(22-08-2008, 14:59)t.logemann schrieb: in Joh. 8 einen Beleg für einen Antisemitismus/Antijudaismus des Neuen Testamentes. Dem muss ich hier widersprechen - der Apostel Johannes schildert hier nur ganz einfach die Schwierigkeit, die jedem Anhänger einer neuen Religion gegenüber den Anhängern der Vorläuferreligion zuteil wird. Johannes greift hier explizit nicht das Judentum als Religion und die Juden als Angehörige dieser Religion an - er greift die Argumentationen der Pharisäer an. Johannes sagt den Pharisäern: "...wenn ihr meint, das nur alleine eure Auslegung der Thorah der Weisheit letzter Schluss ist, dann sage ich euch das eure Auslegungen dieses Heiligen Buches eine Einflüsterung des Teufels ist:" Hier geht`s um die Auslegungen, nicht um das Heilige Buch selbst. Den gleichen Vorwurf musste sich der christliche Klerus zur Zeit Muhammad`s gefallen lassen und den gleichen Vorwurf machen wir Baha`i auch dem islamischen KlerusUnbestreitbar ist, dass gerade das Johannes-Evangelium (traditionell von Theologen besonders hochgeschätzt, auch von Luther ;) ) eine üble antijudaistische Wirkungsgeschichte entfaltet hat und aus dem Kontext gerissen und wortwörtlich missverstanden sehr zur kirchlichen Judenfeindschaft beigetragen hat und gerade im zitierten Joh8 die späteren "Juden als Christus-Mörder" und "Juden als Teufels-Kinder" -Legenden neuen Saft beziehen können. Unerheblich ist dafür, obs um Auslegungen oder sonstwas geht, unerheblich auch, ob Muslime oder Bahai ähnliche Leichen im Keller haben.
Entscheidend andere Perspektive dagegen entsteht durch die Erinnerung daran, dass "Johannes" wie seine Zuhören offensichtlich allesamt Juden waren, es hierbei Johannes also Innerjüdische Diskusionen stattfinden. und das ist dann nochmal etwas anderes als wenn deutsche Pfarrer in der Neuzeit (incl. Dr. Luther) ebenso hochnäsig wie theologisch dumm in Kirche predigend über Juden schwadronieren und zum Judenhass aufstacheln.
(22-08-2008, 14:59)t.logemann schrieb: was ist "Mission"?eben, hier z.zt. erkennbar NUR im Sinne des sog. chr. "Missionsbefehls" aus Mt 28, 18-20 als Auftrag an die (12) Jünger, zu verkündigen, zu lehren und zu taufen gebraucht. Unbeachtet können einstweilen die anderen Wortbedeutungen bleiben.
(22-08-2008, 14:59)t.logemann schrieb: Man schaue sich mal Mutter Theresa an- der ging es unter dem Begriff der Mission nicht darum, möglichst viele "Schäfchen" unter die Fittiche von Rom zu bekommen, sondern möglichst vielen Menschen aus dem Elend zu helfen.gewiss mit Missionswillen, ob aber wirklich alle möglichen Anstrengungen genutzt wurden, Menschen lebend aus ihrem Leid "zu helfen" wird bisweilen kritisch angezweifelt. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15888/1.html
(22-08-2008, 14:59)t.logemann schrieb: Schau Dir Muhamed Junius an: Als gläubiger Sunnit hat der das Mini-Kredit-Programm so angewendet, das Tausende seiner Mitmenschen, egal welchem Glauben sie angehören, ebenfalls sich aus dem Elend befreien konnten.Sicher KEINE Mission sondern effektive Entwicklungshilfe, Selbständigen-Starthilfe und vielleicht auch lukratives Geschäftsmodell.
(22-08-2008, 14:59)t.logemann schrieb: Schau Dir Mahatma Ghandi an: Als gläubige Hindu lehrte er, das nur die absolute Gewaltlosigkeit Frieden und Befreiung bringt - und stürzte damit die englische Kolonialherrschaft über Indien.Ebensosicher KEINE Mission, sondern Befreiungsbewegung mit gewaltlosen Mitteln, Sabotage und Widerstand gegen die amtierende Staatsregierung.
(22-08-2008, 14:59)t.logemann schrieb: Klar, in den finstersten Zeiten des Mittelalters "missionierten" Jesuiten in dem sie Juden folterten damit diese ihrer Religion abschwörten.Klar ist nur, dass es im Mittelalter -egal ob licht oder finster - noch KEINE Jesuiten gab ... und sie mithin zu DER Zeit nichts angestellt haben können.
Liebet eure Feinde, vielleicht schadet das ihrem Ruf! (Jerci Stanislaw Lec)
Wer will, dass Kirche SO bleibt - will nicht, dass sie bleibt!
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