(17-01-2013, 15:41)petronius schrieb: das ist nicht so ungewöhnlich, wie es vielleicht klingt.
Die Tatsache an sich, dass Gesetze interpretiert werden, ist in der Tat nicht ungewöhnlich. Man schaue sich nur mal die Urteile unseres Verfassungsgerichts über die letzten 50 Jahre an. So manche Rechtsauslegung wurde sehr geändert, der Wortlaut des Grundgesetzes in solchen Fällen aber teilweise überhaupt nicht.
Was meines Erachtens das judentum hier so besonders macht, ist, dass der Auslegungsstreit zum System dazu gehört. Man will streiten und um den richtigen Weg ringen. Die jüdische Kultur hat eine sehr ausgeprägte Streit- und Diskussionskultur. Sie ist von der Struktur her nicht obrigkeitshörig sondern betont eben das Individuum. Letztlich ist jeder Jude für sich selbst verantwortlich und muss seinen Weg finden.
(17-01-2013, 15:41)petronius schrieb: nur: wenn "Gesetzesauslegungen geändert wurden" (und werden), wie kann man dann darauf beharren, daß die eigene interpretation die allein gültige ist, immer schon war und alle anderen keine ahnung von gar nichts haben?
Wer beharrt denn hier darauf? Jakow stellt mögliche Interpretationen vor, um zu zeigen, was möglich wäre.
Und die Ahnung, sprich das Wissen um jüdische Gesetzesauslegungen ist hier doch in der Tat sehr unterschiedlich verteilt. Was kein Vorwurf ist, jeder hat Interessen, wo er sich besser auskennt als andere.
Schlimm nur, wenn man wenig/keine Ahnung hat und dennoch überall seinen Senf dazu geben will. Apropo, wenn ich mir hier so Deine Rekordpostingzahl und Deine intensive Teilnahme an so ziemlich jeder Thematik ansehe. Wie machst Du das eigentlich?

