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Das Opfer Abrahams: Zugänge zum Sohnesopfer...
#2
Es freut mich, dass du dieses Thema nochmal aufgreifst, obwohl es scheinbar schonmal besprochen wurde (wovon ich dann noch nichts mitbekommen habe). Es ist gar nicht so lange her, dass ich die Geschichte um Abraham und seinen Sohn Isaak nochmal nachgelesen habe, und vor allem erinnere ich mich daran, wie unheimlich aufwühlend ich sie fand, als ich sie zum ersten mal gelesen habe. Sie gehört auf jeden Fall zu den Bibelstellen, die mich am meisten erschreckt haben, als ich erstmals in der Bibel gelesen habe, weil ich mir dachte, dass es nun (muss so 6. Schulklasse gewesen sein) endlich mal Zeit würde, was über die Religion zu wissen, mit der ich aufgewachsen war.

Darüber, was der Schreiber beabsichtigt haben mag und ob er seinen Schwerpunkt auf Vertrauen oder Ausgeliefertsein legt, will ich nicht spekulieren, da fehlt es mir an Hintergrundwissen und Gesamtüberblick. Aber was das für eine Moral ist, die da über Abrahams Beispiel zum Vorbild erhoben wurde, und ob Gott, falls er tatsächlich so sein sollte, wie er einem in dieser Erzählung begegnet, verehrungswürdig ist, das ist eine Frage, die ich mir beim Lesen auch gestellt hatte und die ich für mich auch beantwortet habe - allerdings werde ich hier mit Interesse mitverfolgen, was für andere Sichtweisen auf diese Geschichte es noch gibt.

Für mich gebe es eigentlich nur eine Version der Geschichte, die mich moralisch überzeugen würde, nämlich die, dass Abraham, wenn er auf die bekannte Weise auf die Probe gestellt würde, antwortete: "Nein, das kann ich nicht." - und dass er damit die Prüfung bestanden hätte.
Ein Abraham, der glauben würde, dass Gott seine Forderung tatsächlich ernst meint, und der Gott auch eigentlich immer ehren wollte, aber dem das, was da von ihm verlangt wird, eine Unmöglichkeit ist, die er nichtmal auf die Gefahr hin begehen könnte, seinen Gott zu enttäuschen, das wäre für mich eine biblische Gestalt, der zu Recht Respekt entgegen gebracht würde. Oder vielleicht auch ein Abraham, der der Stimme, die zu ihm spricht, antworten würde: "Nein. Ich weiß nicht, wer du bist, aber mein Gott bist du nicht - denn das, was du von mir verlangst, ist abscheulich, und mein Gott verlangt so etwas nicht."
Und ein Gott, der solche Reaktionen nicht verdammen müsste, sondern anerkennen könnte, weil ihm Moral mehr bedeutet als seine persönliche Eitelkeit, ein Gott, der die Aufrichtigkeit und moralische Integrität eines Menschen noch dann anerkennen könnte, wenn sie gegen den Gehorsam ihm selbst gegenüber verstößt - solch ein Gott hätte wahre Größe, und vor ihm hätte ich alle Achtung und Ehrfurcht.
Leider sind weder dieser Gott noch dieser Abraham die Gestalten, die einem in der biblischen Geschichte begegnen.
"Gottes ist der Osten und der Westen; wohin immer ihr also euch wendet, dort ist Gottes Angesicht." (2:115)
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RE: Das Opfer Abrahams: Zugänge zum Sohnesopfer... - von Melmoth - 07-10-2008, 20:38
RE: Das Opfer Abrahams: Zugänge zum Sohnesopfer... - von indymaya - 10-10-2008, 11:00
RE: Das Opfer Abrahams: Zugänge zum Sohnesopfer... - von indymaya - 13-10-2008, 16:08
RE: Das Opfer Abrahams: Zugänge zum Sohnesopfer... - von indymaya - 14-10-2008, 09:57

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