentum.
An WiTaimre
EinerVonVielen schrieb:Jedoch bist du nicht in der Lage den Kern meiner Argumentation zu widerlegen. Nein, du ziehst die nur ins lächerliche, oder versuchst es zumindest!Sorry, ich habe WiTaimres Erwiderung mit großer Genugtuung gelesen. Du verwechselst tatsächlich die Ebenen. Glaube vollzieht sich in der Vereinbarungsebene, wo z.B. auch die Grundsätze der wissenschaftlichen Methode (wie Wiederholbarkeit, zeitliche/örtliche Bestimmtheit, intellektuelle Redlichkeit usw.) postuliert werden. So wenig sinnvoll es ist, das Grundgesetz zu beweisen, so wenig vermögen die Erkenntnisse durch die wissenschaftliche Methode den Glauben zu widerlegen - und umgekehrt (insofern stimmen eine Reihe von Überlegungen in Sachen Galileo Galilei).
Zu Deiner Verteidigung muss man wie im Falle Galilei einräumen, dass sich die Glaubensgemeinschaften ebenfalls durch vielerlei Ebenen-Verwechslungen hervorgetan haben - und es weiterhin tun. Sie sind nicht frei davon, die Mittel der Religion als Instrument zur Unterdrückung angewandt zu haben - oder heute die Finger davon zu lassen. Aber eins ist sicher, die Naturwissenschaft sagt uns nichts über die Bedeutung ihrer Erkenntnisse und den Sinn weiterer Fragestellungen. Dies alles folgt allein aus den Vereinbarungen über das, was gut und böse ist (also der geistigen Metaebene entspringt).
EinerVonVielen schrieb:Denn eines haben alle Religionen gleich! Es existiert kein Beweis für ihre Wahrhaftigkeit!In Ordnung, beweise das Grundgesetz!
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Ekkard

