05-07-2004, 16:12
Spock schrieb:@ Mandigo: Aber wenn Jesus wirklich göttliche Weitsicht hatte, warum konnte er dann nicht gleich so formulieren oder sich so verhalten, dass es zu jeder Zeit moralisch und ethisch ohne jeden Abstrich gelten würde?Das hat er in seiner Kurzform auch getan:
Matthäus 22
...ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und fragte: 36 Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz? 37 Jesus aber antwortete ihm: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt» (5. Mose 6,5). 38 Dies ist das höchste und größte Gebot. 39 Das andere aber ist dem gleich: «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst» (3. Mose 19,18 ). 40 In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Klarer und zeitloser geht es wohl kaum.
Seine weiteren Aussprüche zu ethischen Fraen sind fast alle in Gleichnissen und Bildern seiner Zeit, damit sie anschaulich zu den damaligen Fragen Antworten gaben. Jede Zeit hat nun einmal ihre Bilder und ihr Weltbild, da kann man nicht "ewige" Formulierungen finden.
Es ist auch gut, dass wir das heute für unsere Zeit verantwortungbewusst in seinem Geist neu formulieren müssen. So sind wir erwachsene Kinder Gottes.
Spock schrieb:Wie siehst du Jh 8, 44, in dem die Juden als Kinder des Teufels (Ihr habt den Teufel zum Vater) dargestellt werden?Dieser Text gehört schon in die frühe Kirche,
die sich vom Judentum abzugrenzen trachtete. Schließlich musste sie sich in der MIssionsarbeit mit eigenem Profil präsentieren, obwohl sie eine jüdische Sekte war. Das ist kein Ausspruch von Jesus, der ja ganz gezielt die jüdische Tora erfüllen wollte (s.o.) und sich zu den Kindern Israels geschickt sah.
Da gibt es eine Menge "Antijudaismen" im Neuen Testament, in denen die Juden belastet und die Römer (Pilatus) entlastet wurden. So ließ es sich im Römischen Reich leben.
Johannes ist in der Sicht der Neutestamentler ein sog. Heidenchrist aus Syrien. Der hatte keine Probleme, die Juden abzuwerten. Im Rahmen des Streitgesprächst klingt das ja noch recht kulant, als Replik auf den Stolz der Juden, Abraham als Vater zu haben.
Es war also im Grunde ein Streit um die Verbindlichkeit jüdischer Normen und ihren "Heilswert". Später spiegelt sich das im sog. Apostelstreit zwischen Petrus und Paulus wider.
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" (Gustav Mahler nach Thomas Morus)


