08-02-2015, 12:28
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08-02-2015, 12:37 von Sarandanon.)
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Ich kann mir durchaus eine göttliche Realität vorstellen. Atheisten sind ja keine Menschen ohne jede Fantasie.
Das wollte ich auch gar nicht in Abrede stellen. Der Atheismus ist ja nun auch reich an Facetten. Deshalb bezeichne ich auch Agnostiker nicht als Atheisten. Da Du Dir eine wie auch immer geartete Schöpfungsmacht vorstellen kannst, kannst Du Dir sicherlich auch eine andere Realität vorstellen. ...
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Allerdings fragt sich der Atheist halt, weshalb er an etwas glauben sollte, für das es nicht den geringsten Hinweis gibt.
Wir glauben ja auch nicht an den Weihnachtsmann oder den gestiefelten Kater. Warum also an einen Gott, bei dem die Beweislage genauso gering ist?
... Allerdings wird es für den reinen Atheisten aus meiner Sicht unmöglich sein, zB meine Spiritualität, die ich aus dem chrisltichen Glauben und hier insbesondere aus dem Katholizismus (da gibt es ja nun auch wieder große Unterschiede zu anderen chrisltichen Konfessionen und Gruppen) nachvollziehen zu können. Aber mMn muss er das auch gar nicht. Mir reicht es schon, wenn er ein gewisses Verständnis aufbringt, dass ich/wir glauben, wie ich/wir glaube(n).
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Da du beides nicht belegen kannst, wird der Atheist halt sagen, dass das lediglich dein Glaube ist. Warum sollte er sich auch von etwas überzeugen lassen, was du ihm nicht beweisen kannst?
Wie ich oben schrieb, geht es mir persönlich nicht ums Überzeugen. Auch das ist immer wieder ein typisches Missverständnis, dem solche Diskussionen unterliegen, an denen ich mich beteilige. Trotzdem geht mein Gegenüber relativ schnell in eine gewisse Verteidiungsposition über, die dann vielfach in persönliche Angriffe und Verächtlichmachungen mündet. Das gilt im Übrigen auch für Diskussionen mit anderen Gläubigen.
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Bestimmt auch, klar. Du wirst aber noch feststellen, dass in diesem Forum auch durchaus mal der ein oder andere Gläubige beleidigt, gerne auch mal den Andersgläubigen.
Wem sagst Du das. Kenne ich aus eigener Erfahrung
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Aber zeugt das nicht davon, dass man den eigenen Glauben gar nicht wirklich durchdacht hat, wenn Kritik einen derart aus der Bahn werfen kann?
Das ist sicherlich vielfach ein Teil der Wahrheit, gar keine Frage. Der andere Teil ist allerdings, dass man sich bei klischeehaft geführten Diskussionen immer sehr schnell als Gläubiger in eine Art Rechtfertigungsagumentationskreislauf (was für ein Wort
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Man sollte doch meinen, ein Gläubiger hat für sich Antowrten auf zb. das Theodizeeproblem gefunden. Fragt man aber nach, ist meist nur Schweigen im Walde.
Nee, das ist in den seltensten Fällen so. Auch ich habe nicht auf alles eine Antwort, bin ja auch kein studierter Theologe und außerdem erst seit wenigen Jahren aus dem Taufscheinchristsein erwacht. Aber ich weiß zB wo ich Antworten herbekomme, die ich dann für mich einordnen kann. Außerdem lernt man ja auch nie aus. Das heißt allerdings nicht, dass ich in meinem Glauben nicht gefestigt bin.
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Nun, ich bin in der Tat der Meinung, dass Ratio und Glaube nicht die selbe Gewichtung haben, wenn es um Wahrheit geht. Ratio (einschließlich der Philosophie) ist vernunftbasiert und damit für jeden Menschen (zumindest theoretisch) nachvollziehbar. Auch sehen wir ja direkt die Folgen der Ratio, in Form der Wissenschaft, der Ingenieurskunst etc. Unsere vernünftigen Überlegungen haben sich sehr, sehr oft in der Welt bewiesen.
Ja, in der Tat. Ich halte es auf der einen Seite auch sehr mit der menschlichen Ratio, wie die meisten christlich Gläubigen auch. Natürlich in dem Bewusstsein, dass das menschliche Ermessen nicht die einzige Realität darstellt. Es gibt selbstverständlich auch Gläubige aller Religionen, die die menschliche Ratio auch für das irdische Dasein dem göttlichen Ermessen dermaßen unterstellen, dass daraus Realitätsverlust entsteht und dadruch andere Menschen geschädigt werden können. Letzteres ist natürlich zu vermeiden und das ist aus der Sicht eines Gläubigen auch absolut machbar.
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Religion hingegen hat das nicht. Kann es auch nicht. Religion trifft Aussagen über Dinge (Gott), über die der Mensch eigentlich keine konkreten Aussagen treffen kann. Die Religion kann durch ihre Annahme der Gottesexistenz alles mögliche behaupten, ohne sich in der Pflicht zu sehen, dies zu beweisen. Ich halte dies aufgrund der Beliebigkeit für unbrauchbar, um wirklich Wissen zu erlangen.
Wissen können wir nur innerhalb menschlichem Ermessens erlangen. Auch dieses Ermessen halte ich persönlich für noch längst nicht ausgeschöpft, da ist noch viel Luft nach oben. Dass religiöse Fanatiker dies negieren hängt mit der Furcht vor dem Verlust eines wie auch immer gearteten Wahrheitsabsolutismus zusammen und damit einhergehend mit Macht- und Einflussverlust.
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Nun ja, in der Regel wird die Forderung nach Beweisen ja nur dann laut, wenn ein Gläubiger meint seinen Glauben auch anderen Menschen aufzudrängen oder gar wissenschaftliche Erkenntnisse (zb. Evolutionstheorie) versucht mit Hilfe seines Gottes zu widerlegen.
Das trifft sicherlich auf viele Gläubige zu. Ich für meinen Teil dränge niemandem etwas auf sondern spreche über meinen Glauben nur dann, wenn ich gefragt werde und hinter den Fragen ehrliches und offenes Interesse steckt. Und dabei erwarte ich nicht, dass am Ende der Fragesteller überzeugt ist. Wenn ich merke, dass die Fragestellung mit der Absicht der Verhöhnung und Verächtlichmachung gestellt wird, blocke ich schnell ab, weil weiteres Diskutieren verschwendete Zeit ist.
Im übrigen bin ich und der Großteil christlich Glaubender der Meinung, das wissenschaftliche Erkenntnisse, die die Menschheit gewinnt, gottgewollt sind. Der Katholizismus zB geht mit den Wissenschaften schon seit längerer Zeit überaus offen um - auch mit der Evolutionstheorie. Auf der anderen Seite gibt es aber auch christliche Strömungen, da mache ich mir nichts vor, die wissenschaftliche Erkenntnisse völlig ablehnen. Ich denke da an manch evangelikale Gemeinschaften, die stark an der wortwörtlichen Wahrnehmung des AT orientiert sind.
(08-02-2015, 11:06)Gundi schrieb: Mir wäre kein System bekannt, dass aufgrund seines Atheismus Schaden angerichtet hat.
Ich vermute, dass Du diese Systeme schon kennst, allerdings nicht die Beziehungen zum Atheismus herstellst (oder evt. nicht herstellen willst). Wenn ich hier jetzt aber ins Detail gehe, könnte es sein, dass ich hier für Steitereien sorge, die nicht in diesen Faden gehören.
Wie auch immer. Wichtig zu erwähnen wäre mE noch, dass man auf beiden Seiten positive Einflüsse gern für sich vereinnahmt. Wir Christen zB bzgl. der christlichen Werte, die immer noch wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft sind. Atheisten sind, obwohl man gesellschaftliche Einflussnahme immer negiert, dann schnell dabei, dass diese Strömung für Aufklärung und Toleranz gesorgt habe. Beide Seiten sprechen überaus ungern von der jeweiligen negativen Einflussnahme oder will überhaupt gar keine Verbindungen zu solchen sehen. Solche Argumentationsketten sind ja nun wirklich nichts neues und führen regelmäßig zu mehr oder weniger üblen sich im Kreis drehenden Konflikten.
Der Atheist ist ein Kurzsichtiger, der sich in der Brille eines Weitsichtigen gefällt.

