28-10-2019, 17:01
(26-10-2019, 14:10)Sinai schrieb: Zu sagen, daß sich die Katholoische Kirche bei der Interpretation der Paradies-Geschichte verrannt hätte, ist nur zulässig wenn man eine bessere Interpretation vorschlagen kannNun, das ist so schwierig nicht, wenn man sich die Namen genauer ansieht: Adam - der Mensch - und Eva - die Frau. Ferner sollte man die altjüdische Erzähltradition berücksichtigen, die (eigentlich immer) eine Werdensgeschichte erzählt, wenn Zustände der Gesellschaft gemeint sind. Damit steht zunächst einmal die uns geläufigere hellenistische Zustandsbeschreibung im Vordergrund: Die Menschen bestehen aus Männern und Frauen. Sie leben unter schwierigen Bedingungen und müssen viel für ihren Lebensunterhalt tun. Sie sind nicht gottgleich, selbst wenn sie sich in Banalitäten und gesellschaftlichen Normen wiederfinden und sich deshalb für klug halten.
Der "Sündenfall" ist kein statisches, einmal in der Geschichte aufgetretenes Ereignis, sondern ein Zustand: Der Mensch (Adam & Eva) sündigen in Verfolgung ihrer Interessen, häufig einfach auch ihrer Notwendigkeiten. Mithin ist es einfach ein hirnrissiger Kokolores von "Erbsünde" zu reden bzw. zu denken. (So viel ich weiß, ist diese Lehre inzwischen still begraben worden - in beiden Großkonfessionen.) Wenn man schon theologisch argumentiert, dann als theologische Deutung der menschlichen Situation des Lebens und im Leben: Wir können nicht konfliktfrei in unseren Gesellschaften leben. Und unser Problem ist nicht, dass wir nackt sind, sondern dass wir eine ganze Reihe von elementaren Bedürfnissen haben, ohne die wir nicht überleben.
(26-10-2019, 14:10)Sinai schrieb: Und daß die Menschen nach dem essen der Frucht bemerkten, daß sie nackt waren - ist auch erklärungsbedürftigDas sollte nach Klarstellung der Erzähltradition auch klar geworden sein: Es handelt sich um die durchaus richtige Erkenntnis, dass der Mensch "elementaren Grundbedarf" hat.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Ekkard

