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Verständnisproblem eines Atheisten
#61
an Adamea:

:)
Ich lese, was Du schreibst und würde gerne mit Dir diskutieren, aber ich finde nicht wirklich in Deine Gedankenwelt hinein, sprich: ich verstehe nicht im Detail, was Du sagen willst.

Du sprichst unter anderem Religion und Wissenschaft an.

Dazu mein Meinung:
Wissenschaft und Religion sind wesensverschieden. Die Wissenschaft verfolgt keinen Zweck im Sinne einer Einwirkung auf die Welt. Es geht darum, die Geschehnisse in der Welt zu erklären und prüfbare Vorhersagen zu machen. Als Nebeneffekt ist ein technische Fortschritt zu verzeichnen, der das Leben der Menschen leichter machen kann, aber leider eben auch das Gegenteil (Atombombe als schlimmsten Beispiel).
Die Wissenschaft hat weder den Zweck religiöse Thesen zu bestätigen, noch zu widerlegen. Dies ergibt sich auch hier bestenfalls als Nebeneffekt. Wenn also die Wissenschaft feststellt, daß es eine Evolution gibt und keine getrennte Schöpfung der Arten, dann mag dies dazu führen, daß Theologen ihre Auslegung der Bibel ändern und vom Wortlaut zur Allegorie wechseln, aber das ist weder von Wissenschaftlern bezweckt noch beeinflußbar. 

Religion wiederum geht von einer oder mehreren Grundannahmen aus, die fester, unabänderlicher Bestandteil und Charaktermerkmal des jeweiligen Glaubens sind (z.B. bei Juden, Christen, Moslems: es gibt einen Schöpfergott, der auch noch aktiv in die Welt eingreift etc.), daneben gibt es Auslegungen, die durchaus über die Zeit schwanken können, generell aber eher konservativ sind. Zudem ist bei fast alen Religionen eine Zersplitterung zu beobachten, wobei sich durchaus völlig unvereinbare Positionen ergeben können (z.B. Abendmahl mit Wein bei den Christen und Alkoholverbot im Islam, obwohl beide auf der gleichen abrahamitischen Grundlage beruhen).
In der Wissenschaft gibt es zwar auch unterschiedliche Thesen, dort aber wird dann über das Experiment und die Beobachtung falsifiziert und die erwiesenermaßen falschen Thesen sind dann auch für immer erledigt.

Die Wissenschaft kann nicht alles erklären, richtig. Es gibt Dinge, die wir vermutlich nie klären können, z.B. was war die "Ursache" des Urknalls (da stellt sich aber wissenschaftlich schon das Problem, daß die Frage selbst wohl unsinnig ist, da es vor der Zeit eben keine Zeit gab und damit auch kein"vorher", so wie es kein südlich vom Südpol gibt und daher die Frage danach, was südlich des Südpols liegt keinen Sinn ergibt).

Nun kann man natürlich die Lücken in der erklärbaren Welt (wie funktioniert ein Gedanke, gibt es freien Willen, was ist dunkle Materie) mit religiösen, esoterischen Erklärungen füllen, was aber nicht sehr sinnvoll ist, denn dafür haben wir Wissenschaft und in der Vergangenheit haben sich übernatürliche Erklärungen immer als falsch erwiesen (z.B. Blitze kommen von Zeus).

Oder man versucht die Bereiche zu besetzen, auf die die Wissenschaft nicht zugreifen kann (z.B. "vor" dem Urknall oder außerhalb des Universums oder gar außerhalb der Logik). 
Dies ist zwar rhetorisch möglich, praktisch aber Unsinn, da dies völlig willkürlich ist. Dies zeigt die Satire des fliegenden Spaghettimonsters. Man kann den Begriff "Gott"  dann auch durch jedes beliebig andere Wort ersetzen und erhält keine neue Erkenntnis.

Insofern sehe ich Religion nicht als Ergänzung zur Wissenschaft an, weil mit unbegründbaren, unbelegbaren Annahmen keine Schlußfolgerungen gezogen werden dürfen.

Es besteht aber durchaus eine Notwendigkeit, den Alltag der Menschen über die reine Wissensschaft hinaus so zu regeln, daß unser aller Leben "besser" wird. Hierfür ist die Politik und die Handlungen jedes Einzelnen gegenüber den Mitmenschen entscheidend.
Das Spannungsfeld zwischen Gemeininteresse und Individualismus ist dabei auszuwägen, wobei man durchaus verschiedener Meinung sein kann, was gewichtiger sein sollte.
Insofern benötigen wir eine auf dem menschlichen Wesen basierende Philosophie. Diese will ich statt einer Religion haben, weil die Philosophie weder von (falschen aber unabänderlichen) Grundannahmen ausgeht und viel flexibler (wissenschaftlicher) reagiert, als eine konservative Religionslehre.
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RE: Verständnisproblem eines Atheisten - von Gundi - 14-02-2017, 20:55
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