06-12-2007, 22:11
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06-12-2007, 22:30 von Alanus ab Insulis.)
Mandingo schrieb:Ich kann Fritz nur voll und ganz zustimmen.
Jesus als jüdischer Rabbi wäre nicht im Traum darauf gekommen,
sich als Gott oder gottgleich zu betrachten.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie einfach hier gewisse Elemente des Judentums dieser Zeit kategorisch ausgeblendet werden. Ich habe schon in meinem ersten Beitrag darauf hingewiesen, dass das Judentum der Zeit Jesu keineswegs so homogen war, wie ihr es hier zeichnet:
"Sicher Mandingo wird hier sofort einwenden wollen, dass sich schon hier eine Vermischung von pagan-griechischer Philosophie und monotheistisch-jüdischen Denken erkennen lässt, die das Leben und die Person Jesu verfälschen. Problematisch dabei ist nur, dass eine Hellenisierung des Judentum unlängst viel früher eingesetzt hat, wie sich an unzähligen griechischsprachigen Synagogen in Galiläa und auch in Judäa, selbst in Jerusalem belegen lässt und nicht zuletzt seinen einprägsamsten Niederschlag in der späten Weisheitsliteratur (die bibl. Bücher: Ijob, Weisheit, Kohelet, Jesus Sirach, Sprichwörter) findet.
Die Person Jesu hingegen in einem streng jüdischem Lichte sehen zu wollen ist daher wohl kaum möglich, vor allem wenn man bedenkt, dass die Abstoßung des Hellenismus, und so bedeutender Gelehrter wie Philo v. Alexandrien und Flavius Josephus, erst um 70 n. Chr., also mit der Zerstörung des zweiten Tempels geschieht. In diesem Sinne bin ich durchaus überzeugt, dass eine Auslegung der Person Jesu, so wie sie die kirchliche Traditon, nicht nur der römischen Kirche, kennt, durchaus legitim ist."
Von einem Paulus, der als JUDE, im Philliperbrief mit dem gleichnamigen Hymnus eindeutig die göttliche Natur Jesu betont, gar nicht zusprechen:
"Er war Gott gleich (wörtl.: Er, der Gottesgestalt war"), hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern entäusserte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. ..." (Phil 2,6.7)
Mandingo schrieb:Der römische Gedanke einer Vergottung (wie z.B. beim Kaiser) ist ihm als Juden fremd, was man später von Athanasius und Konstantin leider nicht sagen kann.
Auch das zeichnet die Darstellung Christi völlig falsch. Schon die Didache, eine syrische Gemeinderegel des 1.Jh., spricht von Jesus Christus als dem Kyrios. Und der Begriff Kyrios bedeutet auch hier nicht einfach nur Hausherr, sondern ist wie in der ganzen LXX die Gleichsetztung mit dem Adonai der biblica hebraica. Es ist daher auch nicht verwunderlich, wenn die Liturgien des 2. Jh. sehr schnell den Ruf Kyrie eleison, der dem Triumphator beim Siegezug zugerufen wurde, auf Jesus und die Auferstehung deuten. Daher brauchen wir gar nicht auf Athanasius und Konstantin zurückgreifen um die Verbindung hellenistischen Denkens im jüdischen Raum aufzugreifen.
Fritz7 schrieb:Juden werden kaum auf das dünne Brett verfallen sein, gerade Jesus als Gott anzubeten.
Und warum haben, dann die Juden die ersten Christen bis nach Antiochien verfolgt? Es scheint geradzu unglaublich zu sein, dass Juden andere Juden verfolgen nur, weil sie einem Messias anhangen. Vor Jesu hat es auch niemanden gestört, das etliche Person sich als Messias oder Propheten bezeichneten. Flavius Josephus berichtet sogar ganz konkret von solchen. Doch scheinbar sind nur die Christen zu einer Zielscheibe des frühen Judentums geworden, besonders aber nach der Tempelzerstörung und der Abstoßung des Hellenismus im jüdischen Denken.
Mandingo schrieb:Außerdem, Jörg, hast du noch nicht auf mein altes Argument, geantwortet, dass wir im Glaubensbekenntnis an Jesus, "der zur Rechten Gottes sitzt", glauben.
Zur Rechten Gottes sitzt aber kein Gott!!!
Lieber Mandingo, es ist gerade zu absurd mit den kanonischen Glaubensbekenntnissen die göttliche Natur zu bestreiten. Denn beim Nicäno-Constantinopolitanum wird eindeutig von der Wesenseinheit des Vaters und des Sohnes gesprochen, was deine Deutung natürlich völlig ad absurdum führt.
Und auch das Apostolicum kann nicht in deinem Sinne verstanden werden. Denn die Grundlage für das apostolische Credo ist die dreifache Tauffrage und Taufformel der frühen römischen Kirche. Diesen Tauffragen, liegt aber ebenso wie dem Credo selbst ein trinitarischer Gedanke zugrunde!
Desweiteren bezeichnet das "zur Rechten des Gottes, des allmächtigen Vaters" bzw. "er sitzt zur Rechten des Vaters" keine lokale Begebenheit, sondern eine Ontologische! Weshalb diese Fromulierung ebenfalls Ausdruck einer Einheit zwischen Vater und Sohn ist, denn sie bezeichnet vor allem die Einheit in der göttlichen Herrlichkeit.
In diesem Sinne hat auch deine Steinbruchzitation wenig beweiswert. Im Gegenteil einige deiner Schriftzitat lassen sich durchaus auch für die Wesenseinheit von Vater und Sohn verwenden. Besonders aber die johanneischen Stellen! Anscheinend ist dir dabei völlig egal, dass gerade Johannes von der Präexistenz und Einheit des ewigen Logos mit Jesus Christus ausgeht.
Daher hat deine Argumentation keinen einziges stichhaltiges Argument gegen die Gottheit Jesu geliefert, weder ein historisches, noch ein theologisches!
Omnis mundi creatura quasi liber et pictura nobis est et speculum.
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Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)
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(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)

