17-08-2008, 10:09
t.logemann schrieb:Eigentlich müsste man die jeweils "andere" Position erstmal wie die eigene Position ansehen, um sodann aus dem Blickwinkel der anderen Position die eigene zu rechtfertigen. Diese "Geistesakrobatik" bringt aber keiner von uns zustande, da wir in unseren eigenen Glaubenswelten viel zu sehr verankert sind und eben die jeweils "andere" Glaubenswelt zuwenig kennenGenau so ist das und sollte eigentlich kein Problem sein.
Meiner Meinung nach gibt es auch hier eine Grenze: nämlich die der Fremdinterpretation für die jeweils anderen ( nicht: Interpretation durch die jeweils anderen).
Was meine ich damit ? Fremdinterpretation der jeweils anderen: wie beispielsweise Muslims das Christentum sehen und verstehen, Christen das Judentum usw. Das ist kein Problem. Fremdinterpretation für die jeweils anderen: wie beispielsweise Muslims das Christentum sehen und für Christen interpretieren. Wie Christen das Judentum sehen und für Juden interpretieren usw. Das ist schon sehr problematisch. Inakzeptabel wir es dann, wenn diese Auslegungen und auch die Inhalte aufgezwungen werden.
Manche erwarten die »Übernahme« ihrer Glaubensinhalte weil sie sie für allgemeingültig halten. Wird diese Erwartung nicht erfüllt, wird das als Dialog-Unwilligkeit bzw. -Unfähigkeit angeprangert. Das klassisches Beispiel eine solchen Haltung war die von Martin Luther den Juden gegenüber. Heute erleben wir eine solche Haltung von fundamentalitischen Muslimen dem Christentum, dem Judentum, auch dem Hinduismus und Buddhismus und, auf politischer Ebene, der freien Welt insgesamt gegenüber. Von der mentalen Struktur her sind diese Denkweisen immer gleich.
Die Konsequenz dieser Geisteshaltung ist nicht das gegenseitige Verstehen und ihre Perspektive nicht der Dialog, sondern sie sind die Verschärfung der Konflikte, nicht nur auf religöser Ebene. Zunächts einmal gilt es die eigenen Positionen zu überprüfen, bevor sie anderen angeboten werden. Imperativ und Zwang hingegen sind denkbar ungünstige Voraussetzungen, denn sie richten sich gegen die Freiheit aller Menschen.
