(15-11-2021, 13:07)Reklov schrieb: Hallo Ulan,
... manche der in unserer Welt kursierenden Ideen werden von Menschen nicht nur für Förderliches verwendet, sondern nicht selten auch für ihre Zwecke missbraucht!
Dass Du die Karma-Idee nicht recht verstanden hast, zeigt sich daran, dass Du "glaubst", diese Idee rechtfertige in irgendeiner Weise jegliches Verhalten.[...]
Deine ersten Worte "Ja klar" hast Du also zu flott getippt, denn es scheint Dir hierbei nichts "klar" zu sein, weil Du das Thema eben nicht tief genug durchdacht hast!
Gruß von Reklov
Ganz im Gegenteil, ich habe halt weiter gedacht als Du. Was Du da oben in Deinen Beispielen anfuehrst, ist ja erst mal die banale Grundannahme, so wie Karma im allgemeinen Sprachgebrauch benutzt wird. Aber die Folgen solchen Denkens fuehren doch weiter als ueber solche banalen Beispiele hinaus, wie Du sie gebracht hast. Wer das Elend der Menschen um sich herum als Wirken des Karma begreift, da ja die Gerechtigkeit gewaehrleistet ist, wird sich der Gerechtigkeit, also dem Elend der Mitmenschen, nicht entgegenstellen. Wem es schlecht geht, der wird halt fuer seine eigenen Missetaten oder die seiner "Vorfahren" (Wiedergeburt!) bestraft. Darum geht es. Dass das keine theoretische Annahme ist sondern auch in der Praxis so gehandhabt wird, sieht man ja am Zustand der indischen Gesellschaft. Wer es als karmisches Verdienst begreift, wenn er im absoluten Reichtum lebt, waehrend die Menschen um ihn herum kaum genug zu essen haben, der wird diesen Zustand halt fuer karmische Gerechtigkeit halten.
Dass dabei auch solche Auswuechse herauskommen, wie ich sie oben verlinkt habe, also wo der Holocaust der Juden als offensichtlicher karmischer Ausgleich fuer ihre angeblichen historischen Missetaten begriffen wird (durch Himmler, durch einen bekannten heutigen Autoren esoterischer Karma-Literatur, durch einen hohen Wuerdentraeger des tibetischen Buddhismus) zeigt ja, dass solche Schlussfolgerungen sich ganz natuerlich aus dem Glauben an Karma ergeben.
Im Prinzip hat der Glaube an die goettliche Gerechtigkeit im Judentum aehnlich Schiffbruch erlitten. Buecher wie Kohelet gibt's ja nicht umsonst.

