07-07-2004, 12:45
Gerhard schrieb:[... daß diese Entscheidungen vom Geist inspiriert sind, seit hunderten von Jahren allgemeines Glaubensgut der Christlichen Kirchen. LG GerhardDie Stimmen, die auf dem Konzil gegen die Gottgleichheit Jesu stimmten,
waren wohl nicht weniger "vom Geist inspiriert.
Kaiser Konstantin und Athanasius haben sich aber wenig darum gekümmert und die "Gottgleichheit Jesu" durchgeboxt.
Dass das eine heiß umstrittene Sache war,
zeigt schon allein die Dauer des sog. Trinitarischen Streites. Wenn alle so klar in der Bibel steht, wundert man sich doch, warum Kirchenväter, Bischöfe, Theologen Jahrhunderte streiten müssen. Und dann entscheidet ein Kaiser, der noch nicht einmal getauft war. Das hatte wohl der heilige Geist vergessen.
Der Kaiser war froh,
dass er alle Texte, die sein Volk friedlich hielten, ihm untertan machten und Moral in seinem Sinne verkündeten, nun auf Gott zurückführen konnte. So ist es nun mal, wenn man zum Christentum findet, weil man seine Feinde erlledigt bekam.
Alle solche Beschlüsse sind zeitbedingt und immer neu zu überprüfen.
Geistinspiration kann jeder behaupten und ist ja auch von vielen behauptet worden, die alles andere als christlich vorgingen.
Man sollte da lieber mal die Kirchen- und Dogmengeschichte genau studieren, bevor man blind menschliche Beschlüsse Gott selbst zuschreibt.
Ich empfehle sehr Hans Küng: Das Christentum (Serie Piper 2940) dazu (aber auch sonst) zu lesen. Dort werden auch die Zeitumstände berücksichtigt und auch Parallelen zu Judentum und Islam reflektiert.
Bei einer "Staatsreligion" (zur Zeit der Beschlüsse) oder auch einer "Volkskirche" (bis heute) muss man sehr vorsichtig sein, da spielen Macht-, Missions- und Volksfrömmigkeitsaspekte eine große Rolle.
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" (Gustav Mahler nach Thomas Morus)


