13-12-2019, 16:26
Thomas der Ungläubige schrieb:Ekkard schrieb:Ein "polytheistisches Weltbild" krankt an denselben inneren Widersprüchen wie jeder transzendente Bezug. Im Zweifelsfall erzeugen diese Widersprüche Nachteile für bestimmte Minderheiten - eben, weil sie sich immunisieren und Anderssein nicht gelten lassen.
Davon bin ich noch nicht überzeugt. Ein polytheistischen Weltbild krankt an weniger bis gar keinen inneren Widersprüchen. Jedes unbedeutende Ereignis kann irgendeinem Geist, Gott oder Engel untergeschoben werden. Die Widersprüche entstehen erst, wenn man alles unter ein einziges göttliches Wesen subsumieren will und dieses göttliche Wesen mit Attributen wie gut oder allmächtig versieht. Der Polytheismus ist in jedemfall toleranter gegenüber anderen Vorstellungen von Göttern und Göttlichkeit als der Monotheismus.
Ich plädiere für die Rehabilitierung des Polytheismus und berufe mich dabei auf den Kulturwissenschaftler Jan Assman sowie den Historiker Yuval Noah Harari.[url=https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Assmann][/url]
In der Religion geht es letztlich nicht um Theoretisieren, sondern um praktische Verwirklichung. Es geht darum, vom rein Psychologischen zum Existentiellen, vom mentalen Konstrukt zur tatsächlichen Erfahrung zu kommen.
'Polytheismus' oder 'Monotheismus' sind grundsätzlich erstmal Ideen. Wenn man das jedoch praktisch betrachtet, dann ist die Auswirkung der Hingabe an das göttliche Ideal nicht den jeweiligen Gott betreffend, sondern ausschließlich den Hingegebenen. Der Mensch soll sich verändern, nicht sein Gott. Deswegen ist es praktisch betrachtet völlig egal. (Also nicht völlig, einen Dämon sollte man nicht anbeten)
Den Indern scheint das klar gewesen zu sein, und so haben sie sich einfach Götter erschaffen, die ihnen nunmal "gelegen" waren, d.h. zu denen sie einen Draht aufbauen und damit praktizieren konnten. So kam es dann zu den Millionen von Göttern. Ein 'Gott' wird hier ganz praktisch als ein Werkzeug verstanden, dass einem dazu verhilft, sich durch fortschreitende Hingabe aufzulösen, seine Vorlieben und Abneigungen, Egostrukturen, usw. abzulegen. "Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen." Darum gehts im Grunde, und nicht um irgendwelche theoretischen Ansichten...

