28-02-2017, 23:26
(28-02-2017, 22:58)Ekkard schrieb: Gundi, du verlangst, dass Christen etwas als Tatsache betrachten sollen, was Menschen von sich selbst glauben, wenn ich das recht verstanden habe. Im Grunde weiß ein heutiger Christ, dass der Glaube keine Tatsachen schafft.
Ekkard hat Recht.
Auch an Religion und Theologie ist die 'Aufklärung' nicht spurlos vorbeigegangen. Ich sehe wenig Sinn darin, prä-aufklärerische Diskussionen zu führen.
Gott als naturwissenschaftliche Hypothese ist nicht haltbar, und für Gottesglauben auch nicht nötig. Und das macht Gottesglauben auch nicht 'kleiner' oder 'unechter'.
Ich finde, hier passt Kant ganz gut:
"Der Ausdruck des Glaubens ist in solchen Fällen ein Ausdruck der Bescheidenheit in objektiver Absicht, aber doch zugleich der Festigkeit des Zutrauens in subjektiver. Wenn ich das bloß theoretische Fürwahrhalten hier auch nur Hypothese nennen wollte, die ich anzunehmen berechtigt wäre, so würde ich mich dadurch schon anheischig machen, mehr, von der Beschaffenheit einer Weltursache und einer andern Welt, Begriff zu haben, als ich wirklich aufzeigen kann; denn was ich auch nur als Hypothese annehme, davon muß ich wenigstens seinen Eigenschaften nach so viel kennen, daß ich nicht seinen Begriff, sondern nur sein Dasein erdichten darf. Das Wort Glauben aber geht nur auf die Leitung, die mir eine Idee gibt, und den subjektiven Einfluß auf die Beförderung meiner Vernunfthandlungen, die mich an derselben festhält, ob ich gleich von ihr nicht im Stande bin, in spekulativer Absicht Rechenschaft zu geben."
(aus: Kritik der reinen Vernunft)

