04-02-2005, 19:56
Archivar schrieb:....... oder Fritz Rienecker:Das Gegenteil ist richtig:
"Eine literarische ABHÄNGIGKEIT des biblischen, völlig UNMYTHOLOGISCHEN Sintflutberichts von der babylonischen Erzählung erscheint bei den Unterschieden beider Texte NACH ART UND INHALT jedoch ganz unwahrscheinlich"...
Die literarische Abhängigkeit der "völlig mythologischen Sintflutgeschichte" der Genesis vom Gilgamesch-Epos ist höchst wahrscheinlich.
Selbst einzelne Motive stimmen überein.
Hier ein Auszug, der das deutlich macht:
...Sechs Tage und sieben Nächte
Geht weiter der Wind, die Sintflut,
Ebnet der Orkan das Land ein.
Wie nun der siebente Tag herbeikam,
Schlug plötzlich nieder der Orkan die Sintflut, den Kampf,
Nachdem wie eine Gebärende sie um sich geschlagen.
Ruhig und still ward das Meer,
Der böse Sturm war aus und die Sintflut.
Ausschau hielt ich einen Tag lang, da war Schweigen ringsum,
Und das Menschengeschlecht war ganz zu Erde geworden!
Gleichmäßig war wie ein Dach die Aue.
Da tat ich eine Luke auf, Sonnenglut fiel aufs Antlitz mir;
Da kniete ich nieder, am Boden weinend,
Über mein Antlitz flossen die Tränen.
Nach Ufern hielt ich Ausschau in des Meeres Bereich:
Auf zwölfmal zwölf Ellen stieg auf eine Insel,
Zum Berg Nißir trieb heran das Schiff.
Der Berg Nißir erfaßte das Schiff und ließ es nicht wanken;
Einen Tag, einen zweiten Tag erfaßte der Berg Nißir das Schiff und ließ es nicht wanken;
Einen dritten Tag, einen vierten Tag erfaßte der Berg Nißir das Schiff und ließ es nicht wanken;
Einen fünften und sechsten erfaßte der Berg Nißir das Schiff und ließ es nicht wanken.
Wie nun der siebente Tag herbeikam,
Ließ ich eine Taube hinaus;
Die Taube machte sich fort - und kam wieder:
Kein Ruheplatz fiel ihr ins Auge, da kehrte sie um.
Eine Schwalbe ließ ich hinaus;
Die Schwalbe machte sich fort - und kam wieder:
Kein Ruheplatz fiel ihr ins Auge, da kehrte sie um.
Einen Raben ließ ich hinaus;
Auch der Rabe machte sich fort; da er sah, wie das Wasser sich verlief,
Fraß er, scharrte, hob den Schwanz - und kehrte nicht um.
Da ließ ich hinausgehn nach den vier Winden; ich brachte ein Opfer dar,
Ein Schüttopfer spendete ich auf dem Gipfel des Berges:
Sieben und abermals sieben Räuchergefäße stellte ich hin,
In ihre Schalen schüttete ich Süßrohr, Zedernholz und Myrte....
"Augenzeugenschaft" zu einem solchen Mythos ist einfach absurd!
Da kann man Alejnu voll zustimmen.
Wer mehr lesen will
von der sog. "Elften Tafel" zum Sintflut-Mythos des Gilgamesch-Epos, kann hier den Text finden.
Es ist sehr interessant, auch die Unterschiede als Beispiele jüdischer Theologie zu verfolgen:
http://www.pinselpark.de/geschichte/einz...fel11.html
"Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche!" (Gustav Mahler nach Thomas Morus)


