23-02-2009, 20:42
miriam schrieb:ich hab ein Problem damit, dass die Kirche sagt (hier die katholische) dass sie von Gott eingesetzt wurde...die Kirche ist nie besser wie die Menschen darin...
Nun das gehört aber zum Wesen von Kirche dazu, sonst können wir es auch ideologischen, Trachten- und Folkloreverein nennen.
Das Wort Kirche kommt von griechisch kyriaké und bedeutet „dem Herrn gehörig“. Sie gehört also schon dem Namen nach nicht den Menschen, auch nicht dem Papst und den Bischöfen, sondern dem Herrn, Jesus Christus.
miriam schrieb:die Kirche ist nie besser wie die Menschen darin...
Das stimmt bestimmt in gewisser Weise.
Deswegen sagt das II. Vatikanische Konzil in der dogmatischen Konstitution über die Kirche (Lumen gentium) auch:
"Während aber Christus heilig, schuldlos, unbefleckt war (Hebr 7,26) und Sünde nicht kannte (2 Kor 5,21), sondern allein die Sünden des Volkes zu sühnen gekommen ist (vgl. Hebr 2,17), umfaßt die Kirche Sünder in ihrem eigenen Schoße. Sie ist zugleich heilig und stets der Reinigung bedürftig, sie geht immerfort den Weg der Buße und Erneuerung." (LG 8)
Man kann aber nicht argumentieren: weil dieser oder jener kirchliche Amtsträger, dieser oder jener Gläubige eben nicht sündlos oder fehlerlos ist, ist die Kirche schlecht. Ein alter römischer Grundsatz lautet: Abusus non tollit usum - Der Missbrauch hebt den (rechten Ge-)Brauch nicht auf. Will meinen: Der Missbrauch und das Fehlverhalten Einzelner kann niemals die Sache infrage stellen.
miriam schrieb:und na ja, Kirche ist für mich einfach überkonfessionell
Naja... ist aber kein sehr stichhaltiges Argument, sondern geht eher so in die Richtung: alles über einen Kamm scheren!
Dabei würde dir die katholische Sichtweise sogar zu stimmen. Es gibt nur EINE Kirche, die Kirche Jesu Christi. Zu dieser gehören alle Getauften Christen. Aber nicht jede Organisation die sich so nennt, ist nach ekklesiologischen Punkten Kirche, z.B. wenn sie nicht deren sakramentale Natur hat.
Aber selbst wenn man diese Sicht nicht teilt, wird man zugestehen müssen, dass die unterschiedlichen "Kirchen" ein unterschiedliches Selbstverständnis haben. Wer dies ignoriert, der begeht den fatalen Fehler Probleme und Unterschied zu nivellieren, anstatt sie zu lösen.
miriam schrieb:aber es ist klar, es gibt Glaubenssätze, die zeitlos sind..trotzdem ist die Formulierung nicht zeitlos...sie ist an den Sprachgebrauch gebunden und damit an das veränderliche Denken über Begriffe und ihre Bedeutung..oder?
Da stimme ich dir sogar vollkommen zu.
Dennoch ein Beispiel:
Ich denke wir sind uns einig, dass die Würde des Menschen unantastbar ist (vgl. GG Art. 1)
Die Formulierung wie sie im Artikel 1 des Grundgesetzes steht, ist sicherlich zeitlich gebunden. Andere Zeiten werden diesen Grundsatz anders ausdrücken. Aber das worauf sich dieser Satz bezieht, nämlich das der Mensch eine Würde hat, die nicht angetastet werden darf, ist davon völlig unberührt. Egal wie man es ausdrückt, der Mensch behält diese Würde. Ja sogar selbst dann, wenn dieser Satz geleugnet wird und gefoltert wird.
Diese Wahrheit ist also zeitlich unabhängig. Gleiches gilt auch für die im obigen Beitrag genannten Glaubenswahrheiten.
miriam schrieb:Ich denke, Dogma hat auch was mit Macht zu tun, wenn es eine weltliche (oder auch religiöse) Macht gäb, die die Menschenrechte durchsetzt, hm..wer weiß was dann loswäre...ob wir dann noch die Aussagen der Menschenrechte unterschreiben könnten...
Wirklich hochwertige Rechte müssen vielleicht immer so in der Opposition zur Macht stehen und immer wieder neu formuliert werden...
so wie lebendige Wahrheiten im Gegensatz zum Dogma also eher eine Art Bitte an die Menschheit sein...
Diese Überlegungen kann ich, auch nach oben gesagtem, nicht zustimmen. Der Schutz der Würde des Menschen kann niemals nur eine Bitte sein. Es muss, im kantischen Sinne, ein kategorischer Imperativ an alle sein.
Der Schutz des Lebens und der Würde der Person kann nicht davon abhängen, ob jemand gewillt ist diese Rechte anzuerkennen oder nicht. Sie sind in jedem Falle universales Naturrecht.
Omnis mundi creatura quasi liber et pictura nobis est et speculum.
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Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)
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Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)

