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kreationistische Glaubensaussage zur Entstehung des Lebens
(29-01-2012, 19:54)paradox schrieb: Kausalität bedeutet für mich auch im weitesten Sinne einen ursächlichen Zusammenhang,
[...]
Im Strafrecht wird eine Handlung dann als kausal angesehen, wenn sie nicht weggedacht werden kann, ohne dass der Taterfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele.
Also A schlägt B und B hat eine Verletzung. [...]

An Deinem Beispiel aus der Juristerei, paradox,
kann man m.E. sehr schön das grundsätzliche Dilemma erläutern, das hinter Diskussionen wie dieser hier steckt:

Stell Dir vor, Du wärst betraut mit einem Fall von, sagen wir, Kindesmord. Angeklagt ist ein Vater, der seinen 37-jährigen Sohn auf ziemlich unappetitliche Weise mit einem Küchenmesser massakriert hat.
Befragt nach seinen Motiven gibt er zu Protokoll, Gott hätte ihm befohlen, seinen Sohn zu opfern. Wohl hätte er sich aufs Äußerste gesträubt, allerdings gebot es die Demut vor dem Herrn, dieses Opfer zu bringen, und leider stellte sich auch nicht, wie im abrahamitischen Vergleichsfall, kurz vor knapp noch der rettende Engel ein - kurzum: Er konnte nicht anders!

Jetzt kannst Du auf zwei grundsätzlich verschiedene Weisen reagieren:
a) Du akzeptierst diese Begründung. In diesem Fall würde aus dem Mord ein Unfall, weil der Vater nicht als Urheber des Geschehens gelten könnte, sondern gemeinsam mit seinem Sohn - sozusagen - ein Opfer "höherer Gewalt" geworden ist.
b) Du akzeptierst diese Begründung nicht; vielmehr lässt Du den Mann psychatrisch untersuchen, um zu klären, ob er an einer behandlungsbedürftigen Geisteskrankheit leidet oder einfach nur blufft.

Wenn Du aus demselben Kulturkreis stammst wie ich, dann wird man sich in Deinem Rechtssystem für Variante b) entscheiden. Das liegt nun allerdings keinesfalls daran, dass man Variante a) grundsätzlich ausschließen könnte. (Wer weiß, vielleicht haben wir es wirklich mit einem Akt übernatürlicher Offenbarung zu tun, und was sich unserem kleinen Geist als kalter Mord präsentiert, ist in Wahrheit Teil eines göttlichen Plans).

Die Entscheidung fällt vielmehr deshalb für Variante b), weil wir in unserer Rechtssprechung (und zwar, wie ich finde, aus gutem Grund) zur Erklärung eines Geschehens prinzipiell nur innerweltliche Kausalketten akzeptieren. Dazu gehört neben der rein gegenständlichen "Mechanik" natürlich auch die (manchmal kausal schwer fassbare) Sphäre menschlicher Gründe und Absichten, grundsätzlich aber es geht beim Verstehen und Erklären von Zusammenhängen immer darum, eine Wirkung auf eine (oder mehrere) "diesseitige" Ursache(n) zurückzuführen; die Hypothese "Gott" hat also per definitionem im Gerichtssaal nichts verloren.

Bei diesen unergiebigen Evolution-vs.-Schöpfung-Diskussionen verhält es sich nun im Grunde genauso:

Die "Evolutionstheorie" ist ein Sammelbegriff für den Versuch, ein bestimmtes Phänomen (hier: die Entstehung der Arten) "naturalistisch", d.h. auf Basis innerweltlicher Kausalketten zu erklären. Hierbei handelt es sich schlichtweg um eine methodische Selbstbeschränkung; Naturwissenschaft insgesamt funktioniert nun einmal nur auf Basis der Annahme, dass die Entstehung eines beliebigen innerweltlichen Phänomens X ursächlich auf ein vorhergehendes innerweltliches Phänomen Y zurückzuführen ist - und zwar vollständig und lückenlos.

Das kann man jetzt irgendwie eindimensional oder reduktionistisch finden (und manchmal ist es das vielleicht auch), aber man kann sich leicht vorstellen, was passiert, wenn man mit diesem Grundsatz bricht - egal ob im Gerichtssaal oder bei der Naturerforschung:
Wenn wir hüben oder drüben "Gott" als Ursache zuließen, dann hätten wir keine Grundlage mehr, die Anerkennung der in einem rationalen Diskurs gewonnenen Einsichten durch die Allgemeinheit (oder wie Petronius sagt: "intersubjektive Gültigkeit") einzufordern.
Immer dann, wenn wir irgend ein Phänomen (ein Naturereignis, eine Handlung, den Bauplan eines Körpers) nicht verstünden, wäre es der Beliebigkeit individuellen Befindens anheim gestellt, ob bzw. wann wir uns sagen würden: Wir verstehen es nicht, also ist es wohl so, weil Gott es so wollte, finden wir uns also damit ab.

(Und wenn wir uns nicht damit abfinden wollten, dann wären wir wieder angewiesen auf eine Priesterkaste, die sich mit dem Willen der Götter auskennt und uns darüber in Kenntnis setzt, warum es uns gerade die Ernte verhagelt hat oder das Dach über dem Kopf abgefackelt ist und dass es höchstwahrscheinlich helfen würde, eine Jungfrau zu opfern oder eine Hexe zu verbrennen).

Der Disput "Schöpfung vs. Evolution" ist also nur vordergründig ein Streit um die Qualität evolutionstheoretischer Erklärungen. Tatsächlich geht es um die Frage, ob man eine innerweltliche Erklärung der "Entstehung der Arten" aus weltanschaulichen Gründen überhaupt für möglich hält.

Der Naturwissenschaftler sagt: "Ja, das ist möglich, weil ich grundsätzlich davon ausgehe, dass es in der Welt mit rechten Dingen zugeht" - und sucht auf Basis dieser Annahmen nach Erklärungen.

Der (fundamentalistisch) Gläubige sagt: "Nein, das ist nicht möglich, weil es den Offenbarungen meiner Religion widerspricht" - und sucht nach Lücken im naturalistischen Ansatz, damit sein Weltbild nicht zusammenbricht.
Dass er dabei bisweilen fündig wird (es gibt auf kreationistischer Seite andere Kaliber als die Tiefflieger in diesem Forum), wird auch ein redlicher Naturwissenschaftler nicht bestreiten. Allerdings antwortet letzterer auf ungeklärte Fragen nicht mit "Gott war´s", sondern mit "ich weiß es (noch) nicht" - und forscht weiter.

Bleibt abschließend nur zu hoffen, dass Du es in Deiner Juristerei genauso hältst: Wenn Dir der Gotteskrieger erklärt, dass er in göttlichem und daher unausweichlichem Auftrag gehandelt hat - finde Dich nicht damit ab ... Icon_wink

Sangus
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Teilthema: Evolution - von Ekkard - 31-01-2012, 13:09
RE: Teilthema: Evolution - von paradox - 01-02-2012, 03:21
RE: Teilthema: Evolution - von Ekkard - 01-02-2012, 15:13
Teilthema: Die Frage nach Gott - von Ekkard - 31-01-2012, 13:48

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