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Wie kann man jemandem wie Paulus glauben?
#84
Hallo Ahriman,
- nein, ich bin kein "Pfaffe" - die sind im Judentum nicht werdbar, *g*
wenn, dann hiese es bei uns Rabbi - und auch das bin ich nicht, sondern nur "jemand, um den es geht" - Fussvolk.

Mir scheint nur, dass es keine Zeit gab, in der man so leicht und kostenlos alles recherchieren kann, um es genauer zu wissen, was war.
Es ist aber weder eine Ermaechtigung zu einem Amt noch gar ein Standeswechsel damit verbunden gewesen, im Lande Judaea als "Meister" in Gruppen zu reisen oder in Haeuser einzukehren, und konnte Frauen sprechen
- es war schliesslich auch in jener roem.Besatzungszeit kein total juedisches oeffentliches Leben, aber ohnehin war die Gesellschaft dort durchgehend in Familien nach dem Hausvater-Prinzip sortiert oder im Dienst "kaserniert".

Das Zoelibat ist spaeteren Datums, stimmt, es hat mit dem Kinder als Erben Haben zu tun, und irgendwas mit der anderen Einstufung der kirchlichen Aemter in der Zeit kurz vor der Gruendung des Reiches von "Herr v.Rom Imperator Kaiser Karl dG" aus einem Frankenkoenig.
In den orthodoxen Nationskirchen heiraten die Popen zwar und da wird jemand erblich Priester aus Priester-Vorfahren, so wie seinerzeit bei allen Natoionen und auch im Judentum. Eine Frau wird dennoch nicht zur Opfer-Priesterin, und Bischof oder Patriarch kann nie ein Pope gewesen sein, sie kommen grundsaetzlich aus Kloestern und haben diese Geluebde abgelegt, Keuschheit, persoenliche Armut und Ordensgehorsam.
Die kath.Kirche zu Rom bietet jedem Einzelmann die Moeglichkeit in jedes Amt incl.geweihtes Opfer-Priestertum zu koennen, und das Zoelibat ist kein Geluebde, dies Priestertum wird nicht geerbt, sondern gewaehlt durch 2 Seiten - wer es von sich denkt, er sei berufen - und ob das die Ausbilder kuenftiger Priester auch glaubhaft finden und bestaetigen.
Es ist bei ihnen immer ein Doppel-Amt: den Opferkultus durchzufuehren, mit Sakramenten-Spendung - und ein autorisiertes Lehramt. Papst Gregor d.Gr. beschreibt das ausfuehrlich, wie das zusammenhaengt. Es wird auch geistlich erwartet, dass der Priester zuvorderst etwas selbst von sich an G0TT opfert - hier eben die Ausuebung einer in sich guten ehelichen Zeugungstaetigkeit

- und in der dynastischen Sichtweise sind diese Priester jeder nun ein "Letzter seines Stammes" und "totgesprochen". Das hat mit dem Begriff des Pontifex zu tun: zur Welt nach dem Tode die Bruecken zu bauen und zu pflegen. Hier im Ort geleitet der Priester z.B. etwa alle 10 Tage eine Beerdigung. Er erteilt die Sakramente im Leben. Diese "setzen" etwas in Jener Welt, was man nicht mit dieser Welt begruenden koennen muss oder kann.

In evangelischen Gegenden wird das wohl der protestantische Geistliche auch tun. Dessen Berufsbild stammt aber aus der Renaissance, ist saekularer, und es gibt bei ihnen nicht "Anheiligungen" wie die tradierten alten Salbungs-Weihen des Kirch-Hauses, des Altares, der Glocken und des amtierenden Opfer-Priesters. Dieses sind "Anheiligungen" - ein Begriff, den auch das Judentum kennt, aber hauptsaechlich auf Ehen bezogen.

Darin kommen ganz alte Traditionen der Menschheit zusammen.
Das Christentum vertraut eben auf seine in der Fruehkirche waehrend der 10 Verfolgungen sich herauskristallisiert habenden Glaubens-Saetze und Amts-Satzungen.

Daran waren ausser anfangs Juden eben auch Fromme der Roemerwelt beteiligt, deshalb gibt es nicht alles auch genauso im Judentum. 300 Jahre lang starb man dafuer, und festigte seine Gewissheiten.

Einen Vorteil im Zoelibat sehe ich darin, dass einer das, wozu er sich gerufen fuehlt (wozu auch die totale Versetzbarkeit im Dienst der Kirche gehoert, was im Fall von Roms Weltkirche eben irgendwohin auf dem ganzen Globus sein kann) eben nicht seiner Frau und gar noch seinen Kindern aufnoetigt.

Soweit ich sehe, wird von Leuten wie Dir beanstandet, dass a) Frauen nicht Priester werden b) Priester nicht heiraten
- dann doch sicherlich auch, dass c) Ehen nicht mehr getrennt werden.
Das Szenario wuerde also bald sein, dass auch das eingeklagt werden wuerde, dass eines Menschen Ehe stets zur Disposition stehen koennte, egal, ob das deren Kinder auch gut vertragen.

Einige Kinder vertragen es schwer, wenn Eltern beisammen bleiben und es kommt zu Streit. Es duerfte aber wesentlich mehr Kindern Herzenskummer bereiten, wenn die Eltern sich trennen, neue Partner anheiraten oder an sich ziehen und das Kind muss da irgendwie mit - ungeachtet, von wem es selber nicht geschieden werden moechte.
Der Einsatz eines Priesters im Dienst der Gemeinden-Versorgung ist auch heutzutage in manchen Weltregionen noch mit dem Tod bedroht
- in der Urkirche war das bei Heiden-Missionen fast regelmaessig lebensgefaehrlich, daher schickte man damals auch eher Moenche-Priester aus.
Das "Welt-Priestertum" entsteht im Grunde dadurch, dass Bischoefe vom saekularen Staat in Pflicht gestellt wurden, doppelte Funktionen auch fuer diesen auzuueben - und sei es die Beurkundung und die soziale Ordnung vor Ort. Nicht sesshafte Menschen brauchen zur Versorgung sehr grosse Laendereien und volle Freizuegigkeit, haben oft Hunger und lassen die Schwaecheren fast gezwungenermassen im Stich, um zu leben.

Um mehr Menschen das Leben zu ermoeglichen und auch Talente der koerperlich Schwaecheren fuer die Gemeinschaft zuhilfe zu kriegen, so, dass schliesslich alle von einer Arbeits-und Aufgabenteilung profitieren, war die feste Ansiedlung am Anfang aller unserer Staaten die erste Notwendigkeit. Der Mensch musste lernen, es auszuhalten, bis seine Saat Fruechte traegt, damit verminderte sich das Geraufe um das taegliche Brot.

Es mit einer Ehe und heranwachsenden Kindern auszuhalten, ist nicht leichter oder schwerer als das Aushalten eines Zoelibats-Versprechens oder ein Leben im Ordensstand. Alles, was dazwischenkommen kann, kann allen passieren, jeder glaubt doch heute nicht, wem er / sie morgen noch begegnen wird.
Also opfern Braut und Braeutigam im Grunde doch auch unbesehen alle weiteren Moeglichkeiten der Paarung beim Heiraten.

Noch in meiner Jugend war das Leben im Bauernhof nicht wesentlich anders als das iin einem Kloster, und praktizierte "Armut, Keuschheit und Gehorsam" - auf seine Art:
Ging es dem Hof schlecht, gab jeder her, was er an "Eigenbesitz" bekommen hatte, man teilte alles mit dem, der es dringender im Dienste des Hauses braucht - und reichte es besitzmaessig nicht zum Heiraten oder einer ausdruecklichen Berufsausbildung zu etwas Anderem, dann blieben eben ledige Onkels und Tanten am Hause als "Diener fuer alles", was so ein Hof braucht. So aehnlich ging es erst recht bei den Kaufleuten zu. Hinzu kamen ja auch noch die vielen Witwen, die nicht wieder heirateten.

So etwas freiwillig als Dauerzustand gewaehlt zu haben, ist ja geradezu leichter als dies Uebrigbleiben, meine ich. In optimalen Familien verteilte es sich auch nach Neigung, wer das Heiraten mehr "brauchte" und wer sich imstande fuehlte, zu verzichten - auch der durfte sich doch nicht querbeet dann im Ort oder der Umgebung "bedienen".

Das Judentum kannte bereits Witwen, die nicht wieder heirateten, als Stand.
Dass Israels Cohanim (Priester) heiraten, war schlicht eine Pflicht, weil man auf andere Weise keine Priester haette bekommen koennen - auch diese waren als ganzer Stamm Levi schon "tot-gesprochen", indem sie niemals Landbesitzer wurden seit der Gruendung der Religion Israels. Das Heiligtum konnte Laendereien besitzen, die einzelnen Leviten und Priester aber nicht. Der Stamm Levi ersetzte ja fuer das ganze Volk alle Erstgeborenen, die in der Voelkerwelt keine "Erben" werden durften, man toetete sie - warum, weiss ich auch nicht. Soweit das Toeten aber nur geschah, um das Erstkind aus den Land-Erben auszuschalten, war das so humaner geregelt, dieselbe statistische Anzahl aus dem Volk kerauszustellen und im Gemeinschafttsdienst zu spezialisieren - Richter, Lehrer - der Priesterdienst umfasste auch handwerkliche Spezial-Berufe wie Holz, Schmuck-, Textil- und Metall-Gewinnung, -Bearbeitung und -Pflege, und Musiker und Dichter.
Die eigentliche Dienst-Zeit am Heiligtum war im Leben ja relativ kurz. Zur Zeit Jesus amtierte der Kultus-Priester etwa 2 Wochen im Jahr und nur zwischen seinem 30.und 50.Lebensjahr am Heiligtum. Jeder in der Spezialitaet seiner Erblinie. Ihr Lernschwerpunkt war daher auch ein anderer als der von anderen Israeliten. Man lernte ab der Kleinkindheit bei den Eltern mit, spaeter im Leben auch gruppiert bei Lehrern dieses Fachs, und suchte sich nicht irgendetwas zum Lohnverdienen selber aus.

Sie wurden bezahlt aus einem Zehnt von 2 x3 Zehnten je 7 Jahren, unter Beteiligung aller landbesitzenden Buerger, und hatten als "Stand" daher Zeit zum Lernen und "Schriftgelehrte" gehoerten zum Priesterstand. Fuer sie war nur relevant, was geschrieben vorlag.

Die Schule bei "Meistern der Hl.Lehre" (Pharisaeer) galt auch fuer alle andern Israeliten. Die Hl.Thorah wurde ja allen Mitgliedern Volk Israels geboten und unser Priestertum war nur eine Regelung innerhalb dessen.
Die Pharisaeische Schule tradierte auch Muendliches seit dem Beginn, da gehoerten die Propheten-Schulen, Seher und Spontan-Propheten auch hinzu, und die Groesse-Versammlung im Exil ersetzte Israel solange den eigenen Staat. Bei Propheten und Seherinnen kamen natuerlich auch Frauen vor, denn das als Sonderbegabung konnte ungeachtet des Standes "Jedem passieren". Frauen waren auch mal Satzungsrichter oder fuer ihre Weisheit bekannte Autoritaeten. Da wird in der Bibel nie irgendwie befremdet drauf reagiert. Wenn sie familiaer verwaist waren, konnten sie am Heiligtum mitversorgt werden und dienten durch Beten, Segnen und Beraten der Allgemeinheit, wenn sie wollten. Das aenderte nichts daran, dass sie in der Frauenabteilung "amtierten", soweit es um den Kultus-Dienst ging.

Die Frauen der halbsesshaften Nomadenzeit Abrahams, Isaaks und Jakobs waren durchaus auch mal erheblich maechtig - es ist eben ein Regelwerk da und man konnte immer erlernen, es wie ein Klavierspiel zu beherrschen, wozu halt eine gewisse Diisziplin wichtig ist. Das muss man auseinanderhalten, was unserer saekularen Gegenwart so schwer faellt.

Die Frauen im Bund Israels haben auch ebensoviele Variationen, wie sie es machen, die Frau zu sein. Unter der Perser-Regierung kam hinzu, dass auch die Hausmutter mit ihrem Leben fuer alle Hausmitglieder (Verwandte und Sklaven) haftete, das konnten bis zu 1000 Menschen sein. - Daraus resultierte einfach, dass sie dann auch nach innen her Autoritaet einfordern musste: ihr Einsatz war nach aussen hin zu hoch.

Das hat noch heute Auswirkungen in den dortigen Islam bei allen Voelkern, die lange Zeit persisch regiert worden waren, glaube ich.

All sowas entstand aus dem Zusammenhalt der Bevoelkerungen nach Sippen als unterster Einheit im Staat. Wir haben hier eben erst seit maximal 150 Jahren eine zunehmend verstaedterte Lebensform ganzer Staaten, in der die kleinste Einheit 1 Mensch alleine sein kann.
Das muss ja nicht heissen, dass dies nun ein Optimum ist, auf immer in der Zukunft. Problematisch genug wird es ja sichtlich jetzt schon, wer alles dabei bereits ueber Bord faellt.

Ein paar tausend Jahre lang ging es auch anders zu regeln. Deshalb denke ich: wenn Menschen dann das Gehabte einfach weiter praktizieren moechten, erhalten sie allen die Moeglichkeit, es zu vergleichen.

Es war einigen psychologischen Gegebenheiten des Menschen gegenueber "statistisch relevant" hilfreich arrangiert.

Man muss so "alte" Regelungen nicht isoliert sehen. Jede Besonderheit war doch im gesellschaftlichen Alltag vernetzt mit vielerlei Hilfen und Querverweisen, und wie gesagt: wesentlich einfacher als ein anderer Weg war im Grunde auch keiner der moeglichen Wege, als was einer zu leben wuenscht oder schafft.

mfG WiT :)
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