Als Kalif Umar 638 Jerusalem eroberte, war das für das christliche Europa wohl ein herber Verlust, eine unmittelbare Bedrohung des Herrschaftsbereiches der Fürsten der Christenheit erkannte damals nicht einmal der Basileos von Konstantinopel. Dieser Griff nach dem heiligsten Ort der Juden und der Christen war der Anfang einer bis heute andauernden Beziehung des Misstrauens. Als von Syrien aus 647 Zypern überfallen wurde, nahm das in Europa kaum jemand wahr. Aufgerüttelt wurden die Christenheit erst als die Iberische Halbinsel 711 angegriffen und innerhalb weniger Jahre zum guten Teil dem Dar al-Salam einverleibt wurde. Und als der Islam Mitte des 9. Jhdts auf italienischem Boden mit der Errichtung eines Emirats zur unmittelbaren Bedrohung Roms wurde, war erstmals einer Vielzahl der europäischen Fürsten die Idee einer Rückeroberung ehemals christlicher Gebiete zugänglich. Der Einfall der Araber in Rom (846), die Plünderung von Santiago de Compostela (997) und der Befehl des Kalifen al-Hakim, die Grabeskirche in Jerusalem zu zerstören (1009), Angriffe auf die drei heiligsten Stätten des Christentums, haben den Hass der Christenheit jener Zeit gegen alles Muslimische anwachsen lassen. Somit war der Boden bestens bereitet, als Urban II. 1095 aufrief, den bedrängten Christen Ostroms militärisch zu helfen. Als Kreuzzug wurde die militärische Expedition, Jerusalem wurde wie allgemein bekannt ist 1099 erobert, nicht bezeichnet. Dieser Begriff bildete sich wohl erst Ende des 13. Jhdts.
Die Geschichte des Islam in Europa zwischen 638 und 1099 christlicher Zeitrechnung ist dem Großteil der heutigen Muslime offenbar nicht bekannt. Sonst würden sie nicht so hysterisch reagieren, wenn das Wort Kreuzzug von Politikern – zugegebenermaßen oft in unsinnigen Zusammenhängen – in den Mund genommen wird. Viele Muslime empfinden die Kreuzzüge als Unrecht, das den Glaubensbrüdern widerfahren ist, und zwar, wie sie meinen, ohne jeden Anlass, nur im Expansions- und Glaubenseifer der Christenheit begründet.
Die Geschichte des Islam in Europa zwischen 638 und 1099 christlicher Zeitrechnung ist dem Großteil der heutigen Muslime offenbar nicht bekannt. Sonst würden sie nicht so hysterisch reagieren, wenn das Wort Kreuzzug von Politikern – zugegebenermaßen oft in unsinnigen Zusammenhängen – in den Mund genommen wird. Viele Muslime empfinden die Kreuzzüge als Unrecht, das den Glaubensbrüdern widerfahren ist, und zwar, wie sie meinen, ohne jeden Anlass, nur im Expansions- und Glaubenseifer der Christenheit begründet.

